Review

Drøn

Numerator

Science Cult • 2024

Drøn. Dass man es hier mit einem IDM-Act zu tun hat, kann man sich irgendwie denken. Dass er aus Deutschland – oder zumindest nicht aus Skandinavien – kommt, irgendwie auch. Die Vorliebe für das »ø« ist bei deutschsprachigen Elektronik-Acts schließlich besonders ausgeprägt. Vermutlich, weil es das Fremde, Unvertraute ebenso kommuniziert wie die technologische Sterilität dieser Musik. Bei Drøn trifft beides zusammen, und zwar im Sinne von klassischer Intelligent Dance Music im Stile der Jahrtausendwende. 2000 veröffentlichte das Trio mit »Parsec« sein Debütalbum, auf »Numerator« versammelt es 13 bislang ungehörte Nummern aus über 20 Jahren Producing.

Der Titeltrack verklanglicht das »D« in IDM und mutet anfangs an wie ein heruntergepitchter Unit-Moebius-Roller, um nach kurzer Abtastphase dem »I« Rechnung zu tragen und mit Vocal-Chiffren im Boards-of-Canada-Duktus und erhebenden Pads gen interstellarer Raum zu levitieren. »Tektite« brummt unvermittelt los und keucht im Beat wie der Brothomstates-Klassiker »Mdrmx« von 2001. Nur weil ihr Sound referenziert, heißt das aber nicht, dass Christoph Abert, Frederik Dahlke und Ingo Zobel ihn ausschließlich aus fremden Einflüssen destilliert hätten. So gut wie jedes der Stücke vermittelt Eigenständigkeit, Robustheit, Dringlichkeit. Zwar inszenieren Drøn den Aufbau meist betont holprig, doch schon kurz darauf entwickeln sich spröde, aber liebenswürdige Grooves.