Floating Points

Elaenia

Luaka Pop • 2015

Wenn das Album zu Ende ist, bleibt man mit einem leicht verstörten Gefühl zurück. Das liegt zunächst einmal am eindeutig abrupten Ende des letzten Tracks »Peroration Six«, der im Grunde mittendrin abbricht. Statt das zahlende Publikum behutsam mit einem Fade-Out oder einem Schlussakkord abzunabeln, beschließt Floating Points auf seinem Debütalbum »Elaenia« irgendwann, dass es jetzt gut ist. Das mag willkürlich erscheinen, ist aber ein geschickter Zug. So wie das ganze Album zuvor ein unwirkliches, kaum zu greifendes Wesen ist, freundlich, zugänglich, doch zugleich auf fast ätherische Weise clubabgewandt, sich selbst genügsam, rätselhaft. Dabei ist es einfach ein reifes Zeugnis von Sam Sheperds musikalischer Offenheit, die weniger nach dem Ausfüllen von vorgefundenen Förmchen strebt, als nach Wegen sucht, um möglichst elegant aus diesen herauszuquellen. Neben Floating Points’ elektronischen Apparaturen sind zu diesem Zweck eine ganze Reihe weiterer Instrumente mit dabei, Streicher, Gitarre und Schlagzeug. An manchen Stellen fühlt man sich auf angenehme Art an Lonnie Liston Smith erinnert, doch das ist bloß eine mögliche Referenz im Floating Point’schen Kosmos. Er geht seinen Weg so sicher, dass man ihm keine anderen Namen zur Seite stellen muss. Wenn es so schön zugeht, ist es im Grunde Betrug, dem Geschehen die Illusion der theoretischen Unendlichkeit zu verleihen und die Musik langsam ausklingen zu lassen. Der Schnitt am Ende macht klar: Jetzt kommt wieder die Wirklichkeit. Oder ihr hört einfach noch einmal von vorn.

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Floating Points
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