Review

Isolee

Resort Island

Resort Island • 2023

Es war eine kleine Sensation, als Rajko Müller sein erstes Album als Isolée nach zwölf Jahren ankündigte. Letztlich aber klingt »Resort Island« alles andere als sensationell – und das im allerbesten Sinne. Nachdem die Microhouse-Legende zuletzt in nur unregelmäßigen Abständen hin und wieder EPs für Labels wie Pampa, Mule Musiq oder Maeve veröffentlicht hatte, markiert das Album den Startschuss für das gleichnamige, von Müller betriebene Label. Schon der Opener »Coco’s Visa« verdeutlicht, dass sich die seiner Musik schon immer innewohnende Freundlichkeit keinesfalls verloren hat und dass dem – immer mit einem halben Augenzwinkern hergestellten – Funk aber noch etwas mehr atmosphärische Beiklänge hinzugefügt werden. Hier und dort lassen vor allem die kurzen Stücke doch tatsächlich an Ulrich Schnauss denken. Und doch gibt es über zehn Tracks hinweg vor allem Isolée wie eh und je, das heißt mit immer dezent verschobenen Parametern erleben. »Pardon My French« spricht schon im Titel die Verneigung vor Daft Punk und anderen French-Touch-Ikonen aus, »Modernation« schubst mit unbekümmerter Freude ein paar sonderbar bekannt wirkende Samples quer durch den Mix und »Clap Gently« setzt auf schräge rhythmisch-melodiöse Spielereien. Daran überrascht freilich in der Gesamtsicht wenig, es tut aber gut. Denn ein bisschen wirkt »Resort Island« so, als habe Müller in den vergangenen zwölf Jahren keinen Fuß in einen Club gesetzt. Die Minimal-Techno- und Tech-House-Anleihen wirken völlig unbekümmert, als hätte die Gentrifizierung dieser Genres niemals stattgefunden. Und nachdem die BPM-Zahlen zuletzt immer weiter in die Höhe gesprossen und die Klangfarben immer greller glühten, erinnert »Con o Sin« daran, dass es für einen veritablen Peak-Time-Hit weder hohes Tempo noch laute Knalleffekte braucht. Und stattdessen vor allem Timing, einen feinen Sinn für Arrangement und manchmal simple, sture Ausdauer. Das sind schließlich die Grundzutaten in der Rezeptur von zeitloser Musik und durch sie konstituiert sich dieses wunderbar unzeitgemäße Album. Wer braucht da schon Sensationen?