Review

Julie Byrne

The Greater Wings

Ghostly International • 2023

Der ätherische Folk der Julie Byrne erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt auf den letzten Minuten ihres zweiten Albums »Not Even Happiness«: »I Live Now As A Singer« schwebte auf weiten Synthie-Flächen dahin, während die 33-jährige Amerikanerin dazu sang: »And yes I have broke down asking for forgiveness, when I was nowhere close to forgiving myself.« Maßgeblich an ihrer Entwicklung als Künstlerin beteiligt: Produzent und Lebenspartner Eric Littmann.

Das war 2017. Es folgte die schwerste Zeit im Leben von Julie Byrne. Die Aufnahmen für ihr drittes Album laufen. Da stirbt Littmann. Byrne zog sich zurück. Ihr drittes Album »The Greater Wings« erscheint erst jetzt und baut klanglich ziemlich genau auf eben jenem letzten Moment ihres zweiten Albums auf. Die Enge des Folk legt Byrne auf diesem Album komplett ab. Alles wieder offen. Weit. Groß. Und trotzdem zurückgenommen. In sich gekehrt. Das größte Universum schlummert eben in uns.

Julie Byrne verarbeitet den Tod Littmanns und ihre Trauer mit diesem Album. Allein die ersten neun Songs rütteln an unserem Innersten. Weder Cat Power noch Sharon van Etten streichen mit ihrem Sound so über die Seele. Dann: »Death Is The Diamond«, Byrne am Klavier, Worte, so zerbrechlich, so entrückt, so verletzlich. Nach diesen fünf Minuten liegt jeder heulend am Boden, so unglücklich über das Leben, so glücklich über das Leben. Es ist mehr als nur ein Höhepunkt dieses Albums. Diese Platte ist Julie Byrnes Meisterstück bis hierhin.