Es war überfällig, einen Auftritt von Kahil El’Zabar mitzuschneiden und auf Platte zu pressen. Fast 40 Jahre hat es gedauert. Dabei gehört er zu jenen Musikern, deren ganze Magie sich live nochmal einprägsamer entfaltet und transportiert.
Let The Spiritu Out: Live at »mu« London ist das Werk, das man jemanden empfehlen würde, der gerade erst anfängt die Musik der Jazz-Legende aus Chicago zu interessieren. So klingt Kahil, so fühlt sich das an. Wie meistens auf seinen Alben wechselt sich das Aufgepeitschte mit dem Kontemplativen ab, wie meistens ist Kahil an Kalimba, Cajon und Drums unterwegs, wie immer erwischen ihn die Geister; man hört es ihn durchzucken, die »Mmm«s und »Aaahs« entweichen. Dazu die nicht weniger beseelten Zurufe aus dem Publikum nach einem Solo. Das nimmt einfach nochmal anders mit.
Die Essenz hier also in Reinform. Wo auf der letzten Kahil-Veröffentlichung – Open Me, A Higher Consciousness of Sound an Spirit – die Geige von Jamie Sanders noch das einprägsame Zusatz-Element war, oder auf A Time For Healing Isaiah Collier an der Trompete, da dominiert diesmal Alex Harding mit seinem mächtigen Baritonsaxophon. Das mögen wir natürlich. Zumal, wenn man ihn mal spielen sah: Er hat da auf der Bühne die Ausstrahlung eines sehr entspannten Mannes, der sonntags mit Schlappen im Wohnzimmer steht und im Duft des bereits angerichteten Essens die letzten paar Minuten eines NFL-Spiels in der Glotze (Röhre) verfolgt. Higher consciousness im Jogginganzug. Wie der einsteigt, nachdem man fast zehn Minuten von der Gershwin-Komposition »Summertime« das Nervenkostüm reguliert bekommen hat – ja!

Let The Spirit Out Live At "Mu" London
