Laurence Crane / asamisimasa

Sound Of Horse

Hubro • 2016

Wo man ankommt, wenn man Musik bis auf die Knochen auszieht, ist eine Frage, die im letzten halben Jahrhundert immer wieder gerne gestellt wurde – auch, weil es immer neue Antworten darauf gab. Laurence Crane britischer Komponist mit schmaler Diskografie, die nicht viele seiner etwa 80 Werke abbildet, bricht herkömmliche abendländische Muster auf Atome herunter, um jene dann von ganz alleine leuchten zu lassen: Einfachste Akkorde und Motive, als hätte man dem Philip-Glass-Ensemble die ruhelosen Finger einzeln in Gips verpackt, erzeugen Wohlklang, aber einen, der so gar nichts mit Easy Listening zu tun hat. Der tiefe Ernst dieser Kammerstücke lässt hier vielmehr verstummen. »Sound of Horse«, das dieser 2LP den Titel gebende von fünf Stücken, ragt da besonders heraus. Das jeden Anflug von Langeweile pulverisierende Kraftfeld, das Klarinette, Gitarre, Percussion und Cello hier erzeugen, entsteht allein aus konzentrierter Balance karger Klangkuben, klar und doch ungreifbar wie ein Mobile. Geschrieben wurde dieses Stück für das Ensemble asamisimasa, das sich neben Laurence Cranes Haus-Ensemble Apartment House seit bald zehn Jahren um sein Werk mit Aufführungen verdient macht, speziell mit »John White in Berlin«, das ihnen hier als Opener ihrer Sammlung dient. Ensemble-Mitglied Håkon Stene (Percussion, Produktion) lieferte zudem 2014 auf seinem Soloalbum für Hubro zum Großteil Crane-Kompositionen ab, darunter »Riis«, das hier in ursprünglicher Ensemble-Fassung enthalten ist. Eindrücklich instrumentierte Drones sind die Bausteine jener beiden Werke, deren filmmusikalische Reduktion Bilder hervorruft, deren Weite aber auch immer in die Westentasche zu passen scheint, menschliches Maß behält: Blicke aus großer Ferne aufs profane Dasein. Darin sind sie Celer und dessen erhaben-sanften Wolkenloops verwandt, aber mit der ikonischen Wirkung von Kinderbuch-Illustrationen. Wenn Ditte Marie Bræin dann in »Events« Geburtstage, Wechselkurse und Wetterberichte von 7.2.1997 aufsagt, dann nicht mit der frostigen Datenpoesie eines Anne-James Chaton, sondern wie ein Engel, der zum ersten Mal aus dem goldenen Buch vorliest. Auch im Himmel wird nur mit Wasser gekocht.