Review

Lawrence English & Lea Bertucci

Chthonic

American Dreams • 2023

Chthonisch, das heißt der Erde zugehörig, und umfasst mythologisch gesehen alles, was sich untergründig regt, todbringend und lebenschenkend. Lea Bertucci und Lawrence English haben es sich auf »Chthonic« also nicht leicht gemacht, widmen sich die fünf Tracks doch geologischen Begebenheiten wie Hügelketten, Sandstürmen, Erdschichten.

Lea Bertucci und Lawrence English arbeiten beide an der Schnittstelle von Umwelt, Raumwahrnehmung und Musik. Bertucci hat etwa im Rahmen ihres Projekts »Acoustic Shadows« die Hohlkörper der Deutzer Brücke in Köln zum klingen gebracht. Ortsspezifische Musik nennt sich das. 2019 waren sich Bertucci und English in Rio begegnet, erkannten ihre gemeinsamen Interessen, und starteten eine musikalische Korrespondenz, aus der das dunkel dröhnende, schimmernde Ambient-Album hervorgegangen ist, das uns mitnimmt in die planetarische Tiefenzeit tektonischer Verschiebungsbewegungen.

Bertucci war für akustische Klänge zuständig, English für field recordings. Während man den Sandsturm rieseln, Feuer und Gase zischen hören kann, regt sich das Chthonische akustisch durch die quasi erdgeschichtliche Dauer, die den Klangtexturen gegeben wird. Hier stehen nicht nur akustische Instrumente und andere Klangerzeuger im Fokus des Hörerlebnisses, sondern in gleichem Maß deren Räume. So regt sich der Weltatem.