Lower Dens

Nootropics

Ribbon Music • 2012

Ein Album, dem es gleichzeitig gelingt eine eigene Welt zu erschaffen und vergessen zu machen, dass es überhaupt eine Welt gibt. Lower Dens’ 2010 erschienenes Album »Twin-Hand Movement« war vor allem einer dieser Soundtracks für winterliche Pärchentage im Schlafzimmer. Das lief sachte in Playlists mit The xx oder Beach House mit. Ihr neues Album ist fordernder. Verloren geht dadurch nichts; viel mehr gewinnt das Quartett um Jana Hunter dadurch an Vielfalt. Der verträumte Gitarrenpop der ersten Platte bekommt Verstärkung durch auffälligere Synths (Kraftwerk diente als Inspirationsquelle) und Kraut-Rock-Elemente. Zum ersten Album konnte man in eine romantische Blase aus Nachmittags-TV, Power Naps und Kuschelorgien mit Kaffeepause fallen; »Nooptropics« lässt diese immer wieder platzen. Das Album nimmt den Hörer mit aus der urbanen Tristesse Baltimores, raus auf die Feldwege Marylands; nur vom wackeligen Scheinwerfer beleuchtet tragen sie den Hörer in das Abstrakte. Umso bewusster man das Album hört, umso weniger Konkret werden die Bilder, die es entwirft. Auch der Sound pendelt hin und her: Mal ist er kantig – man sieht förmlich, wie der Drum-Stick die straff gespannte Schwingungsmembran zwickt -, im nächsten Moment wabern wieder ewige Synths und Gitarrenfelder ziehen sich unüberschaubar über die Soundlandschaft. Mit dem Gesang schließlich verhält es sich ebenso: Hier singt Hunter hoch und prägnant – die Straßenschilder huschen vorbei – dann schon haucht sie verraucht und dunkel einen ganzen Ton bis die Zeit verwischt.

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Lower Dens
Nootropics
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