Es gibt Genres, bei denen selbst mittelmäßige Alben eine gute Zeit versprechen. Zweitklassiger Pop ist immer noch unterhaltsam, genauso wie amateurhafter Ambient immer noch schön ist. Demgegenüber ist Prog Rock eine Angelegenheit der Extreme. Eine Prog-Rock-LP ist entweder hemmungslose Masturbation mit Instrumenten Nabelschau oder eines der besten Alben des Jahres – und nichts dazwischen. Diesem Credo scheint sich auch Nate Mercereau verschrieben zu haben. Sein neuestes Album, Fantastic Thoughts, verspricht »dichte Arrangement-Schichten und abrupte Formwechsel«, einen Überfluss an Ideen und radikale Imagination. Und das erfüllt es auch. Wollte ich alle Instrumente aufzählen, die im Promo-Text gelistet sind, hätte ich mein Zeichenlimit überschritten.
Allein der Opener »There Is Something Here…« vereint Ambient-Texturen mit Rockriffs, Jazz-Freak-Outs und Noise-Arpeggios. Der Mix ist untypisch, fast metallisch, bringt damit ungewöhnliche Qualitäten hervor. Wer Naked City mag, wird hier einige Songs lieben. Ich höre Fantastic Thoughts sehr gerne – aber nicht in einer Sitzung. Seine extremen Variationen werden schnell eintönig. Nach 30 Minuten verliert es mich völlig. Sein Maximalismus ist seine Crux: Es kann seine eigenen Anforderungen nicht ertragen. Macht das Fantastic Thoughts zu einem gescheiterten Album? Vielleicht. Gerade deshalb ist es hörenswert. Fantastic Thoughts verweigert sich jeglicher Mittelmäßigkeit und ist bereit, den Preis zu zahlen. Bitte mehr davon!

Fantastic Thoughts