Nebular ist nicht der erste Austausch zwischen dem experimentierfreudigen Gitarristen Roy Montgomery und der Avant-Pop-Künstlerin Martha Skye Murphy. Montgomery war bereits auf Murphys hochgelobtem Album Um zu hören, und Murphy war es, die ihn wiederum während seiner Residency im Café OTO in London begleitete. Daraus folgte ein Austausch, oder vielmehr eine dauerhafte kreative Verbindung per E-Mail, befeuert durch die Entdeckung, dass beide mit demselben Tascam-Mehrspurrekorder arbeiten. Nebular ist jetzt das resultierende Album dieses Fernaustauschs.
Montgomerys zyklische, ausklingende Gitarren- und Klavierkompositionen, irgendwo zwischen Post-Rock, Folk und Drone, treffen hier auf eine Stimme, die sich jeder festen Sprache entzieht. Murphys Gesang löst sich in Fragmente aus Konsonanten und Vokalen auf, wird zu einer Klangform, die das Gefühl über jedes Wort stellt. Direkt im ersten Song At Dawn zeigt sich dieser Kontrast am deutlichsten. Murphys gleißender Gesang durchbricht die dröhnenden Gitarrenflächen, während sich alles zu einem brodelnden Crescendo auftürmt und wieder abfällt. Im 17-minütigen Zentrum des Albums The Play of Light and Dark, einer Anspielung auf die unterschiedlichen Hemisphären der beiden, verdichtet sich diese Statik zu einem glockenspielartigen, fast schon rituellen Sog, der immer wieder von Murphys mehrspuriger Stimme angestoßen wird. Völlig aus physischer Ferne entstanden, ist Nebular ein Beweis dafür, wie nah sich beide Künstler:innen geistig sind: Ein Austausch, der sich jeder Einengung entzieht und Grenzen verschwinden lässt.

Nebular