Nídia

Não Fales Nela Que A Mentes

Príncipe • 2020

Seit nunmehr fast einem Jahrzehnt führt das Label Príncipe die Weiterentwicklung des angolanischen Kuduro-Sounds von Lissabon und damit aus dem Herzen der ehemaligen Kolonialmacht Portugal aus an. Derweil eine Sängerin wie Pongo mit pop-affinem Sound am Mainstream Anschluss findet, gibt sich das Imprint in musikalischer Hinsicht genauso radikal wie seine minimalistischen Artworks liebevoll aufgemacht werden. Nídia Borges debütierte vor fünf Jahren unter dem Namen Nídia Minaj auf Príncipe und hat seitdem den echten wie den geliehenen Nachnamne abgeworfen. Im Abspecken ist die Produzentin schließlich eine Meisterin. Schon ihr digitales Debüt »Estudio da Mana« aus dem Jahr 2014 zeigte sich maximal aufgekratzt, verwendete für seine Arbeit an der Schnittstelle von Afro House und Digital-Kuduro gemeinhin recht wenige Elemente. »Não Fales Nela Que A Mentes« ist das erste eigenständige Release der zwischenzeitlich von Fever Ray rekrutierten Nídia und gibt sich ohrenscheinlich gedämpfter, ja erinnert in Tonalität und Stimmung mit seinen entschleunigten Tarraxo-Rhythmen nicht selten an eine heruntergestrippte Version von Gqom oder sogar Jlins düstere Momente. Selbst die morbiden Flöten-Loops von »Popo«, der schleppende »Rap Tentativa« oder die bröseligen Sounds der schnappatmenden Vorab-Single »Capacidades« jedoch geben sich nicht allein der Grübelei hin, sondern gehen nach vorne und damit ein paar Tanzschritte auf den Dancefloor zu. Denn obwohl insbesondere die ratternden Kuduro-Beats hart und die Atmosphäre eher bedrückt sind, deuten Tracks wie das Funk-Feuerwerk »Nik Com« oder die beinahe an Forest Swords gemahnenden preziösen Zwischentöne auf »Raps« ein Licht am Ende des Tunnels an. Und die grellen Synthie-Orgel-Töne, mit denen »Emotions« nach 28 schwitzigen Minuten das Putzlicht anknipst? Hätten nicht nur in ästhetischer Hinsicht aus einem Track der Grime-Frühphase stammen können, sondern stellen auch dieselbe Aufbruchstimmung an das Ende eines Albums, welches bisweilen kaum mehr als einen Rhythmus und einen simplen Loop braucht, um ein riesiges Koordinatensystem zu eröffnen. »Não Fales Nela Que A Mentes« ist selbst im Backkatalog von Príncipe neben stilistisch ähnlich gelagerten Platten wie die von Puto Tito ein radikales Werk, weil seine Reduktion ungemein drastisch ist.