Review

Rick Ross

God Forgives I Don’t

Def Jam • 2012

Seit »Port Of Miami« hat Rick Ross den Umfang seiner Wohlstandsplautze immer weiter Richtung Weltherrschaft ausgedehnt und dabei den Katalog mit unzähligen Klassikern angereichert, dass es eigentlich nur eine Frage der Zeit war, bis der hemmungslose Kreativ-Kohldampf einem Überdruss wich. Das fünfte Album von Officer Ricky demonstriert nun pappsatte Trägheit aus dem Schlaraffenland Maybach Music Group in so knallharter Gnadenlosigkeit, wie es der unfreiwillig komisch klingende Titel »God Forgives, I Don’t« vermutlich suggerieren soll. Doch auch, wenn man sich Parallelen zwischen kaltblütiger »Scarface«-Ästhetik und alberner Spaghetti-Western-Referenz zurecht spinnen kann, lassen sich schon beim Gipfeltreffen »3 Kings« erste Übersättigungssymptome ablesen. Rozay und Jigga droppen gewöhnliche Kapitalgesellschafter-Lines und ein verwirrter Dr.Dre präsentiert statt majestätischer Poesie eher teilnahmslose Kaufberatung (»You should listen to this beat through my headphones« !?). Trotz glanzvollen Großhändler-Tales wie »Ashamed« oder cinematischer Werdegangs-Literatur wie »Sixteen« wird die in der Promophase angekündigte Martin-Scorsese-Großtat leider nur in Bruchteilen erreicht. So verwässert man den edlen Mafioso-Blues durch Großraumdisko-R&B (»Touch ‘N You«) und unfertige Austauschbarkeit (»Ice Cold«). Natürlich taugen die Breitbildbeats nach bewährter »B.M.F«-Formel (»Pirates«, »Hold Me Back«,»911«, »So Sophisticated«) immer noch, um deinen Ford Fiesta in einen Lexus CT zu verwandeln und natürlich ist »God Forgives, I Don’t« ein überdurchschnittlich gutes Album. Doch wenn der Hunger das Dienstmädchen des Genies ist, sollte Rick Ross sein Personalmanagement überdenken.