Ein paar Jahre bevor das Yellow Magic Orchestra Ryuichi Sakamotos claim to fame werden sollte, erscheint sein Name erstmals auf einem Albumcover. Disappointment-Hateruma nahm Sakamoto, 1976 noch Student an der Tokyo National University of Fine Arts and Music, gemeinsam mit dem Multiinstrumentalisten und Percussionisten Toshiyuki Tsuchitori auf. Auf dem Album erkundet er Gebiete, die er später nur noch selten betreten wird: freie Improvisation und Free Jazz.
Im 20-minütigen »Aya« tritt Tsuchitoris Begeisterung für afrikanische Rhythmen deutlich hervor; er zeigt, was er bei seinem Vorbild, dem amerikanischen Free-Jazz-Schlagzeuger Milford Graves, gelernt hat. Sakamoto beantwortet die intensiven Percussion-Attacken mit einem Pianospiel, das so fordernd wirkt, als wäre er bei Cecil Taylor in die Schule gegangen. Auf den drei kürzeren Stücken der zweiten Seite experimentieren Sakamoto und Tsuchitori mit präpariertem Klavier, Glocken, Gongs, Marimba, Synthesizer und ihren Stimmen – zwischen Ambient-Texturen, dekonstruiertem japanischem Folk und Musique concrète.

Disappointment-Hateruma

