Dass Räume, egal ob von Mensch oder Natur erschaffen, einen ganz eigenen Klang haben, wissen Musiker:innen nur zu gut. Der Violinist und Multiinstrumentalist Simon Goff erklärt für sein neues Album außergewöhnliche architektonische Umgebungen zum sinnstiftenden Rahmen. Die Aufnahmen entstanden teils in Berlin in einer Kirche und einem Wasserspeicher, aber auch in einem »Sound Mirror« an der britischen Küste, wo zwischen den Weltkriegen und vor der Erfindung des Radar mithilfe einer großen Betonkonstruktion die Motorengeräusche feindlicher Flugzeuge frühzeitig zu hören waren. Goff will diese Räume mit seiner Musik selbst zum Instrument machen.
Das alles muss man nicht wissen, um Interior Realms Vol. 1 wertschätzen zu können. Denn an der mittlerweile fast schon mainstreamigen Schnittstelle zwischen Geige, Piano und Elektronik tappt Goff in keine der offensichtlichen Fallen, in denen die Neoklassik immer noch zappelnd auf die Erlösung wartet. Die acht Kompositionen sind vielmehr mitreißende Kleinode kammermusikalischer Exzellenz, demütig und doch kraftvoll inszeniert. Ohne klebriges Säuseln, ohne überdramatisiertes Drama, stattdessen voller Tiefe und verschlungener Abzweige, die nur ein wacher Geist mit durchgedrücktem Rücken mutig zu durchschreiten wagt. Musik, die dem Ballast des Betons Blumen in die Ritzen pflanzt

Interior Realms - Vol. I