Review

WITCH

We Intend To Cause Havoc

Now-Again • 2012

Ein weiteres Stück fast vergessener afrikanischer Musikgeschichte wird durch diese Anthologie der ersten fünf WITCH-Alben von Now Again zugänglich gemacht. Und wie nicht anders zu erwarten, überzeugt die 4-CD-Box (bzw. 6-LP-Box) nicht nur auf rein musik-ethnologischer Ebene, sondern vor allem durch die musikalische Klasse. Größtenteils mit englischen Texten wird hier Zamrock vom feinsten vorgetragen: eine Mischung amerikanischer Einflüsse aus Soul, Funk und Jazz wird kombiniert mit Elementen aus Afrobeat, kongolesischen Rhythmen und Folk aus Sambia. Sogar, und das ist bei solch raren Aufnahmen aus den frühen Siebziger Jahren keine Selbstverständlichkeit, die Klangqualität ist außerordentlich gut, stammt doch der Großteil der Songs von den Original-Tapes. Den großen (auch finanziellen) Einsatz, die Strapazen auf den Reisen und die enorme Rechercheleistung nach sprichwörtlich »Überlebenden« von WITCH dokumentiert der Label-Gründer Eothen Alapatt wie immer in umfassenden Linernotes mit einem langen Interview des WITCH-Sängers Emmanuel Kangwa »Jagari« Chanda. Wie schwierig es gewesen ist, an diese Mastertapes zu kommen, beweist allein die Tatsache, dass damals in ganz Sambia in etwa so viel Menschen lebten wie allein im nigerianischen Lagos – und nigerianische Musik aus dieser Zeit in solcher Qualität aufzutreiben, ist bereits eine schwierige Sache.