Auf LILA fügen sich schwerelose Synthesizer, Cloud-Rap-Inversionen und dissoziierte Beats zu einem porösen Ambient-Gefüge zusammen. Eigentlich ist Mohamed Bourouissa ein algerisch-französischer Künstler und Fotograf, der in seinen Arbeiten soziale Realitäten marginalisierter Gruppen in vielschichtige Porträts überträgt. Auf seinem Debütalbum auf PAN behandelt er diesmal Beziehungen und Erinnerungen. Jeder der zwölf Tracks ist einer Person gewidmet, die das Leben des Künstlers geprägt hat. Bourouissa übersetzt diese Momente in Texturen, Stimmen und besondere Spannungszustände, die spontan mit Keyboard, Mischpult, Mikrofon und Effekten aufgenommen wurden.
Der Ansatz bringt automatisch eine gewisse Komplexität mit sich: Wiederholt wechseln sich melancholische und unterschwellig beunruhigende Zustände ab. SEUM vereint vielschichtige Drones mit verzerrten Vocals und xenharmonischen Akkorden – einer bewussten Abweichung von den Tonabständen und Stimmungen der gewohnten westlichen Musik. Im Titeltrack mit der italienischen Avantgarde-Künstlerin Valentina Fanigliulo öffnen sich hoffnungsvolle Pads unter metallisch verfremdetem Gesang und unregelmäßigen Beats. LILA fühlt sich an wie ein Zustand zwischen Wachsein und Schlaf. Stimmen erscheinen verschleiert, Synthesizer schweben eher als klare Räume zu markieren, und Beats setzen oft nur fragmentarische Impulse. Mohamed Bourouissas Debüt oszilliert irgendwo zwischen Sehnsucht, Verletzlichkeit, Unruhe und Trost – vielschichtig, greifbar, fesselnd.

Lila