Simon Green ist dieses Jahr 50 geworden. Sein halbes Leben lang hat er als Bonobo Alben veröffentlicht, Distance in Static ist das achte, und vor der nächsten Phase seines Lebens betätigt er behände den Schleudersitz und winkt dem Hamsterrad noch einmal hinterher. Das neue Leben als Filmschaffender, bildender Künstler oder Plattenunterhalter hinter den Decks wartet. Es ist nicht das erste Mal, dass Bonobo dem Status quo den Weg versperrt. In den 2000er-Jahren wurde er mit Musik bekannt, deren Vorläufer man bei iTunes noch mit Nu Jazz oder Mo’ Wax getaggt hätte. Organische, samplebasierte Sounds mit viel Soul und Hip-Hop in den Knochen. Tanzen ist aber auch schön, weshalb er sich lieber clubtauglicheren Kompositionen widmete. Sollte Distance in Static vorsichtig als Abschied angedacht sein, ist die Musik deshalb alles andere als vorsichtig.
Gerade Tracks wie das euphorisch in Richtung Trance schielende »Cycles« und der Bubblegum-Bass in »Me and You« fassen gut zusammen, wie die Zeit auch für Bonobo nie stillstand. Garage-Type-Beats wie auf dem als Hit geborenen und tief brummenden »Talk to Me« wollen nicht unterschlagen werden. Sollte Bonobo in Zukunft doch mehr den DJ spielen, ist das aber vielleicht gar nicht der ganz große Wandel. Er versteht es nämlich selbst auf seinen eigenen Tracks, anderen Musiker:innen den notwendigen und berechtigten Platz einzuräumen. Feature-Gäst:innen wie Nicole Miglis oder Aanya Martin sind dank ihrer Stimmarbeit die heimlichen Stars der Platte.


