Als ich die venezolanische Electronic/Industrial/Avantgarde-Künstlerin Arca – eigentlich Alejandra Ghersi Rodríguez – 2025 auf dem Roskilde Festival erleben durfte, war ich schnell von ihrer Performance eingeschüchtert: Die flackernden Strobo-Visuals, das chaotische Digitalgewitter, der überwältigende Intensitätsgrad – und dazu noch die ekstatische Reaktion des Publikums. Seitdem will ich das Phänomen Arca begreifen.
Ihr Album XXXXX stellt das erste nach einer längeren Pause dar und lebt von einer digitalen Unzugänglichkeit, die Arca deutlich von artverwandten, im Vergleich weniger radikalen Acts wie FKA twigs oder Björk unterscheidet. Einen Pop-Kern gibt es hier nicht mal ansatzweise; stellenweise fällt es schwer, überhaupt Songs zu erkennen.
Sogenannte Quietsch-, Reiß- oder Blubbersynths gehen in Stöhnen, perkussives Klackern oder krachige Störgeräusche über. Obwohl ich den radikalen Innovationssinn dieser Musik durchaus erkennen, fällt es schwer, mir eine Situation vorzustellen, bei der ich dieses Album gerne anmachen würde. Beim Spazieren? Würde ständig stolpern. Beim Kochen? Wäre das Essen nachher versalzen. Einfach nur beim Sitzen? Bekomme ich eine Panikattacke. Arca wollte hier bewusst zum konfrontativen Radikalitätssinn ihrer frühen Mixtapes &&&&&“ oder @@@@@ zurückkehren und den poppigeren Electro-Reggaeton ihrer Kick-Reihe hinter sich lassen. Wir bekommen also Roboterstimmen, wummernde Synths, brutale Schläge. Das ist einschüchternd, weil hier jemand die Kontrolle über etwas hat, das man selbst kaum versteht. Muss man sich drauf einlassen.

XXXXX

