Tut es weh, weil was zerreisst? Oder hüpft es hoch vor Freude? Was natürlich jeder weiß: Wenn ein Musiker einen deutschen Titel benutzt, obwohl er von anderswo herkommt, friert es ihn meist ein bisschen in den Adern. Herzsprung ist das zweite Album des Kopenhageners GB. Und mehr noch als Kälte, trägt das Album diese charakteristische Verschrobenheit der musikalischen Achse (Malmö)-Kopenhagen-Göteborg in sich. Wenn die Gitarren-Riffs leicht nach außen wegkippen, ist man schnell an die leiernden Wegklagen von Thomas Bush erinnert, wenn die Klänge kurz stören unter müden Vocals denkt man an Treasury of Puppies.
Ganz nahe an Pop-Melodien zu bleiben, diese aber gleichzeitig auch wegzushruggen und sich hinter der eigenen Weirdness zu verstecken, das hat in den vergangenen Jahren einfach niemand besser gemacht als die Skandinavier. Aber an dieser Stelle erhebt sich Herzsprung über das genannte Vergleichsmaß: Denn ein tatsächliches emotionales Erscheinen traut sich GB zu, und auch die Musik darf über das Unverbindliche hinaus anschwellen. Gegen Ende des Albums, auf »Shit River« klingt der Kopenhagener Songwriter schließlich erst nach Arthur Russell, bevor er singt und singt und sing, »everything in between collapsed, rushing floods of insignificance«, während die E-Gitarre und Schlagzeug die großen Scheinwerfer anmachen. Dann fährt das auf und rein wie Jason Molina. Und dann muss man sagen: Es zerreißt.

Herzsprung