Music Porträt | verfasst 17.01.2020
Blackest Ever Black
Suche nach Entfremdung
Unter Connaisseuren abgefuckter Klänge wurde Blackest Ever Black geschätzt wie kein zweites. Ende des Jahres 2019 war plötzlich Schluss. Wir blicken zurück auf ein Label, das musikalisch die 2010er Jahre bestimmte wie nur wenige andere.
Text Nils Schlechtriemen , Übersetzung Nils Schlechtriemen
Blackest-ever-black-2

Es ist stets Vorsicht geboten, wenn Labels vollmundig in einem Selbstverständnis vermeintlicher Andersartigkeit und eigenständiger Release-Politik schwelgen. Oft genug bleibt es bei der bloßen Behauptung, ohne dass ihr tatsächlich mutige, neue, unkonventionelle Veröffentlichungen folgen – echte Vorreiter ernennen sich nur selten selbst. Als Kiran Sande vor fast genau zehn Jahren Blackest Ever Black ins Leben rief, waren seine Motive daher so bescheiden wie ehrlich: »Schuld, Neid, Rache. Das waren sicher nicht die Stützpfeiler des Labels, aber seine Geburtshelfer. Es gab auch weitere Faktoren. Eigentlich ist Blackest Ever Black nichts anderes als der Kampf eines Mannes, mit dem Rauchen aufzuhören«, erinnert sich der einstige Chefredakteur vom FACT Magazine im Interview mit Resident Advisor. Zentral für Entstehung und Entwicklung des Labels waren neben Sande auch die beiden Londoner Produzenten Joe Andrews und Tom Halstead, deren mystisch verzerrter Dark Ambient als Raime von der ersten Minute an großen Eindruck auf den BEB-Gründer machte – und so auch die Kuration des Hauses mitprägte.

Obwohl im weiten Spektrum elektronischer Musik verwurzelt, spielten dabei die neuesten Entwicklungen in House, Techno und Clubmusik insgesamt zunächst kaum eine Rolle. Stattdessen ließ sich Sande sowohl von Drone und Doom Metal inspirieren, als auch vom Jungle anno 93-94 und dem grundlegenden Industrial der späten Siebziger und frühen Achtziger. Dieses Vordringen ins Gestern und Morgen wird definiert von unkonventionellen Werken, denen bei Blackest Ever Black immer wieder ein besonderer Wert für die zunehmende Entfernung vom Mainstream und seinen Deltas eingeräumt wurde. »Doch es waren Raime, die mich dazu bewogen tiefer und härter einzusteigen, das alles mit der zeitgenössischen Musiklandschaft zu verbinden und es dazu zu verwenden, die Gegenwart und das was noch kommt zu untersuchen. Auch wenn es vielleicht abgedroschen klingt: Die beiden erinnerten mich daran, dass Musik – vom Untergrund aufwärts – eine Zeitreise ist und du dich in beide Richtungen gleichzeitig bewegen kannst«. Dieses Vordringen ins Gestern und Morgen wird definiert von unkonventionellen Werken, denen bei Blackest Ever Black immer wieder ein besonderer Wert für die zunehmende Entfernung vom Mainstream und seinen Deltas eingeräumt wurde. Reich an kryptischen Andeutungen in Akustik und Optik, erschienen bereits in den ersten Jahren so kriminell unterschätzte Platten wie das von einem Nachtschattendelirium erzählende Raime-Debüt »Quarter Turns Over a Living Line«, Camella Lobos bislang einziges Album als Tropic Of Cancer »Restless Idylls« oder die febrile Techno-Wave-Symbiose »Through The Window« von Prurient.

Die 2010er mit ihren kulturellen, politischen und ökologischen Verwerfungen, aber auch ihrer Flut an neuen Genres und fortwährender Mutationen unserer Hörgewohnheiten, der Weisen wie wir Musik wahrnehmen und konsumieren – sie schienen nach einem Untergrundlabor wie diesem zu rufen. Dabei war es eher einegewisse Langeweile als Redakteur bei FACT tagtäglich mit Promo-CDs und Links bombardiert zu werden, ohne dass signifikant frische Ideen dabei waren, die Sande erst desillusionierte und dann animierte, selber solche Ideen unter einem Dach zu vereinen. Eine Kunst des Weglassens blieb stets entscheidend in der Auswahl der Musik, die für Blackest Ever Black geeignet erschien. »So sehr ich das Wort ›Kuration‹ auch hasse – das eine Zitat, an dem ich nach wie vor festhalte, ist, dass der wichtigste Teil beim Betreiben eines Labels Exklusion statt Inklusion ist. Es geht ums ›Nein‹ sagen. Grenzen setzen.« Dass der BEB-Katalog dadurch von Anfang an eine rigorose Eigenwilligkeit vorweisen konnte und Qualität hier nicht nach den üblichen Maßstäben eruiert wurde, schien die meisten Hörer, aber auch viele Künstler nicht abzuschrecken – im Gegenteil.


Die Schallplatten von Blackest Ever Black findest du im Webshop von HHv Records


Schnell wurde das Label Schauplatz unverhoffter Auferstehungen, wie der von Black Rain, einem 1988 in New York gegründeten Industrial-Projekt, das vor dem grandiosen »Dark Pool« fast zwanzig Jahre kein neues Studiowerk mehr vorlegte. Aber auch Lustmord, Stefan Jaworzyn oder Regis präsentierten hier nach längeren Pausen wieder neues Material, während ganz frische und ebenso unorthodoxe Namen á la Dalhous, Carla dal Forno oder Pessimist die Relevanz ihres künstlerischen Ansatzes betonten: experimentieren, suchen, wagen – das schien in den 2010ern gerade auf der Ebene kantig synthetisierter Sounds kaum irgendwo freimütiger möglich als bei Blackest Ever Black. Vorläufiger Höhepunkt: Die »Five wretched years of Blackest Ever Black«-Labelnacht am 30. Oktober 2015 im Berghain, während der Raime, Prurient, Tropic Of Cancer, Regis, Felix K und Diät bis in die späten Morgenstunden für unvergessliche Shows zwischen Großstadtparanoia, Endzeitstimmung und künstlerischer Verausgabung sorgten – ein Level an Immersion, das Label und Etablissement gleichermaßen gerecht wurde.

In London geboren, in Berlin aufgewachsen und später erneut zurück nach London gezogen, profilierte sich das schwärzeste Schwarz recht schnell als Katalysator sensorischer Subversion in einer sich immer weiter ausfächernden Szene. Nicht nur einzelne phänomenale ProduzentInnen kündeten davon. Insbesondere hochkarätig besetzte Labelsampler vom Kaliber »Scripts Of The Pageant« (u.a. mit Caroline K, Andrew Liles, Death In June, Tropic Of Cancer, Prurient), »The Disappointment Engine« (mit Jon Brooks, The Shadow Ring, The Threshold Houseboys Choir, Alberich, Ramleh) oder »I Can’t Give You The Life You Want« (Tarquin Manek, Bremen, Cut Hands, Secret Boyfriend) verwiesen auf die Offenheit »Gibt es aufregendere Momente im Leben als die zwischen dem Kennenlernen und dem letztlichen Hören einer interessanten Platte?« gegenüber dem Transgressiven, für das der 1983 geborene Labelchef Sande seit frühester Jugend eine Schwäche hatte. Nicht zuletzt deshalb, weil er während der Neunziger mit der britischen Musikpresse aufwuchs, die in Magazinen wie Melody Maker, Mojo, Select und The Face einen trotz hoher Auflage eher unangepassten Duktus kultivierte. Hierzulande damals nur vom Intro-Magazin, der Visions oder Groove stilistisch ähnlich umgesetzt. »Was ich vor allem aus diesen Magazinen zog, waren eher meine eigenen Folgerungen und Vorstellungen: Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich in der Select über einer Seite grübelte, die ein Dutzend Gong-Reissues bewarb – auf die Titel und Cover starrend, versuchte ich mir vorzustellen wie Gong wohl klingen (und lag komplett daneben). Ohne zu dramatisieren, aber du konntest halt nicht einfach online gehen und den Sound eines Künstlers checken, also bedeuteten die Worte damals so viel mehr, manchmal alles. Gibt es aufregendere Momente im Leben als die zwischen dem Kennenlernen und dem letztlichen Hören einer interessanten Platte?«

Für genau solche Momente wurde und wird Blackest Ever Black in ganz Europa unter Connaisseuren abgefuckter respektive berauschender Klänge geschätzt. Doch als Anfang 2018 das abstrakt faszinierende »Sekundenschlaf« des angeblich westrussischen Arbeitslosen Fedor Servolenko aka тпсб erschien (der wahrscheinlich eher das Pseudonym eines ulkigen Kölners namens Gregor ist, bei Soundcloud als Tut Ench Armut registriert), ahnte niemand wie nah das Label dem endgültigen Aus bereits war. Folgten doch in relativ kurzen Abständen »Enter Silence« der zu Unrecht kaum bekannten Space-Rock-Combo Bremen, ein grandioses Studiodebüt von Daniel Davies alias Ossia und das extrem gelungene Post-Punk-Revival »Positive Disintegration« der Berliner Diät, die durchweg sämtliche hauseigenen Qualitätsansprüche zur Gänze erfüllten – Blackest Ever Black schien mehr als bereit für die nächste Dekade. Doch dann war auf einmal Schluss. Various Artists – A Short Illness From Which He Never RecoveredWebshop ► Vinyl LP Die Gründe? Auch auf mehrfache Nachfrage wollte sich Kiran Sande zu ihnen nicht äußern. Vielleicht war es einfach der Stress einer nie endenden Subsistenzwirtschaft, der auf Dauer nicht mehr tragbar erschien. Letzter Release: Die tief traurige Kompilation »A Short Illness From Which He Never Recovered«, deren Titel zumindest Spekulationen über das Ende von Blackest Ever Black zulässt.

Experimentell bis Coil-artig in ihrer Tonalität, widmet Kiran Sande mit ihr das Finale seines Labels dessen Ansprüchen: Der Suche nach Entfremdung, dem Durchbrechen des Alltäglichen. »Ich denke – nein, ich weiß – es war Greil Marcus in einem seiner beängstigend leidenschaftlichen Punk-Essays, der über Musik schrieb, die selbst den Arbeitsweg einer Person verändert und mit allen anderen Vorgängen in Verbindung setzt, dadurch also den gesamten Lebensentwurf dieser Person infrage stellt. Ich bin noch nicht so schamlos zu behaupten, dass Blackest-Platten derartiges tun, nicht im Geringsten. Aber das ist das Ziel, die Ambition – und es ist die Einzige, auf die es wirklich ankommt«.


Die Schallplatten von Blackest Ever Black findest du im Webshop von HHv Records

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Porträt | verfasst 04.12.2015
Blackest Ever Black
Im Wendekreis des Bierdeckels
Blackest Ever Black ist mehr als nur düstere Musik. Eigensinnige Klangexperimente treffen darin auf einen visuellen Gestaltungswillen. Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums blickt der Labelgründer Kiran Sande auf seine Anfänge zurück.
Music Review | verfasst 24.09.2013
Tropic Of Cancer
Restless Idylls
Aus Post-Rock, Ambient und Dream-Pop baut Tropic Of Cancer ein Album rund um stoisch ertragene Trauer.
Music Review | verfasst 07.11.2016
Carla dal Forno
You Know What It's Like
Was Carla dal Forno auf ihren Debüt »You Know What It’s Like« macht, das wäre in den 1980er Jahren als Sound von Berlin durchgegangen.
Music Liste | verfasst 20.10.2017
Ausklang | 2017KW42
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Kolumne | verfasst 03.10.2013
Zwölf Zehner
September 2013
Willkommen im Oktober. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat September musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 30.12.2013
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2013 (Teil 1)
Streitbar, scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip-Hop, Trap, Kanye und Post-Everything. Das Kolumnen-Duo plus Kunze schließt das Jahr 2013 mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab.
Music Review | verfasst 17.10.2019
Carla dal Forno
Look Up Sharp
Carla Dal Forno ist mit »Look Up Sharp« angekommen. Es ist ein komischer Ort. Nah bei sich, weit weg von jemand anderem.
Music Kolumne | verfasst 08.12.2016
Jahresrückblick 2016
Top 50 Alben
Vielleicht ist es das Einzige, das man zu einer Liste mit Schallplatten zu diesem Jahr 2016 sagen kann, in der man nicht einfach nur über Musik reden kann: dass es bereichert, diesen 50 Alben (und 2 Mixtapes) zuzuhören.
Music Kolumne | verfasst 13.11.2019
Aigners Inventur
November & Dezember 2019
Kommt gerade vom Gruppenkuscheln auf der Ersti-Party und weiß trotzdem, wer das beste Deutschrap-Album aller Zeiten veröffentlichen wird. Es kann sich dabei nur um unseren Kolumnisten handeln.
Music Review | verfasst 21.05.2015
Prurient
Frozen Niagara Falls
Nach etlichen Releases als Prurient meldet sich Dominick Fernow nach langer Funkstille zurück. »Frozen Niagara Falls« ist ein Kompromiss.
Music Review | verfasst 03.11.2016
Ashtray Navigations
To Make A Fool Ask, And You Are The First
So herausfordernd und einnehmend wie »To Make A Fool Ask, And You Are The First« ist, werden Ashtray Navigations wieder ihr Publikum finden.
Music Kolumne | verfasst 15.12.2016
Jahresrückblick 2016
Top 50 Reissues
Wir hatten in diesem Jahr mehr Schwierigkeiten uns auf die essentiellen Reissues festzulegen als auf die besten Neuerscheinungen. So viel teures Wishlist-Material wurde dieses Jahr wiederveröffentlicht. Aber hier ist sie nun: unsere Top 50.
Music Liste | verfasst 19.05.2017
Ausklang | 2017KW20
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Liste | verfasst 15.09.2017
Ausklang | 2017KW37
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Kolumne | verfasst 27.02.2019
Vinyl-Sprechstunde
Ossia – Devil's Dance
Diesmal sind sich alle einig: »Devil’s Dance«, das Debütalbum des britischen Produzenten Ossia, hat das Zeug zum Album des Jahres. Ein Track hat es den dreien ganz besonders angetan.
Music Kolumne | verfasst 02.12.2019
Jahresrückblick 2019
Top 50 Albums
Ein Jahr verstreicht, ein Jahrzehnt ist zuende. Der wichtigste Rohstoff dieser Zeit? Einigkeit. Auf diese 50 Schallplatten konnten wir uns einigen. Friedlich! Hurrah! Diese Liste ist die Welt, in der wir leben wollen. So einfach ist das.
Music Kolumne | verfasst 29.01.2020
Aigners Inventur
Januar & Februar 2020
Der Rap Game Berti Vogts hat es ins neue Jahrzehnt geschafft. Angemessen woke und tiefmüde zugleich startet unser Kolumnist Aigner in 2020 und zieht Alben von Stormzy, Ramzi und Bufiman in Mitleidenschaft.
Music Review | verfasst 12.06.2014
Ninos Du Brasil
Novos Mistérios
Nein, Techno ist ganz bestimmt noch nicht tot. Man braucht nur den richtigen Ansatz, wie »Novos Mistérios« von Ninos Du Brasil beweist.
Music Review | verfasst 22.09.2014
Function + Vatican Shadow
Games Have Rules
Auf »Games Have Rules« treffen sich der perfektionistische Function und der chaotische Vatican Shadow in der Mitte.
Music Review | verfasst 20.09.2017
Ninos du Brasil
Vida Eterna
Ninos du Brasil wirken auf ihrem dritten Album »Vida Eterna« verstörender als zuvor. Da gibt es gar kein Vertun. Zumal es klasse ist.
Music Liste | verfasst 12.05.2017
Ausklang | 2017KW19
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Interview | verfasst 12.06.2015
Sylabil Spill & Ghanaian Stallion
»Rap ist immer Ventil«
Alles ist ein Duell. Sylabil Spill fechtet sie im 1vs1 mit Whack-MCs und auf einer Metaebene mit der Gesellschaft aus. Jetzt hat er gleich zwei neue EPs veröffentlicht. Eine davon mit Ghanaian Stallion. Wir trafen das Duo zum Gespräch.
Music Review | verfasst 19.06.2015
MoTrip
Mama
Sein zweites Album »Mama« wird MoTrips Standing als einer der besten Rapper Deutschlands zwar nicht zementieren, aber verankern.
Music Kolumne | verfasst 10.06.2015
Aigners Inventur
Mai 2015
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: A$AP Rocky, Jamie XX, Shamir und Jenny Hval.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.