Music Porträt | verfasst 17.01.2020
Blackest Ever Black
Suche nach Entfremdung
Unter Connaisseuren abgefuckter Klänge wurde Blackest Ever Black geschätzt wie kein zweites. Ende des Jahres 2019 war plötzlich Schluss. Wir blicken zurück auf ein Label, das musikalisch die 2010er Jahre bestimmte wie nur wenige andere.
Text Nils Schlechtriemen , Übersetzung Nils Schlechtriemen
Blackest-ever-black-2

Es ist stets Vorsicht geboten, wenn Labels vollmundig in einem Selbstverständnis vermeintlicher Andersartigkeit und eigenständiger Release-Politik schwelgen. Oft genug bleibt es bei der bloßen Behauptung, ohne dass ihr tatsächlich mutige, neue, unkonventionelle Veröffentlichungen folgen – echte Vorreiter ernennen sich nur selten selbst. Als Kiran Sande vor fast genau zehn Jahren Blackest Ever Black ins Leben rief, waren seine Motive daher so bescheiden wie ehrlich: »Schuld, Neid, Rache. Das waren sicher nicht die Stützpfeiler des Labels, aber seine Geburtshelfer. Es gab auch weitere Faktoren. Eigentlich ist Blackest Ever Black nichts anderes als der Kampf eines Mannes, mit dem Rauchen aufzuhören«, erinnert sich der einstige Chefredakteur vom FACT Magazine im Interview mit Resident Advisor. Zentral für Entstehung und Entwicklung des Labels waren neben Sande auch die beiden Londoner Produzenten Joe Andrews und Tom Halstead, deren mystisch verzerrter Dark Ambient als Raime von der ersten Minute an großen Eindruck auf den BEB-Gründer machte – und so auch die Kuration des Hauses mitprägte.

Obwohl im weiten Spektrum elektronischer Musik verwurzelt, spielten dabei die neuesten Entwicklungen in House, Techno und Clubmusik insgesamt zunächst kaum eine Rolle. Stattdessen ließ sich Sande sowohl von Drone und Doom Metal inspirieren, als auch vom Jungle anno 93-94 und dem grundlegenden Industrial der späten Siebziger und frühen Achtziger. Dieses Vordringen ins Gestern und Morgen wird definiert von unkonventionellen Werken, denen bei Blackest Ever Black immer wieder ein besonderer Wert für die zunehmende Entfernung vom Mainstream und seinen Deltas eingeräumt wurde. »Doch es waren Raime, die mich dazu bewogen tiefer und härter einzusteigen, das alles mit der zeitgenössischen Musiklandschaft zu verbinden und es dazu zu verwenden, die Gegenwart und das was noch kommt zu untersuchen. Auch wenn es vielleicht abgedroschen klingt: Die beiden erinnerten mich daran, dass Musik – vom Untergrund aufwärts – eine Zeitreise ist und du dich in beide Richtungen gleichzeitig bewegen kannst«. Dieses Vordringen ins Gestern und Morgen wird definiert von unkonventionellen Werken, denen bei Blackest Ever Black immer wieder ein besonderer Wert für die zunehmende Entfernung vom Mainstream und seinen Deltas eingeräumt wurde. Reich an kryptischen Andeutungen in Akustik und Optik, erschienen bereits in den ersten Jahren so kriminell unterschätzte Platten wie das von einem Nachtschattendelirium erzählende Raime-Debüt »Quarter Turns Over a Living Line«, Camella Lobos bislang einziges Album als Tropic Of Cancer »Restless Idylls« oder die febrile Techno-Wave-Symbiose »Through The Window« von Prurient.

Die 2010er mit ihren kulturellen, politischen und ökologischen Verwerfungen, aber auch ihrer Flut an neuen Genres und fortwährender Mutationen unserer Hörgewohnheiten, der Weisen wie wir Musik wahrnehmen und konsumieren – sie schienen nach einem Untergrundlabor wie diesem zu rufen. Dabei war es eher einegewisse Langeweile als Redakteur bei FACT tagtäglich mit Promo-CDs und Links bombardiert zu werden, ohne dass signifikant frische Ideen dabei waren, die Sande erst desillusionierte und dann animierte, selber solche Ideen unter einem Dach zu vereinen. Eine Kunst des Weglassens blieb stets entscheidend in der Auswahl der Musik, die für Blackest Ever Black geeignet erschien. »So sehr ich das Wort ›Kuration‹ auch hasse – das eine Zitat, an dem ich nach wie vor festhalte, ist, dass der wichtigste Teil beim Betreiben eines Labels Exklusion statt Inklusion ist. Es geht ums ›Nein‹ sagen. Grenzen setzen.« Dass der BEB-Katalog dadurch von Anfang an eine rigorose Eigenwilligkeit vorweisen konnte und Qualität hier nicht nach den üblichen Maßstäben eruiert wurde, schien die meisten Hörer, aber auch viele Künstler nicht abzuschrecken – im Gegenteil.


Die Schallplatten von Blackest Ever Black findest du im Webshop von HHv Records


Schnell wurde das Label Schauplatz unverhoffter Auferstehungen, wie der von Black Rain, einem 1988 in New York gegründeten Industrial-Projekt, das vor dem grandiosen »Dark Pool« fast zwanzig Jahre kein neues Studiowerk mehr vorlegte. Aber auch Lustmord, Stefan Jaworzyn oder Regis präsentierten hier nach längeren Pausen wieder neues Material, während ganz frische und ebenso unorthodoxe Namen á la Dalhous, Carla dal Forno oder Pessimist die Relevanz ihres künstlerischen Ansatzes betonten: experimentieren, suchen, wagen – das schien in den 2010ern gerade auf der Ebene kantig synthetisierter Sounds kaum irgendwo freimütiger möglich als bei Blackest Ever Black. Vorläufiger Höhepunkt: Die »Five wretched years of Blackest Ever Black«-Labelnacht am 30. Oktober 2015 im Berghain, während der Raime, Prurient, Tropic Of Cancer, Regis, Felix K und Diät bis in die späten Morgenstunden für unvergessliche Shows zwischen Großstadtparanoia, Endzeitstimmung und künstlerischer Verausgabung sorgten – ein Level an Immersion, das Label und Etablissement gleichermaßen gerecht wurde.

In London geboren, in Berlin aufgewachsen und später erneut zurück nach London gezogen, profilierte sich das schwärzeste Schwarz recht schnell als Katalysator sensorischer Subversion in einer sich immer weiter ausfächernden Szene. Nicht nur einzelne phänomenale ProduzentInnen kündeten davon. Insbesondere hochkarätig besetzte Labelsampler vom Kaliber »Scripts Of The Pageant« (u.a. mit Caroline K, Andrew Liles, Death In June, Tropic Of Cancer, Prurient), »The Disappointment Engine« (mit Jon Brooks, The Shadow Ring, The Threshold Houseboys Choir, Alberich, Ramleh) oder »I Can’t Give You The Life You Want« (Tarquin Manek, Bremen, Cut Hands, Secret Boyfriend) verwiesen auf die Offenheit »Gibt es aufregendere Momente im Leben als die zwischen dem Kennenlernen und dem letztlichen Hören einer interessanten Platte?« gegenüber dem Transgressiven, für das der 1983 geborene Labelchef Sande seit frühester Jugend eine Schwäche hatte. Nicht zuletzt deshalb, weil er während der Neunziger mit der britischen Musikpresse aufwuchs, die in Magazinen wie Melody Maker, Mojo, Select und The Face einen trotz hoher Auflage eher unangepassten Duktus kultivierte. Hierzulande damals nur vom Intro-Magazin, der Visions oder Groove stilistisch ähnlich umgesetzt. »Was ich vor allem aus diesen Magazinen zog, waren eher meine eigenen Folgerungen und Vorstellungen: Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich in der Select über einer Seite grübelte, die ein Dutzend Gong-Reissues bewarb – auf die Titel und Cover starrend, versuchte ich mir vorzustellen wie Gong wohl klingen (und lag komplett daneben). Ohne zu dramatisieren, aber du konntest halt nicht einfach online gehen und den Sound eines Künstlers checken, also bedeuteten die Worte damals so viel mehr, manchmal alles. Gibt es aufregendere Momente im Leben als die zwischen dem Kennenlernen und dem letztlichen Hören einer interessanten Platte?«

Für genau solche Momente wurde und wird Blackest Ever Black in ganz Europa unter Connaisseuren abgefuckter respektive berauschender Klänge geschätzt. Doch als Anfang 2018 das abstrakt faszinierende »Sekundenschlaf« des angeblich westrussischen Arbeitslosen Fedor Servolenko aka тпсб erschien (der wahrscheinlich eher das Pseudonym eines ulkigen Kölners namens Gregor ist, bei Soundcloud als Tut Ench Armut registriert), ahnte niemand wie nah das Label dem endgültigen Aus bereits war. Folgten doch in relativ kurzen Abständen »Enter Silence« der zu Unrecht kaum bekannten Space-Rock-Combo Bremen, ein grandioses Studiodebüt von Daniel Davies alias Ossia und das extrem gelungene Post-Punk-Revival »Positive Disintegration« der Berliner Diät, die durchweg sämtliche hauseigenen Qualitätsansprüche zur Gänze erfüllten – Blackest Ever Black schien mehr als bereit für die nächste Dekade. Doch dann war auf einmal Schluss. Various Artists – A Short Illness From Which He Never RecoveredWebshop ► Vinyl LP Die Gründe? Auch auf mehrfache Nachfrage wollte sich Kiran Sande zu ihnen nicht äußern. Vielleicht war es einfach der Stress einer nie endenden Subsistenzwirtschaft, der auf Dauer nicht mehr tragbar erschien. Letzter Release: Die tief traurige Kompilation »A Short Illness From Which He Never Recovered«, deren Titel zumindest Spekulationen über das Ende von Blackest Ever Black zulässt.

Experimentell bis Coil-artig in ihrer Tonalität, widmet Kiran Sande mit ihr das Finale seines Labels dessen Ansprüchen: Der Suche nach Entfremdung, dem Durchbrechen des Alltäglichen. »Ich denke – nein, ich weiß – es war Greil Marcus in einem seiner beängstigend leidenschaftlichen Punk-Essays, der über Musik schrieb, die selbst den Arbeitsweg einer Person verändert und mit allen anderen Vorgängen in Verbindung setzt, dadurch also den gesamten Lebensentwurf dieser Person infrage stellt. Ich bin noch nicht so schamlos zu behaupten, dass Blackest-Platten derartiges tun, nicht im Geringsten. Aber das ist das Ziel, die Ambition – und es ist die Einzige, auf die es wirklich ankommt«.


Die Schallplatten von Blackest Ever Black findest du im Webshop von HHv Records

Ähnliche Artikel
Music Porträt | verfasst 04.12.2015
Blackest Ever Black
Im Wendekreis des Bierdeckels
Blackest Ever Black ist mehr als nur düstere Musik. Eigensinnige Klangexperimente treffen darin auf einen visuellen Gestaltungswillen. Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums blickt der Labelgründer Kiran Sande auf seine Anfänge zurück.
Music Review | verfasst 24.09.2013
Tropic Of Cancer
Restless Idylls
Aus Post-Rock, Ambient und Dream-Pop baut Tropic Of Cancer ein Album rund um stoisch ertragene Trauer.
Music Review | verfasst 07.11.2016
Carla dal Forno
You Know What It's Like
Was Carla dal Forno auf ihren Debüt »You Know What It’s Like« macht, das wäre in den 1980er Jahren als Sound von Berlin durchgegangen.
Music Liste | verfasst 20.10.2017
Ausklang | 2017KW42
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Review | verfasst 17.08.2021
Moin
Moot!
Gemeinsam mit Valentina Magaletti hat das Duo Raime sein Projekt für die LP »Moot!« nicht nur reaniminiert, sondern auch gleich erweitert.
Music Kolumne | verfasst 03.10.2013
Zwölf Zehner
September 2013
Willkommen im Oktober. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat September musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 30.12.2013
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2013 (Teil 1)
Streitbar, scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip-Hop, Trap, Kanye und Post-Everything. Das Kolumnen-Duo plus Kunze schließt das Jahr 2013 mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab.
Music Review | verfasst 17.10.2019
Carla dal Forno
Look Up Sharp
Carla Dal Forno ist mit »Look Up Sharp« angekommen. Es ist ein komischer Ort. Nah bei sich, weit weg von jemand anderem.
Music Kolumne | verfasst 08.12.2016
Jahresrückblick 2016
Top 50 Alben
Vielleicht ist es das Einzige, das man zu einer Liste mit Schallplatten zu diesem Jahr 2016 sagen kann, in der man nicht einfach nur über Musik reden kann: dass es bereichert, diesen 50 Alben (und 2 Mixtapes) zuzuhören.
Music Kolumne | verfasst 13.11.2019
Aigners Inventur
November & Dezember 2019
Kommt gerade vom Gruppenkuscheln auf der Ersti-Party und weiß trotzdem, wer das beste Deutschrap-Album aller Zeiten veröffentlichen wird. Es kann sich dabei nur um unseren Kolumnisten handeln.
Music Review | verfasst 21.05.2015
Prurient
Frozen Niagara Falls
Nach etlichen Releases als Prurient meldet sich Dominick Fernow nach langer Funkstille zurück. »Frozen Niagara Falls« ist ein Kompromiss.
Music Review | verfasst 03.11.2016
Ashtray Navigations
To Make A Fool Ask, And You Are The First
So herausfordernd und einnehmend wie »To Make A Fool Ask, And You Are The First« ist, werden Ashtray Navigations wieder ihr Publikum finden.
Music Kolumne | verfasst 15.12.2016
Jahresrückblick 2016
Top 50 Reissues
Wir hatten in diesem Jahr mehr Schwierigkeiten uns auf die essentiellen Reissues festzulegen als auf die besten Neuerscheinungen. So viel teures Wishlist-Material wurde dieses Jahr wiederveröffentlicht. Aber hier ist sie nun: unsere Top 50.
Music Liste | verfasst 19.05.2017
Ausklang | 2017KW20
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Liste | verfasst 15.09.2017
Ausklang | 2017KW37
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Kolumne | verfasst 27.02.2019
Vinyl-Sprechstunde
Ossia – Devil's Dance
Diesmal sind sich alle einig: »Devil’s Dance«, das Debütalbum des britischen Produzenten Ossia, hat das Zeug zum Album des Jahres. Ein Track hat es den dreien ganz besonders angetan.
Music Kolumne | verfasst 02.12.2019
Jahresrückblick 2019
Top 50 Albums
Ein Jahr verstreicht, ein Jahrzehnt ist zuende. Der wichtigste Rohstoff dieser Zeit? Einigkeit. Auf diese 50 Schallplatten konnten wir uns einigen. Friedlich! Hurrah! Diese Liste ist die Welt, in der wir leben wollen. So einfach ist das.
Music Kolumne | verfasst 29.01.2020
Aigners Inventur
Januar & Februar 2020
Der Rap Game Berti Vogts hat es ins neue Jahrzehnt geschafft. Angemessen woke und tiefmüde zugleich startet unser Kolumnist Aigner in 2020 und zieht Alben von Stormzy, Ramzi und Bufiman in Mitleidenschaft.
Music Review | verfasst 12.06.2014
Ninos Du Brasil
Novos Mistérios
Nein, Techno ist ganz bestimmt noch nicht tot. Man braucht nur den richtigen Ansatz, wie »Novos Mistérios« von Ninos Du Brasil beweist.
Music Review | verfasst 22.09.2014
Function + Vatican Shadow
Games Have Rules
Auf »Games Have Rules« treffen sich der perfektionistische Function und der chaotische Vatican Shadow in der Mitte.
Music Review | verfasst 20.09.2017
Ninos du Brasil
Vida Eterna
Ninos du Brasil wirken auf ihrem dritten Album »Vida Eterna« verstörender als zuvor. Da gibt es gar kein Vertun. Zumal es klasse ist.
Music Liste | verfasst 12.05.2017
Ausklang | 2017KW19
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Interview | verfasst 12.06.2015
Sylabil Spill & Ghanaian Stallion
»Rap ist immer Ventil«
Alles ist ein Duell. Sylabil Spill fechtet sie im 1vs1 mit Whack-MCs und auf einer Metaebene mit der Gesellschaft aus. Jetzt hat er gleich zwei neue EPs veröffentlicht. Eine davon mit Ghanaian Stallion. Wir trafen das Duo zum Gespräch.
Music Review | verfasst 19.06.2015
MoTrip
Mama
Sein zweites Album »Mama« wird MoTrips Standing als einer der besten Rapper Deutschlands zwar nicht zementieren, aber verankern.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.
Music Essay
Small In Japan
Die Vinyl-Nation, die keine ist
Aufwändige Aufmachungen, audiophile Listening Bars und die meisten Plattenläden der Welt: Japan, ein Vinyl-Paradies? Jein. Das Medium spielt dort gar keine große Rolle. Unsere Kulturgeschichte der japanischen Musikindustrie.
Music Liste
Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 2nd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 17.7.2021 findet nun der zweite Record Store Days in diesem Jahr statt. Auch dafür sind wieder mehrere Dutzend exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus abermals zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.
Music Porträt
BBE Records
Influencer der Influencer
Peter Adarkwah ist der Grund, warum manches Life durch J Dilla gechanged wurde, das Roy Ayers einen zweiten Frühling erlebt hat und das japanische Jazz-Alben von Pitchfork rezensiert werden. In anderen Worten: BBE Music wird 25 Jahre alt.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Portico Quartet
Guest Mix
»Terrain« heißt das neue Album der britischen Band Portico Quartet, dass in diesen Tagen auf Gondwana Records veröffentlicht wurde. Für uns hat Jack Wyllie von Portico Quartet in einem exklusiven DJ-Mix 60 Minuten Musik zusammengestellt.
Music Porträt
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Kolumne
Records Revisited
Marvin Gaye – What's Going On (1971)
Muss man dies Album überhaupt in Erinnerung rufen? Eigentlich nicht. Aber man kann es immer wieder hören. Und es ist bis heute aktuell geblieben, im Guten wie im Schlechten. Marvin Gayes »What’s Going On« wird 50 Jahre alt.
Music Porträt
Seefeel
Musik im luftleeren Raum
Seefeel sind eine Zusammenkunft der Unwahrscheinlichkeiten. Seit fast 30 Jahren spielen sie zwischen den Stilen und befreit von kontemporären Referenzen. Ihr Sound ist bis heute unbegreiflich.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.