Music Liste | verfasst 01.12.2021
Jahresrückblick 2021
Top 20 Tapes
Jetzt hat also auch der Mainstream die Wertschöpfungsmöglichkeiten des Magnetbands entdeckt: scheiße oder geil? Uns zumindest egal, wir schieben uns lieber Tapes von obskuren Labels und unter dem Radar fliegenden Artists in den Walkman.
Text Kristoffer Cornils, Christoph Benkeser , Übersetzung Sebastian Hinz
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Fun stat: Billie Eilish hat rund 10.000 Exemplare ihres neuen Albums »Happier Than Ever« auf Kassette verticken können. Unfun fact: Wie viele von den Menschen, die dafür die Geldbörse gezückt haben, tatsächlich noch ein Abspielgerät haben, weiß niemand wirklich. Aber wie es so ist, wenn der Mainstream die Nische für sich beansprucht – das könnte durchaus harte Konsequenzen für Fans magnetischer Bänder haben. Das schließlich schreiben wir, während gerade eine halbe Million (!) Exemplare der neuen Adele-LP kreuz und quer durch die Welt geschippert wurden, nachdem sie ein gutes halbes Jahr die Presswerke verstopft haben. Noch ist die Tape-Produktion nicht auf Laxative angewiesen, der Hype der letzten Jahre (Nullstunde des Crossover-Effekts: »Guardians of the Galaxy«) aber nahm noch einmal merklich Fahrt auf, während sich anderswo die Konsequenzen einer solchen Blasenbildung deutlich zeigen. Warum auch aus der Geschichte lernen, wenn die Tragödie nochmal als Farce durchgespielt werden kann?

Aber genug der bitteren Präambeln: Tape-Heads haben nicht nur stets für den Fall der Fälle den Bleistift in der Jackentasche stecken, sondern auch die Ruhe weg. Und auch etwas davon, dass Labels wie beispielsweise Blundar, Eotrax oder Frank Music mittlerweile in die Kassette investieren, sich selbst ein Logos zu einem Spulen-Release durchringen konnte und Modeselektor einen Mix in den Lockdown-Marathon warfen, der den Walkman-Riemen zum Qualmen brachte. Und dass Kassettenkultur noch echtes Community-Building darstellt, beweisen allemal vier der insgesamt 20 besten Tapes des Jahres 2021: 100% Silk feiern bereits Zehnjähriges, Infinite Wisdom anlasslos eine Party, group A einen surrealistischen Ringelpiez mit Anfassen und Elena Colombi auf ihrem Label Osàre! Editions schließlich Frauen, die mit Wölfen joggen gehen. Billie Eilish darf da gar nicht erst mitspielen, deswegen: Megabass aufgedreht, von Magneten und Telefonen auf Empfangssuche fernhalten und losgesprintet mit dem Sony in der Hand – einer hoffentlich weiterhin stabilen Zukunft entgegen!


DER GROßE VINYL-JAHRESRÜCKBLICK IM WEBSHOP VON HHV RECORDS.


Best Available Technology – Untitled (blundar)Tape Best Available Technology – Untitled (blundar)
Seit dem Jahr 2015 ist Blundar ein Outlet für die Ambient-Produktionen von House- und Techno-Artists wie Lowtec oder STL, mittlerweile wird der gleichermaßen ambitionierte wie understatete Ansatz nun auch im Kassettenformat fortgeführt. Best Available Technology hat für sein Tape tief ins Archiv gegriffen und kam mit leiernden Dub-Mutanten zurück, die bisweilen auf die Kick verzichten und doch schieben, schieben, schieben. Musik für Herbstspaziergänge, den nächsten Lockdown oder bekiffte Sonntage, die erst am Mittwoch enden.. Kristoffer Cornils
 

Black Nash – Black Nash (Ramp Local)Tape Black Nash – Black Nash (Ramp Local)
Den Spagat zwischen West-Coast-Trip und Chelsea Hotel in den siebziger Jahren muss man erstmal musikalisch hinbekommen. Jody Smith, der sich einfach nur Black Nash nennt, hat ihn im Ausfallschritt hingelegt. In den Händen des Ex-Militärs bluten die Gitarren, die Stimme riecht nach Camel Blue, das Wohnzimmer verwandelt sich zum Transistorradio. Man will abwechselnd vom Weißen und vom Braunen kosten. Lässt es aber bleiben und hört zu wie jemand aus Langeweile an der Gitarre rumzumpft. Mehr Indie und die Nullerjahre platzen vor Neid. Christoph Benkeser
 

Death Is Not The End – Death Is Not The End (Death Is Not The End)Tape Death Is Not The End – Death Is Not The End (Death Is Not The End)
»Death Is Not the End« heißt also das Debütalbum von Death Is Not The End auf dem von ihm betriebenen Label Death Is Not The End. Ergibt selbstverständlich genauso viel Sinn wie das Prinzip an sich: Zwei staubige Platten, ein Turntable mit modifiziertem Pitch und ein Tape-Delay. Das Resultat erinnert natürlich in seiner Methode an Japan Blues, in Sachen Sound an Minimal-Folk mit schwerer Schlagseite und ist in atmosphärischer Hinsicht auf naive Art und Weise extrem spooky. Tatsächlich: Besser lässt sich der Ansatz dieses allumfassenden Projekts kaum auf zwei Kassettenseiten zusammenfassen. Kristoffer Cornils
 

Earth Mother Spectral Pilot – Earth Mother Spectral Pilot (Swims)Tape Earth Mother Spectral Pilot – Earth Mother Spectral Pilot (Swims)
Ed Cheverton bastelt Kunst für die Sesamstraße. Ist ein Mondrian in der Regenbogengruppe. Wirkt wie zwei Picassi im Farbenrausch. Ed aus Bristol macht aber auch Musik – als Earth Mother Spectral Pilot. Das klingt nicht umsonst nach einer Psychonautenmischung aus Pilzen, Lachgas und dem Mann im Mond, sondern wirft einen zwischen Knister und Geknarze auf sich selbst zurück. Solipsismus aus dem Synthesizer. Ein Seelentrip für Menschen, denen das Atonal zu düster und das Berghain zu keta ist. Christoph Benkeser
 

Filth Huns - Cursed at Birth (Not Not Fun)Tape Filthy Huns – Cursed at Birth (Not Not Fun)
Ey, warum haben die Leute in den vergangenen anderthalb Jahren sowieso nicht viel, viel mehr Dungeon Synth gehört? Während Mortiis seine Tropfsteinnase weiterhin in Herr-der-Ringe-Rip-Off-Welten steckt, bringt Filthy Huns das Genre schließlich auf ein neues Level: »Cursed at Birth« ist Teil vier von Nick Koenigs’ Serie über einen, äh, verfluchten Motorbiker, wirft unter viel Tape-Rauschen Minimal-Electro, Waber-Synth-Pop und Industrial in den Mix, lässt vor allem aber heroische Akkordfolgen aus dem Billig-Gerätepark aufsteigen, die genauso für die Lockdown-Klaustrophobie im Winter wie für imaginäre Trips über sommerliche Freeways geeignet wären. Ein beschissen merkwürdiges, verkackt geiles Album eben. Kristoffer Cornils
 

Hara Alonso – Somatic Suspension (Eotrax)Tape Hara Alonso – Somatic Suspension (Eotrax)
Dass Eomac mit seinem Label Eotrax irgendwan ins Tape-Game einsteigen würde, hätte vor der großen Vinylkrise von 2020/2021 vermutlich auch niemand geahnt. Aber Hara Alonso macht eben auch keinen Leftfield-Techno für das nächste Closing des CTM Festivals, sondern klaviertupferverzierten IDM, der mit etwas Magnetbandrauschen garniert nur umso stimmungsvoller herüberkommt. »Somatic Suspension« verschränkt freie Komposition und elektronische Manippulation mit klickernden, klackernden Rhythmen, die sich langsam ins Hirn winden und den Frontallappen zum Leisetanzflur ummodeln. Kopfhörermusik mit Walkman-Pflicht. Kristoffer Cornils
 

Jacob Stoy – Das unendliche Konstrukt (Uncanny Valley)Tape Jacob Stoy – Das unendliche Konstrukt (Uncanny Valley)
Jacob Stoy gehört seit Beginn zur Uncanny-Valley-Clique, hat sich mit Releases auf dem Dresdner Label allerdings zurückgehalten. »Das unendliche Konstrukt« holt das im Langformat über satte 16 Tracks nach und bringt dabei schwebenden Ambient mit ratterndem Post-Industrial und furztrockenem Electro in Einklang. Bisweilen esoterisch, nicht selten beklemmend, zeitweise beinahe apathisch und im nächsten Moment schon wieder auf einem mit gleißenden Synthies garnierten Hip-Hop-Groove das erste Dosenbier des Tages öffnend – dieses Tape wurde überwiegend im Bett produziert und klingt auch dementsprechend. Prost! Kristoffer Cornils
 

Logos – North Volume 01 (Logos)Tape Logos – North Volume 01 (Logos)
Wer für den Top-Down-Dialectic-Techno aus der Bay Area bisher an den shipping costs gescheitert ist (halleluja, wie teuer kann es sein, ein Tape über den Atlantik zu schiffen!?), bekommt mit Logos eine Alternative. Schließlich schleckt der Brite James Parker eigens für sein Tape »North Volume 01« an einem Colundi-Kristall und bröselt dem Hyperdub-Roster ein paar Xanax in den Eistee. Um dazu zu tanzen, braucht man zwar einen Diplomingenieurstitel in angewandtem Minimalismus. Aber das sind wir uns wert! Christoph Benkeser
 

mad miran b2b DJ Python – Waffles (Climate of Fear)Tape mad miran b2b DJ Python – Waffles (Climate of Fear)
DJ Python und mad miran – klingt nach Eröffnungsfeier im Metaversum, ist aber im Duo für das Berliner Label Climate of Fear eine Packung Dynamit im Enddarm. Die zwei Reggaeton-Rabauken fetzen sich auf »waffles« eine Stunde lang Drum’n’Bass ins Gesicht, bei dem Bailey wie ein intellektueller Witz in den Neunzigern rumzappelt. Gehirnjogging hin oder her – für den Magen bügeln die beiden zusätzlich im Techno-Treibhaus, bis die Beats zur Peaktime zünden. Bum, Peng, Krawallo! Christoph Benkeser
 

Mary Yalex – Sentimental Journey (Frank Music)Tape Mary Yalex – Sentimental Journey (Frank Music)
Vorletztes Jahr hab ich geschrieben, dass die Musik von Mary Yalex wie eine Unterwassersafari auf Keta sei. Das war natürlich gelogen. Was die in Leipsch lebende und aus bei Labels wie Kann und ihrem eigenen Imprint veröffentlichende Yalex für die Berliner von Frank Music auf zwei Kassettenseiten spult, ist unverwortbar. Mehr Gefühl als Genre – für das der Dealer leer ausgeht. »Sentimental Journey« knallt ohnehin ärger rein als jeder Trip. Das Ding streichelt über die Geheimratsecken und massiert die Ohrläppchen. Alles gleichzeitig. Bliss! Christoph Benkeser
 


DER GROßE VINYL-JAHRESRÜCKBLICK IM WEBSHOP VON HHV RECORDS.


Mazzo – Soft Breeze of Silence (Cudighi)Tape Mazzo – Soft Breeze of Silence (Cudighi)
Was darf man von einem Typen erwarten, der mit Keramik-Köter und goldener Rolex auf seinem eigenen Cover rumposiert? Verrauschte Träume, verlorene Zukünfte! Mazzo, der Strizzi mit der »Soft Breeze of Silence«, schmiert sich nach dem Frühstück Aronal auf die Zahnbürste und dreht erstmal drei Runden mit dem Skateboard. Für Cudighi Records hat er ein Tape produziert, das zwischen Kindergarten und Geriatrie-Station die Beckenbodenmuskulaturen auf Betriebstemperatur bringt. Wirkt wie zwei Schlucken vom guten CBD-Öl! Christoph Benkeser
 

Modeselektor – Extended (Monkeytown)Tape Modeselektor – Extended (Monkeytown)
Gernot Bronsert und Sebastian Szary waren in diesem Jahr nicht die einzigen Profi-Raver, die das Mixtape für sich neu als Format entdeckt haben – siehe Posthumans aktuelles Album – aber allemal die konsequentesten. »Extended« ist das Ergebnis von jeder Menge Festplattenrecherche, bringt liegengelassene Logic- und Ableton-Projekte aus verschiedenen Schaffensphasen zusammen und macht dabei auch noch, ja, lässt sich nicht anders sagen: irre Spaß. Modeselektor bieten Bass-Geballer, satte Riddims und bisweilen schnurgeraden Techno und fädeln daraus eine Perlenkette. So muss es, so mixt es sich am besten. Kristoffer Cornils
 

O$VMV$M – Manonmars - In Colour Instrumentals (Young Echo)Tape O$VMV$M – ManonMars / In Colour Instrumentals (Young Echo)
ManonMars ist der Rap-Überflieger der Young-Echo-Posse und das liegt nicht allein, aber auch daran, wer ihm den Sound maßschneidert: Amos Childs und Sam Barrett sind O$VMV$M und der Name kommt einem Versprechen gleich. Mit »ManonMars / In Colour Instrumentals« wird es gleich doppelt eingehalten: Die Instrumental-Versionen der Beats für ManonMars’ zwei bisherige LPs klingen auch losgelöst von dessen molassigen Flows gleichermaßen narkotisch wie aufmerksamkeitsheischend, süßlich-säuerlich und extrem beseelt. Der Soundtrack für die Spätschicht und das Morgengrauen. Kristoffer Cornils
 

Phillip Sollmann – Something Is Missing (Dial)Tape Phillip Sollmann – Something Is Missing (Dial)
Ne, alles dran. Dem Teil fehlt nix. Können’se mir glauben! Obwohl Phillip Sollmanns alias Efdemins Düster-, Drone- und Dudel-Album »Something Is Missing« bereits Mitte der Nullerjahre – bezirzt von seiner Wiener Computermusik-Studienzeit – erschien, kommt man mit dem Tape-Release auf Dial locker durch den TÜV. Nix durchgerostet, die Beleuchtung 1A, nicht mal an der Lenkanlage muss man rumschrauben. Deshalb öffnet man mit dieser zum Drone-Album gewordenen Garagenkarre nicht nur eine Tür. Sondern – Pathos ahoi! – eine ganze Welt. Christoph Benkeser
 

Rasham – Violent Influence (Raash)Tape Rasham – Violent Influence (Raash)
Der Underground in Jerusalem scheppert und rasselt. Auf Raash Records erscheinen seit Jahren Tapes, die direkt aus der Metallindustrie kommen könnten. Rasham, der bisher als Ido Mandil veröffentlichte, fabriziert auf »Violent Influence« passenderweise keinen Soundtrack zum Blumenpflücken. Sondern fünf Kaltverformungen, indem er Stahlbolzen in Eisenrohre kläscht und seine Stimme so weit verzerrt, dass selbst die Wreckers der Civilisation ein Freudenfeuer entzünden würden. Brutal. Laut. Rasham. Christoph Benkeser
 

She Was A Visitor – ISO 220320 (Bare Hands)Tape She Was A Visitor – ISO 220320 (Bare Hands)
Robert Schwarz reichte für Gruenrekorder das Mikro um die Welt, legte sich unters Augsburger Messer und parkt regelmäßig im Votivpark ein. Für sein Corona-Projekt She Was A Visitor hat der Innenarchitekt und Krachmacher mit Gespenstern der Vergangenheit geplaudert, um sich mit ihnen – gebenedeit sei die Wut des Wiener Labels Bare Hands – unter der Kirchenorgel zu Sankt Stephan zu verstecken. Dort betet man drei Rosenkränze runter und nimmt zwei große Schlucken aus dem Kirchenkelch. Gottlob, das ist eine Messe! Christoph Benkeser
 

Various Artists – 2nd Life Silk (100% Silk)Tape Various Artists – 2nd Life Silk (100% Silk)
100% Silk machten schon in Tapes, als noch niemand den Begriff »Hype« zu verbalisieren wagte. Ob nun die grellen Synthie-Sounds und Lo-Fi-House-Beats von unter anderem Soshi Tekada und Indopan ihrer Zeit ähnlich voraus sind, steht auf einem anderen Blatt geschrieben, sicher ist nur eins: Der MIDI-Flöten-Dub-House von René Najera, Head Kandys Industrial-Grooves oder Cafe Ales absonderliche Rumpel-Rhythmen machen »2nd Life Silk« zu einer würdigen Jubiläums-Compilation, die zum Zehnjährigen sogleich die Weichen neu stellt. Mehr Weirdness bei gleichbleibender Kaputtheit – das sind doch gute Aussichten für eines der verlässlichsten Format-Labels des zurückliegenden Jahrzehnts. Kristoffer Cornils
 

Various Artists – A Thousand Promo Shotz Could Never Compare (Infinite Wisdom)Tape Various Artists – A Thousand Promo Shotz Could Never Compare (Infinite Wisdom)
Glasgow verbinde man nicht gerade mit Cocktails, Cabrios und Calypso unterm Sonnendeck. Dass die Schotten von Infinite Wisdom einen Sampler zusammengebastelt haben, bei dem man Flamingo-Strohhalme in die Palomas zwirbelt, bringt aber Schwung ins Urlaubsbingo. Hinter dem sperrigen Titel »A Thousand Promo Shotz Could Never Compare« tut sich eine Welt auf, bei der man in neongrünen Leggings zu Aerobic-Videos aus den frühen Neunzigern zappelt. Schöner haben das 1080p damals auch nicht hinbekommen! Christoph Benkeser
 

Various Artists – Donne che corrono coi lupi (Osàre! Editions)Tape Various Artists – Donne che corrono coi lupi (Osàre! Editions)
Eine Compilation für »Frauen, die mit Wölfen rennen« also, benannt nach einem Buch von Clarissa Pinkola Estés darüber, dass Frauen zu ihren wilden Wurzeln zurückkehren sollten. Heißt was genau? Dass sich unter anderem Cucina Povera, Borusiade, Lolina und Silvia Kastel hier die Klinke in die Hand geben und über 21 Tracks hinweg noch so ziemlich jedes Register ziehen, das dem Überbau entsprechend zu erwarten wäre. Was nur eben nicht heißt, dass »Donne che corrono coi lupi« nicht ein paar faustdicke Überraschungen bieten würde. Elena Colombis Label Òsare! bleibt weit vorn und noch weiter draußen. Essentieller Shit, mal wieder. Kristoffer Cornils
 

Various Artists – No Recording III (No)Tape Various Artists – No Recording III (No)
Die dritte Ausgabe von group As Anti-Lockdown-Langeweile-Serie »No Recording« bringt von Berlin aus noch mehr Artists aus aller Welt zusammen als die vorigen Einträge. Wilted Woman hier, Joachim Nordwall dort, dazwischen Cienfuegos, Isabella, Tot Onyx oder Nick Klein: Fans zermürbender Sounds zwischen Noise, Industrial und Weirdo-Techno bekommen über sieben Tracks extrem anstrengende Jams geboten – böse, beklemmend, bitter im Nachgeschmack. Alles nach Cadavre-Exquis-Prinzip zusammencollagiert, versteht sich, und trotzdem wie aus einem Guss. Reich’ doch mal bitte jemand die IBU 600 rüber, wir müssen da jetzt durch, am Ende winkt die absolute jouissance. Kristoffer Cornils
 


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Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.