Music Porträt | verfasst 08.03.2011
Jahtari Records
»Auch der Gameboy ist ein Killer-Instrument«
Das Leipziger Label Jahtari Records vermengt Reggeae und schafft eine interessante Symbiose aus klassischen Reggae-Sounds und moderner elektronischer Musik.
Text Fabian Heinz
657-jahtarirecordslogo-www.hhv-mag.com

Dass Reggae und Dub auch im Zusammenspiel mit elektronischer Musik funktionieren kann, beweist das Leipziger Label Jahtari Records bereits seit mehreren Jahren und schafft somit eine interessante Symbiose aus klassischen Sounds und modernen Technologien. Was einst als kleines Netlabel begann, mit MP3-Releases zum freien Download, veröffentlicht inzwischen auch Vinyls, CDs und Tapes, und hat sich mit der Zeit nicht nur in der Leipziger Szene einen Namen gemacht.
Alles nahm seinen Anfang im Jahre 2004, mit der Idee, dem ursprünglichen Sound des Dub einen neuen, innovativen Impuls hinzufügen. Aus diesem inneren Antrieb heraus stieß man schon bald auf die schier endlosen Möglichkeiten des heimischen Computers oder auch einer Akai MPC, sprich Einflüsse, die es bis dato im Reggae und Dub nicht gegeben hatte. Inspirieren ließ man sich dabei beispielsweise von Speaker-Klängen alter PC Spiele, wie etwa dem Adventure-Klassiker The Secret Of Monkey Island aus dem Jahre 1990, bei dem der Soundtrack damals noch im MIDI-Format komponiert wurde. »Wir versuchen immer etwas in Dub hineinzubringen, das in den Klassiker-Platten eben noch nicht drin war und scheinbar auch nicht hineingehört«, erzählt Label-Mitgründer Disrupt und ergänzt zudem: »Klassischen Dub gibt’s ja schon in Perfektion, da macht es keinen Sinn das Eins zu Eins zu kopieren.« Besagte Kombination von Reggae, Dub und elektronischen Einflüssen taufte man schließlich auf den Namen Digital Laptop Reggae.

»Wir wollen so lange wie möglich interessante Platten rauszubringen, die man wirklich braucht und die einer alten Sache was neues hinzufügen. Wenn man realistisch ist †ºbraucht†¹ man 90 Prozent aller neuen Platten nicht wirklich. Das hat man dann immer schon mal in besser gehört.« (Disrupt) Experimentierfreude als Rezept
Ohnehin haben die beiden Künstler und Label-Betreiber Disrupt und Rootah ihre Wurzeln in der elektronischen Musik und experimentierten schon früh mit Breakcore, Gabba und Detroit-Techno, bevor sie dies mit Reggae und Dub kombinierten. Dennoch ist dieses Zusammenspiel verschiedenster Elemente alles andere als ein simples Rezept, sondern akribische Arbeit: »Am Ende ist halt ein Techno- oder Electro-Track mit ein paar Echos drin noch lange kein Dub. Beim Dub geht’s in erster Linie um den Bass und den Raum den man wegen des scheinbar langsamen Tempos hat. Und natürlich um die FX Sounds. Da haben wir mit dem Computer schon so einiges ausgelotet. Delays und Reverbs kann man ja so fast chirurgisch korrekt kontrollieren und zerhacken, und eine Menge kleine Details einbauen.« Diese Experimentierfreude zeichnet das Label aus und steht symptomatisch für einen kreativen Ansatz, dessen Ende noch längst nicht abzusehen ist: »Wir probieren auch gerade viel rum mit analogen Modulen, die man eher von Giorgio Moroder oder Tangerine Dream kennt. Da gibt’s noch viel zu entdecken und zu lernen. Und auch der Gameboy ist ein Killer-Instrument!«

Ein klares Profil
Mit der Zeit etablierte man sich also in Leipzig und Umgebung und beheimatet aktuell über 30 Künstler, was auch an der Vielzahl von Demos liegt, die das Label zugeschickt bekommt. Allerdings ist das Konzept hinter Jahtari klar strukturiert und überlässt nichts dem Zufall: »Wir bekommen viele Demos, aber da wir ein recht strenges Konzept haben, passt da selten was zu 100 Prozent rein«, erklärt Disrupt den Gedanken hinter der Sache. Diese Leidenschaft verhalf den Leipzigern zu Resonanz weit über die deutschen Grenzen hinaus, vor allem in Frankreich und UK werden die Jahtari-Tunes gepumpt. Damit das noch lange so weitergeht, hat man letztlich auch einen simplen Wunsch und Anspruch an sich selbst: »Wir wollen so lange wie möglich interessante Platten rauszubringen, die man wirklich braucht und die einer alten Sache was neues hinzufügen. Wenn man realistisch ist †ºbraucht†¹ man 90 Prozent aller neuen Platten nicht wirklich. Das hat man dann immer schon mal in besser gehört.« Scheint also, als sei ein Ende des Digital Laptop Reggae noch lange nicht abzusehen und höchstens durch eine Abkehr vom digitalen Zeitalter herbeizuführen. Solange jedenfalls noch Verkehr auf der elektronischen Datenautobahn herrscht, sollte man hier mal die Ausfahrt Richtung Leipzig nehmen.

Die Releases von Jahtari findet ihr bei hhv.de und zwar hier
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