Music Interview | verfasst 25.11.2011
Lunice
»Vom Breakdancing zum Sound«
Sein Sound ist dreckig, roh und auf das mindeste reduziert, und erinnert so manchmal an Hudson Mohawke. Wir trafen uns mit Lunice zum Gespräch über das Produzieren, das Tanzen und Live-Auftritt mit Rucksack.
Text Patrick Cavaleiro , Fotos Jennifer Dunaj
3348-lunice20112-www.hhv-mag.com

Er ist 23 Jahre alt., produzierte mit Diplo und remixte u.a. für The xx, Young L und Gucci Mane. Dazu ist er auch live herausragend, singt, tanzt und spielt energetische Beats. Die Rede ist von Lunice Fermine Pierre II, der sich der Einfachheit halber Lunice nennt. Seine Produktionen sind durch Double-time-Beats geprägt die den Zuhörer nicht ruhig bleiben lassen. Der Sound ist dreckig, roh und auf das mindeste reduziert, und erinnert so manchmal an Hudson Mohawke . Wir sind uns jedenfalls sicher, von Lunice in Zukunft noch viel zu hören. Bereits jetzt trafen wir uns mit dem Kanadier zum Interview.

Die Aufmerksamkeit auf dich und deine Musik ist in den letzten Monaten größer geworden. Wie ist diese Erfahrung für dich?
Lunice: Momentan fühlt es sich noch sehr unwirklich an, denn normalerweise hast du Zeit, um einen Schritt zurück zu machen und über alles nachzudenken. Aber ich versuche weiterhin konsequent in meinen Angelegenheiten zu sein, um alles spannend und aufregend für mich selbst zu gestalten.

Ist das manchmal schwer für dich – schließlich hast du ja einen großen Output, abreitest mit vielen Leuten zusammen, machst Remixe…
Lunice: Das ist witzig, denn bereits bevor ich Musik machte hatte ich mich gefragt ob ich jemals einen Standard halten müsste ab einem gewissen Zeitpunkt. Für mich fühlte es sich nie so an, als ob ich an diesem Punkt angelangt bin. Es war immer alles wie am ersten Tag für mich. Ich versuche halt Sounds zu finden, mit denen es sich zu arbeiten lohnt. Es gibt viele Leute um mich herum, die verstehen wohin ich musikalisch gehe. Meistens war es immer so, dass ich eine Gelegenheit hatte und mir dachte – ich mache jetzt das damit. Ich versuche diese Chancen mehr dahingehend zu nutzen, um mich in meiner Musik weiterzuentwickeln als zu versuchen dieser oder jener Typ zu sein. Ich möchte einfach mit den Dingen weitermachen, die ich spannend finde und die mich am meisten fesseln.

Als ich mir ein paar deiner Shows angesehen habe, ist mir aufgefallen, dass du manche davon mit einem Rucksack spielst. Was hat es damit auf sich?
Lunice: Ich liebe die Dinger, sie sehen einfach gut aus (lacht). Normalerweise spiele ich aber nicht mit meinem Rucksack. Ja, jetzt, wo ich daran zurückdenke: ich hab wirklich ein ganzes Set mit einem Rucksack gespielt. Aber es ist wirklich nur wegen des Looks.

»Es kam alles vom Breakdancing und von dort ging es weiter zum Sound. Durch das Breakdancing habe ich wirklich gelernt, aufmerksam auf die Schichten von Sounds zu achten, um beispielsweise auf die Hi-Hat zu breaken.« (Lunice) Du bist wahrscheinlich auch einer der wenigen, wenn nicht der einzige, der bei seinen Shows tanzt und das auch mit dem Publikum. Was war zuerst da, die Musik oder das Tanzen?
*Lunice:
Das Tanzen. Es kam alles vom Breakdancing und von dort ging es weiter zum Sound. Durch das Breakdancing habe ich wirklich gelernt, aufmerksam auf die Schichten von Sounds zu achten, um beispielsweise auf die Hi-Hat zu breaken. Als ich in Budapest spielte, hat mich jemand beim tanzen mit den B-Boys während meines Sets gefilmt. Interessant war, dass die B-Boys nicht wussten, wie sie zu gewissen Songs tanzen sollten. Und da gibt es dieses Video, wo ich zu The Dream breake. Das ist R’n’B, aber ich liebe es, die Dinge ein wenig auszureizen und den Beat woanders zu treffen, abgesehen von der Kick und der Snare. Ich versuche es anders zu machen, interessanter. So war es mit allen kreativen Sachen bei mir. Ich wollte Dinge immer anders machen, nicht in dem Sinn von gut oder schlecht, sondern einfach Sachen, die die Leute über die Jahre übersehen haben.

Hast du das Tanzen immer im Hinterkopf wenn du Beats machst?
Lunice: Ja! Egal was ich mache, es gibt immer diesen gewissen Rhythmus, den man herausfinden muss. Du kannst es nicht zu »broken« machen. Die Rhythmik der Bewegung hilft auf jeden Fall herauszufinden, was man in einem Club spielen kann.

Deine Produktionen haben eine starke Hip Hop-Komponente. Was inspiriert dich abseits vom Hip Hop?
Lunice: Es ist sehr universell. Es kann eigentlich jede Art von Sound sein, die mich nachdenken lässt. Nicht wie bei einer Nachricht, sondern mehr in dem Sinne: »Das zu machen, wäre mir nicht eingefallen.« Wenn man jetzt an so was wie Claps und Snares denkt und wie man sie einsetzen kann. Ich denke, es ist so mit allen Musikern gewesen; sie haben sich immer andere Dinge angesehen, die sie musikalisch faszinierten.

Du rapst auch in einigen Teilen deiner Show – hast du dir jemals überlegt, da mehr draus zu machen?
Lunice: Nein, niemals. Ich bin richtig schlecht. (lacht) Ich kann Beatboxen, aber ich kann nicht Rappen. Ich bewundere das. Ich sehe mir verschieden Rapper an, ihren Stil, wie sie sich den Instrumentals nähern. Da steckt viel dahinter. Viele Leute realisieren das gar nicht. Es gibt verschiedene Flows und Techniken. Ich hab einfach nicht das Talent dazu. Aber ich mache es, und wenn ich es durch meine Musik mache, dann sehe ich es mehr wie einen instrumentalen Teil.

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