Music Review | verfasst 26.10.2018
Julia Holter
Aviary
Domino, 2018
Text Björn Bischoff , Fotos © Domino
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Redaktion
Cover Julia Holter - Aviary

Ein Abgesang von einem Album: Julia Holter legt mit ihrem fünften Werk »Aviary« eine Kakophonie aus Stimmen, Zitaten, Verweisen, Melodien, Instrumenten und dem ganzen Rest vor. Die meisten Songs entstanden im letzten Jahr, Julia Holter arbeitete damals verschiedene Versionen nur mit Stimme und Synthesizern aus, die später neue Variationen bekamen. All das Gerede, all der Krach des 21. Jahrhunderts soll sich nun auf diesem Album versammeln – um zu etwas Größerem zu wachsen. Bereits die ersten Sekunden von »Aviary« hören sich an, als ob in einem Film von Louis de Funès das komplette Interieur eines Orchestergrabens umkippt. Das zuvor als Single veröffentlichte »I Shall Love 2« umschmeichelt immerhin noch eine Melodie, einen Rhythmus, was den Song erdet. Ansonsten zerlegt Holter auf »Aviary« wieder und wieder Erwartungen und Überlegungen. »Ich denke, dieses Album reflektiert dieses Gefühl der Kakophonie und wie man darauf als Person reagiert – wie man sich verhält, wie man nach Liebe sucht, nach Trost«, sagte die 33-Jährige vor Veröffentlichung. Deswegen entkoppelt die Songwriterin aus Los Angeles eben ihren Sound von bisherigen Konventionen aus DreamPop und Indie. Dieses Album von Holter bleibt unbequem, anstrengend, hektisch und ruhig gleichermaßen. Sehr viele Momente liegen hier übereinander. In »Words I Hear« taumeln die Streicher, während ein Piano und ein Chor um Drama bemüht sind. Dazu singt Julia Holter: »Save our souls and laughter.« Der Verstand hat auf »Aviary« wenig zu melden, obwohl er doch dessen Grundlage über die gesamte Spielzeit von fast 90 Minuten bleibt. Schließlich verschachtelt sich das Album nicht nur über den Sound, sondern eben auch über die Texte, »Voce Simul« gerät zu einem sprachlichen Labyrinth. Und ja, stellenweise besteht dieses Album aus Krach. Aber jener Krach drückt mehr aus als nur Missklang. Es ist eine erste Ahnung eines Sounds für das 21. Jahrhundert, der sich von allen Anfällen von Nostalgie und Verklärung befreit, der wirklich Neues liefert, der intensiv, unverständlich, undurchdringlich sein will. Alles zieht sich zusammen, alles stößt sich wieder ab. Alles fließt. Ein Album, um sich darin für alle Ewigkeiten zu verlieren.

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