Music Review | verfasst 17.07.2019
George Otsuka Quintet
Physical Structure
Le Très Jazz Club, 2019
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover George Otsuka Quintet - Physical Structure

Die Tiefenbohrungen zum japanischen Jazz gehen weiter. Jetzt wurde ein Schatz des Schlagzeugers George Otsuka gehoben. »Physical Structure« von 1976 ist ein mächtiger Fusion-Wurf. Das Vokabular reicht von meditativen Stimmungen mit dem perfekt zurückgenommenen Klängen des Klaviers von Fumio Karashima und Otsukas Schlagzeug als Basis, verstärkt von Mitsuako Furunos singendem Bass, bis zu ausschweifenden Treibjagden, in denen das Tenorsaxofon von Shozo Sazaki mit den Instrumenten Otsukas und Karashimas – bei Letzterem dann vor allem Fender Rhodes und Synthesizer – um Funk und Drive fast schon wetteifert. Das episch ansetzende, sich danach umso energischer entwickelnde »Little Island« aus der Feder Karashimas bildete im vergangenen Jahr schon ein Highlight der Compilation »J-Jazz« von BBE. Jetzt kann man auch die restlichen drei Perlen von »Physical Structure« endlich außerhalb Japans bekommen, inklusive einer Version von John Coltranes Ballade „Naima“, die vom George Otsuka Quintett mit elektrisierter Liebe auf ihr Fusion-Potential hin erkundet wird und in der sich die Perkussion Norio Ohnos bestens entfalten kann. Überhaupt begeistert jede einzelne Nummer durch ihren wie von selbst fließenden Aufbau, selbst da, wo es schroffer zugeht. Hören, staunen.

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