Music Review | verfasst 17.02.2011
Tim Hecker
Ravedeath, 1972
Kranky, 2011
Text Jens Pacholsky
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Redaktion
Cover Tim Hecker - Ravedeath, 1972

Als Brian Eno Ende der 1970er Jahre Ambient Music definierte, sprach er weniger von Musik als von einem Klangkonzept im Raum. Ambient sollte Musik sein, die einen Raum unbewusst mitgestaltet und in Emotionen färbt, ohne dabei konkret wahrgenommen zu werden. Musik, die sich architektonisch in einen Raum einordnet, als Detail oder Großfläche. Selbst aufgewertete Eingangsportale von Einkaufszentren schmücken sich mittlerweile – wie am Beispiel des Konsumtempels Nova Eventis an der Peripherie Leipzigs zu erfahren – mit ganzheitlichen Raumkonzepten, in denen ein Rauschen eine kurze Ruhepause vor und nach dem großen Fressen gewährt. Man sollte schon sehr genau hinhören, um etwas Subtiles heraus zu filtern. Genauso wenig drängt sich Tim Heckers radikal betiteltes Album auf. Es hascht nicht um Aufmerksamkeit, wenn man mal von den Titeln absieht. Den brutalen Tod des Rave erfährt der Besucher zu Beginn inmitten eines verhallten Pianos, das entfernt an die einfachen und effizienten Hymnenmelodien der mittleren 1990er Jahre erinnert. Über zwölf Titel lässt Tim Hecker Bildnuancen über den Tatort eines gewaltsamen Niedergangs schleichen – elegisch und ohne Eile. Als würde er die Klänge über einen alten, defekten Diaprojektor im Raum verteilen. Die filigranen Töne schmelzen, schmoren und laufen ineinander. Lawrence English und die Protagonisten des Minimal Classic mischen sich in die Schlieren. Und am Ende bleibt keine Erinnerung, nur ein Gefühl von amorpher Weite, die sich irgendwie beruhigend und heimisch anfühlt. Und eigentlich weiß man gar nicht, wie man in diesen Raum gelangt ist.

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