Music Review | verfasst 05.06.2021
Skee Mask
Pool
Ilian Tape, 2021
Text Nils Schlechtriemen
Deine Bewertung:
9.0
Nutzer (2)
9.5
Redaktion
Cover Skee Mask - Pool

Zunächst einmal: Licht aus, Störgeräusche eliminieren. Keine Ablenkung und ganz genau hinhören. Treffen nämlich die ersten Sounds von »Pool« aufs Ohr, schwimmen innerhalb von Sekunden synästhetische Reflektionen über Amboss und Steigbügel bis zur Zirbeldrüse wie ein Bach über aalglattes Gestein – den Floating-Tank also im Optimalfall schon mal vorheizen. Denn nichts an diesem Album ist regulär, nichts unmittelbar zugänglich – dafür entfaltet dieses Album nach einer gewissen Zeit maximal entgrenzende Wirkung und durchströmt das Hirn wie Regen. Zenker-Schützling Bryan Müller zeigt unter dem Namen Skee Mask erneut allen, warum sich in Sachen viszeraler Breakbeats niemand mehr mit ihm messen kann – nicht hierzulande, nicht woanders. Dem Ilian-Tape-Resident wurde schon kurz nach seinem Debüt »Shred« von 2016 so manch euphorisches Kompliment gemacht, verhielt sich sein Style doch quasi aus dem Stegreif wie sonst nichts im diffusen Genrebrei zwischen IDM, Ambient Techno und atmosphärischem Dub oder Drum’n’Bass – eine Mixtur, die er bis heute unentwegt verfeinert. Seine Produktionen erreichen hier vom delikat entgrenzten Intro »Nvivo« über die irrwitzigen Beatprogrammierungen eines »DJ Camo Bro« oder »Breathing Method« bis zum drogendurchtränkten KI-Post-Funk à la »Harrison Ford« ein neues Level, weit jenseits von allem, was derzeit unter elektronischer Musik firmiert. Auch deshalb darf »Pool« als sein bisher stärkstes Album gelten, obwohl bereits die Vorgänger in vielen Jahreslisten Top-Positionen einnahmen. Mit einer selten gewordenen rhythmischen Varianz, dem richtigen melodischen Understatement und körperlichen Klangfarben à la Aphex Twin gelingt es Skee Mask tatsächlich in jedem einzelnen Track dieses Albums ein Höchstmaß an Eigenständigkeit und Passion für seine Handwerkskunst zu demonstrieren. Die Sequenzierung von »Pool« ist deshalb so makellos fraktal wie das Cover, das Sampling gedankenverloren wie der Horizont, der musikalische Mehrwert unschätzbar. Hier wird Geschichte geschrieben.

»Pool« von Skee Mask findest du bei HHV Records: ###HHV:829018 :Vinyl 3LP###
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 01.02.2016
Skee Mask
Shred
Skee Mask liebt elektronische Musik. Das wird ganz klar, wenn man »Shred«, sein neues Album auf Ilian Tape hört.
Music Kolumne | verfasst 29.06.2018
Halbjahresrückblick 2018
50 best Vinyl Records so far
Techno ohne Kick und Snare, kunstvolles Gurgeln, Musik, zu der Buckelwale ihre Babys beisetzen: alles drin unter den 50 Schallplatten, die uns die erste Jahreshälfte 2018 bislang besonders versüßt haben.
Music Review | verfasst 12.12.2019
Stenny
Upsurge
Konzentriertes Hören lohnt bei »Upsurge«, dem Debüt des aus Italien stammenden Produzenten Stenny.
Music Liste | verfasst 01.07.2021
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Review | verfasst 23.02.2017
Various Artists
A Decade Of Ilian Tape
Zehn Jahre Ilian Tape, eine satte Compilation. Selbst auf die hauseigenen Konventionen gibt die Clique um die Zenker Brothers wenig Wert.
Music Review | verfasst 26.10.2020
Zenker Brothers
Cosmic Transmission
Auf »Cosmic Transmission«, dem neuen Album der Zenker Brothers, ist eher eine ruhigere Gangart angesagt. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Music Kolumne | verfasst 29.01.2020
Aigners Inventur
Januar & Februar 2020
Der Rap Game Berti Vogts hat es ins neue Jahrzehnt geschafft. Angemessen woke und tiefmüde zugleich startet unser Kolumnist Aigner in 2020 und zieht Alben von Stormzy, Ramzi und Bufiman in Mitleidenschaft.
Music Review
Eiko Ishibashi
For McCoy
Die Ishibashi-Erfahrung gehört zu den tollsten, die man im Feld experimenteller Musik machen kann. Mit »For McCoy« gibt’s neue Gelegenheit.
Music Review
Ulysse
Naima / Tiers Monde
Mit »Naima« von Ulysse wurde ein weiteres wohlbehütetes Geheimnis der französischen Disco-Boogie-Szene aus den Achtzigern offenbart.
Music Review
Freestyle Fellowship
Innercity Griots
Freestyle Fellowships »Innercity Griots« ist das Erscheinungsjahr 1993 anzuhören, beeindruckend klingen die Raps und Beats aber immer noch.
Music Review
Dali Muru & the Polyphonic Swarm
Dali Muru & the Polyphonic Swarm
Das bei STROOM 〰 erschienene, selbstbetitelte Album von Dali Muru & the Polyphonic Swarm ist ein ziemliches Ausrufezeichen.
Music Review
Barnt
ProMetal Fan Decor Only Product
»ProMetal Fan Decor Only Product«, das neue Mini-Album des Kölner Produzenten Barnt, ist schlicht und ergreifend unvorhersehbar.
Music Review
Bill Fay
Still Some Light Part 1
Mit »Piano, Guitar, Bass & Drums« hat Bill Fay diese puristischen Aufnahmen betitelt, die jetzt als »Still Some Light Pt.1« erschienen sind.
Music Review
Cat Power
Covers
Eine Sammlung »Covers«, die sich anhören wie Originale von Cat Powers. Diese Aussage trifft aber nur bei einem Zwölftel der Songs zu.
Music Review
Giraffi Dog & Henry 3000
WAR1203
Auf WARNING trotzt man der Pandemie und schickt mit »WAR1203« Giraffi Dog und Henry 3000 ins Rennen.
Music Review
Otis Sandsjö & Niklas Wandt
Compagni Di Merende
Auf »Compagni Di Merende« verabreden sich der Saxophonist Otis Sandsjö und der Schlagzeuger Niklas Wandt zum Improvisieren.
Music Review
Bonobo
Fragments
Bonobo selbst nennt sein neues Album »Fragments« sein Opus Magnum. Da könnte was dran sein.
Music Review
Michel Banabila
Echo Transformations
Seit 40 Jahren macht Michel Banabila ununterbrochen Musik. Sein neues Album »Echo Transformations« ist ein Highlight in seiner Karriere.
Music Review
Ichiko Aoba
Windswept Adan
Hierzulande ist die japanische Songwriterin Ichiko Aoba noch immer weitgeehnd unbekannt. »Windswept Adan« könnte das ändern.
Music Review
Maurice Louca
Saet El-Hazz (The Luck Hour)
Unmöglich, nordafrikanische Musik ausfindig zu machen, bei der Maurice Louca nicht beteiligt ist. Jetzt ist »Saet El-Hazz« erschienen.
Music Review
Soichi Terada
Asakusa Light
Soichi Terada gehört zum großartigsten was Japan in Sachen House zu bieten hat. Mit »Asakusa Light« ist jetzt ein neues Album erschienen.
Music Review
OG Keemo
Mann beisst Hund
Hat Deutschrap jemals intensiver geklungen? »Mann beisst Hund« ist zweifelsfrei der nächste große Wurf von OG Keemo und Funkvater Frank.
Music Review
Ugo Busoni
Valvole
Library Music ist für den Zweck geschrieben, Rundfunkbeiträgen einen Rahmen zu geben. »Valvole« von Ugo Busoni macht da keinen Hehl draus.
Music Review
Wadada Leo Smith, Douglas R. Ewart & Mike Reed
Sun Beans Of Shimmering Light
Auf »Sun Beans Of Shimmering Light« kommen die Jazzmusiker Wadada Leo Smith, Douglas R. Ewart und Mike Reed für einen Jam zusammen.
Music Review
Jeanne Lee
Conspiracy
Die Möglichkeiten der Stmme testet die amerikanische Jazzsängerin Jeanne Lee auf ihrem 1975er Album »Conspiracy« aus.
Music Review
Harry Pussy
Superstar
15 Songs in nicht mal 9 Minuten. Ist »Superstar« von Harry Pussy das kürzeste Album der Welt? Wir wissen es nicht.
Music Review
Jeff Parker
Forfolks
Sollte das Wörtchen Virtuosität noch irgendwo Platz finden, dann hier: Jeff Parker hat sich für »Forfolks« in eine Berghütte zurückgezogen.
Music Review
Various Artists
Essiebons Special 1973-1984
»Essiebons Special 1973-1984« versammelt Highlights und Rares des von Dick Essilfie-Bondzie gegründeten, ghanaischen Labels.
Music Review
Various Artists
Ritmo Fantasía
DJ Trujillo hat für »Ritmo Fantasía: Balearic Spanish Synth-Pop, Boogie And House (1982-1992)« Dance Music aus Spanien zusammenegtragen.
Music Review
Oliver Doerell & Jawad Salkhordeh
سایه (Sāje)
Für sein neues Projekt hat sich Oliver Doerell mit dem Iraner Jawad Salkhordeh zusammengetan. »»سایه (Sāje)« ist das Beste beider Welten.
Music Review
Trees Speak
Vertigo Of Flaws
Auf »Vertigo Of Flaws« erproben Trees Speak eine neue Vielseitigkeit. Die Grundelemente ihrer Musik bleiben aber erhalten.
Music Review
TRii Group
Interest In Music
Max Stocklosa wechselt seinen Künstlernamen oft. Auch auf »Interest In Music«, jetzt als TRii Group. Das Rätselhafte der Musik aber bleibt.
Music Review
You'll Never Get To Heaven
Wave Your Moonlight Hat For The Snowfall Train
Mit »Wave Your Moonlight Hat For The Snowfall Train« spinnt das kanadische Duo You’ll Never Get To Heaven weiter an kleinen Po-Träumereien.
Music Review
Leo Nocentelli
Another Side
Anfang der 1970er Jahre nimmt The Meter’s Leo Nocentelli ein Soloalbum auf. Keine fünfzig Jahre später ist »Another Side« erschienen.
Music Review
Ryuichi Sakamoto
Esperanto
1986 nur in Japan erschienen, ist Ryuichi Sakamoto’s »Esperanto« nun erstmals weltweit auf Schallplatte veröffentlicht worden.
Music Review
Beach Fossils
The Other Side Of Life: Piano Ballads
Die Beach Fossils um Chef-Slacker Dustin Payseur veröffentlichen mit »The Other Side Of Life: Piano Ballads« ein Pianoalbum.
Music Review
Fat Freddy's Drop
Wairunga
Fat Freddy’s Drop, eine der besten Live-Acts, veröffentlichen das live eingespielte Album »Wairunga«.
Music Review
Frank Hatchett
Sensational
»Sensational« versammelt Musik von Funk, Disco bis Proto-House, die der Choreographer Frank Hatchett für Tanzschulen konzipierte.
Music Review
Ben LaMar Gay
Open Arms To Open Us
Für sein Album »Open Arms To Open Us« holt der Jazzmusiker Ben LaMar Gay einige der Protagonisten der Chicagoer Szene zusammen.
Music Review
Irreversible Entanglements
Open The Gates
Der Jazz von Irreversible Entanglements aus »Open The Gates« ist frei aus dem Bauch heraus gespielt. So muss es sein.
Music Review
Pamela Z
Echolocation
Auf Freedom To Spend wurde unter den Titel »Echolocation« Musik der Künstlerin und Musikerin Pamela Z wiederveröffentlicht.
Music Review
Idee Du Femelle
Sequences
Mit Musica Maquina hat John Talabot ein Label aus der Taufe gehoben, um »Sequences« von Idee Du Femelle wiederzuveröffentlichen.
Music Review
Lee Ranaldo
In Virus Times
Rückzug, Einkehr und Besinnlichkeit: Mit »In Virus Times« hat auch Sonic Youth’s Lee Ranaldo ein »Corona-Album« veröffentlicht.
Music Review
Portico Quartet
Monument
Das Portico Quartet ist einfach da. Und hätte auch mit »Monument« ein viel, viel größeres Publikum verdient.
Music Review
David Behrman
ViewFinder / Hide & Seek
David Behrmans Werke gelten als Pionierstücke der elektronischen Avantgarde. Auf »ViewFinder / Hide & Seek« sind jetzt einige nachzuhören.
Music Review
Twit One
AUDDA Control
Überrascht trotz konventionellem Soundbild: Twit One hat mit »AUDDA Control« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Mira Calix
Absent Origin
Wie oft musste Duchamp diesen Satz hören: Ist das Kunst oder kann das weg? Mira Calix nennt Duchamp als Inspiration für »Absent Origin«…
Music Review
Snail Mail
Valentine
Auf »Valentine« fallen die Gesten von Snail Mail noch größer als zuvor aus, am Effekt aber ändert das zum Glück nichts.