Music Review | verfasst 18.10.2021
Le Ren
Leftovers
Seretly Canadian, 2021
Text Arne Lehrke
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Redaktion
Cover Le Ren - Leftovers

Warum ist provinziell in Deutschland eigentlich ein so negativ konnotiertes Wort? Wo im Englischen das abgelegene Dörfliche der logische Gegensatz zur (Groß-)Stadt ist, fehlt es hierzulande an Respekt. Vielleicht auch, weil es kaum Musik wie die von Lauren Spear aka Le Ren gibt, die für die wilde Blumenwiese geschrieben ist – für die Veranda und die Frischluft. Denn obwohl die Singer-Songwriterin selbst zwar in Montréal wohnt, geht ihre Musik auf die Reise ins entschleunigte Hinterland,, kennt keine Dringlichkeit und krault sanft den Hinterkopf. Dabei findet auf »Leftovers« Verlust genauso einen Platz, wie schon auf der Vorgänger-EP »Morning & Melancholia«. Doch es ist diese tröstende Art von Trauer, die Lauren Spear zur Perfektion verinnerlicht hat. Sie flirtet mit dem Kitsch, wenn sie auf »Dyan« über ihre Mutter singt: »If I could look into the center of the sun, I think I’d see her there«. Sie fantasiert für ihre eigene Zukunft ein idealisiertes Mutter-Kind-Verhältnis auf »I already love you« zusammen und lässt trotz all der Melancholie nie das Grau in ihr quasi nur auf der Akustikgitarre gebautes Hinaus hinein. »Leftovers« setzt den Tee auf, serviert ihn auf liebevoll verziertem Service und gemeinsam schweigt und schwelgt man ein bisschen. Spears sanfte Stimme strahlt dabei eine Güte aus, die entfernt an Joni Mitchell, Laura Marling oder Aldous Harding erinnert, ohne dabei ähnlich verspielt zu sein. Genauso seriös zeigen sich hier und da ein Klavier oder vorsichtige Streicher. Le Rens neues Album ist eine ernste Angelegenheit, aber ebene keine, bei der man die Stirn runzeln muss, sondern eine Auszeit, die respektiert, dass Trauer jeden jederzeit einholen kann. »Leftovers« ist im besten Sinne provinziell. Und wer ein klein wenig Ruhe dringend gebrauchen kann, der sollte Lauren Spear dort einen Besuch abstatten

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