Review

Faye Webster

Underdressed At The Symphony

Secretly Canadian • 2024

YOU WON, bestätigen mir grellbunte Lettern auf meinem Smartphone, dass ich trotz hinkender Technik im Online Game »Singsongorama« die meisten Töne in Faye Websters neuester Single »Lego Ring« getroffen habe (yey). Der Song ist die wohl größte Überraschung ihres Albums »Underdressed At The Symphony«. Darauf zu hören ist die elektronisch verzerrte Stimme von Websters ehemaligem Klassenkameraden und heute mehrfach Grammy-Nominierten Lil Yachty. Autotune meets Folk – eine ungewohnte Kombi, die Websters musikalische Einflüsse gekonnt verschmelzen lässt. Von ihrem ursprünglichen Country-Sound ist in 2024 wenig übriggeblieben, dafür scheint die in Atlanta geborene Enkelin eines Bluegrass-Musikers gefestigter denn je in ihrem Stilmix zu sein.

Dass ihre Songs auf TikTok viral gehen, interessiert den passionierten Yo-Yo Fan herzlich wenig. Dabei trifft sie mit ihrer unaufgeregten und humorvollen Art, mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen, durchaus einen Nerv. Tiefgründig muss es dabei nicht zwangsläufig sein, es genügt schon, besagten Plastikring zu begehren oder den eigenen eBay Bestellverlauf zu analysieren. Mit üppiger Orchestrierung und introspektiven Lyrics knüpft Faye Webster an ihre letzte EP »Car Therapy Sessions« an, deren Theatralität diesmal durch wohlig warme Pedal Steel Gitarren und melodische Brüche etwas reduziert wird. Tut man es der Musikerin gleich, so hilft ein Besuch in der Symphonie, um schwierige Lebensphasen hinter sich zu lassen oder sich in Anonymität zu wähnen. Wer es noch etwas zwangloser und intimer mag, dem sei die neue Platte sehr ans Herz gelegt.