Music Review | verfasst 16.10.2012
Emanuele de Raymondi
Buyukberber Variations
ZerOKilled Music, 2012
Text Jens Pacholsky , Übersetzung Julia Frohn
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Redaktion
Cover Emanuele de Raymondi - Buyukberber Variations

Emanuele de Raymondi wagt sich auf seinem sechsten Album auf ein gefährliches Terrain. Die (unaufgeforderte) Bearbeitung des Materials eines anderen Künstlers kann leicht zum Kitsch werden, der vor lauter Ehrfurcht und Lobhudelei gänzlich belanglos bleibt. Oder es verkommt zur absoluten Katastrophe, weil die Bearbeitung etwas vollkommen anderes sein soll – die Anti-These, die mit allen Mitteln durchgeprügelt wird. Der Italiener Raymondi, mit Abschluss am Berklee College of Music in Boston und Musicians Institute in Los Angeles, schafft das seltenere dritte Ergebnis: die Transzendierung des Originals. Ausgangsmaterial für seine zehn Variationen sind die Stücke des türkischen Klarinettisten Oguz Büyükberber. Dieser ist selbst bekannt für seine Improvisationen zwischen Jazz, türkischer Musik und aktuellen Musikströmungen. Es geht somit um die Transzendierung einer bereits transzendenten, wandernden Musik. Keine völlig einfache Ausgangssituation. Raymondi erreicht in seinen Computermanipulationen dennoch zweierlei. Zum einen erhält er den inhärenten Groove, die melancholische Leichtigkeit und Spielfreude des türkischen Virtuosen. Zugleich versetzt er die Klangelemente in neue Kontexte, welche von klassischen Clicks’n’Cuts (BV 01) und Ambient (BV 05) über Kammermusik (BV 02) und Minimal Classic a la Philip Glass (BV 06) bis zu einem kopfnickenden Breakbeat (BV 04) und einem klaustrophobischen Horrorfilm-Soundtrack (BV 08) reichen – eine äußerst respektvolle und überraschend neuordnende Interpretation Büyükberbers Musik.

Das Album »Buyukberber Variations« von Emanuele de Raymondi findest du bei hhv.de: LP
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