Elzhi – »Im Hip Hop sind Cover selten«

21.11.2011
Seine Re-Interpretation von Nas’ __Illmatic__ wurde in diesem Jahr gefeiert wie kaum ein anderes Release. Gerade war er damit live in Deutschland unterwegs. Wir nutzten die Gelegenheit ihm hier ein paar Fragen zu stellen.

An einen Klassiker wie Nas’ Illmatic muss man sich erst einmal heranwagen. Nicht, dass Elzhi hierfür der falsche wäre: Seine Lorbeeren hat er sich als Veteranen der Detroiter Hip Hop-Szene längst erarbeitet. Und als langjähriges Mitglied von Slum Village feierte er seine größten musikalischen Erfolge bis er 2010 im Zuge der Auseinandersetzung zwischen Label und Management die Gruppe verlies. Was seiner Produktivität keinen Abbruch tun sollte. Die Veröffentlichung seiner Re-Interpretation Elmatic an der Seite der Band Will Sessions wurde gefeiert wie kaum ein anderer Release in diesem Jahr. Grund genug, damit auf eine ausgedehnte Deutschlandtour zu gehen, in Rahmen derer wir mit Elzhi über seine aktuellen Arbeiten sprechen konnten.

Was hat Illmatic für dich damals bedeutet?
Elzhi: Es hat mich dazu gebracht, dass ich mich in Dingen wie Kreativität und Song-Konzepten verbessern wollte. Das Album hatte nicht nur großartige Produktionen, sondern Nas war auch sehr visuell im Bezug auf die Darstellung seiner Umgebung. Ich wollte genauso so bildlich werden.

Die meisten feiern dein Mixtape Elmatic. Manche sagen aber auch, dass Illmatic ein unantastbares Album wäre…
Elzhi: Das größte Kompliment bekomme ich von Leuten, die zu mir kommen und sagen: »Als ich zuerst von deinem Projekt gehört habe, dachte ich, man sollte an Illmatic nicht herumdoktern. Doch als ich es dann hörte, war es besser als ich erwartet hatte.« Ich denke, Leute, die bei dem ersten Gedanken hängenbleiben, haben sich das Projekt nie richtig angehört.

Hast du mit Nas gesprochen, bevor du dich an die Arbeit an Elmatic gemacht hast?
Elzhi: Nein. Elmatic ist eine Hommage und ich habe noch nie gehört, dass jemand dafür nach Erlaubnis gefragt hat. Außerdem stammt die Idee nicht von mir, sondern von DJ House Shoes. Ich fand die Idee gut, gerade weil das Album eine solche Bedeutung für mich hatte. Und viele Künstler haben die gleiche Meinung dazu. Frag mal Kanye West, Game oder Jay Electronica…

»Ich wusste, wenn ich so etwas veröffentliche, würde es zunächst neu für die Leute sein. Aber zugleich würde es eine gewisse Debatte entfachen.« (Elzhi)

Hast du bisher Feedback von Nas oder einem Beteiligten bekommen?
Elzhi: Wir haben Nas persönlich eine Kopie zukommen lassen. Soweit ich weiß, feiert sein Camp Elmatic. Ich spreche viel mit Pete Rock, er ist einer meiner engsten Freunde in der Industrie. Mit Premo und Large Professor habe ich bisher noch nicht über den Release geredet, aber ich habe vor kurzem ein Video auf YouTube gesehen, in dem Premo Elmatic hört und seinen Segen gibt.

Wie bist du zu der Entscheidung gekommen, Will Session die Instrumentals einspielen zu lassen?
Elzhi: Will Sessions haben die monatliche Partyreihe namens »Motor City Funk Night« im The Majestic in Detroit. Dort spielen sie drei Stunden lang Funk. Aber sie nehmen auch am Detroit Electronic Music Festival teil und haben schon mit Guilty Simpson, Fat Cat und auch mir performt. Als ich also an eine Live-Instrumentierung dachte, sind sie mir zuerst in den Sinn gekommen. Andere hatten ja bereits über Instrumentals von Nas gerappt. Deshalb entschied ich mich für ein Re-Interpretation. Ich rief Sam, den Bandleader, an und er fand die Idee großartig. Zwei oder drei Wochen später saßen wir im Studio.

Wie war der Aufnahme-Prozess?
Elzhi: Ich lies sie zuerst mal machen. Der erste Track, den sie mir schickten war Detroit State of Mind. Ich war extrem beeindruckt. Ich sagte, sie sollten mal versuchen die Bassline in der Mitte der Strophen zu wechseln. Sie taten das und schickten mir den Beat per E-Mail und er war einfach noch besser. Das gab mir das Gefühl, Teil des Produktionsprozesses zu sein, obwohl ich nicht mal ein Instrument spiele.

Wolltest du vielleicht auch die »Golden Era« ein bisschen zurückbringen?
Elzhi: Als DJ House Shoes mir von seiner Idee erzählte, ging mir im wahrsten Sinne des Wortes ein Licht auf. Ich dachte: †ºDas ist eines meiner Lieblingsalben, es hat mir geholfen ein besserer MC zu werden und ich kenne viele junge Leute, denen das Album gar kein Begriff sein dürfte.†¹ Ein weiterer Punkt war: Im Hip Hop ist man noch nicht an Cover gewöhnt. Ich wusste, wenn ich so etwas veröffentliche, würde es zunächst neu für die Leute sein. Aber zugleich würde es eine gewisse Debatte entfachen.

Glaubst du denn, dass einige Leute Illmatic wirklich durch Elmatic kennen gelernt haben?
Elzhi: Ich kenne sogar jemanden persönlich. Er ist 18 Jahre alt und hatte Illmatic noch nie gehört. Und der einzige Grund, wieso er es hören wollte, war Elmatic. Ich denke, es gibt eine ganz Menge junger Leute, denen es genauso geht. Für mich ist das ein großer Erfolg.

Du arbeitest momentan an deinem neuen Album. Es heißt, dass du dich dabei an Beats von einem »aufregenden Roster an Produzenten« bedienst. Kannst du uns mehr verraten?
Elzhi: Nein. (lacht) Ich möchte keine voreiligen Statements geben, für den Fall, dass es manche Tracks nicht auf das Album schaffen. Ich reise momentan zwischen Detroit und Los Angeles hin und her. In L.A. zu sein ist großartig. Dort ist die Unterhaltungsbranche zu Hause und das erlaubt es mir, mich mit Leuten zu connecten, zu denen ich sonst keinen Kontakt hätte. Ganz im Ernst: Ich höre momentan keine andere Musik als meine Beats. Ich will sicherstellen, dass ich bis Ende des Jahres einen Veröffentlichungstermin angeben kann. Momentan gibt es einige Labels, die ein Auge auf mich geworfen haben, und zwar Indie- und Major-Labels. Ob mein nächster Release ein Album oder ein Mixtape wird, kann ich noch nicht eindeutig sagen. Ich muss erst sehen, wie sich meine Labelsituation entwickelt.

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