Review

Arovane

Icol Diston

Keplar • 1998

Nachdem Keplar die ersten beiden Alben von Arovane, »Atol Scrap« und »Tides«, kürzlich bereits wiederveröffentlichte, geht es mit »Icol Diston« noch einen Schritt zurück. Schon von 1998 und 1999 sind diese drei EPs, die hier erstmals auf Vinyl veröffentlicht sind, und das hört man den Tracks auch durchaus an. Allerdings nicht auf die Weise, dass die Sounds überholt und die Beats abgegriffen wären, sondern eher in der Art, dass man mitgenommen wird auf einen nostalgischen Trip in die Blütezeit elektronischer Musik. Die Euphorie und die Aufbruchstimmung, die Ende der Neunziger herrschten, schwingen in allen elf Tracks zwischen den Takten mit. Obwohl Berlin damals noch eindeutig mit Techno assoziiert wurde, emanzipierte sich Zahn als Arovane von dieser Zuschreibung, indem er sich eher an Labels wie Skam und natürlich Warp sowie Dub-Produktionen orientierte. Während die vier Tracks der ersten EP »I.O.« verspielte und komplexe Soundlandschaften entstehen lassen, erzeugen die fünf Stücke der Folge-EP »Icol Diston« mit ihrem Fokus auf die Beats eine fast schon geisterhafte Stimmung, die Berlins damalige Ambivalenz zwischen Aufbruch und Abbruch klanglich spiegelt. Die dritte EP »AMX« schließlich zeigt mit zwei Stücken Arovanes Erfindungsreichtum als Remixer, der vor allem mit »No. 8« überraschende Wege ging und neu verhandelte, wofür ein Remix eigentlich da ist und wie viel Bezug zum Original er haben darf. Dass diese innovative Erforschung neuer klanglicher Ausdrucksmittel inzwischen fast ein Vierteljahrhundert alt ist, mag man gar nicht glauben.