Review

Kamasi Washington

Fearless Movement

XL Recordings • 2024

»Fearless Movement« ist von der Idee der Expression besessen. »Den eigenen Geist durch den Körper ausdrücken. Genau das pusht dieses Album«, erklärt Kamasi Washington. Dabei lässt sich der Saxophonist von der Idee des Tanzes inspirieren. Nicht dem eigentlichen Tanz, denn tanzbar ist sein Big-Band-Jazz nicht immer. »Die Musik, die ich mache, hat nicht unbedingt etwas mit Tanz zu tun, auch wenn ich glaube, dass man sich umso mehr bewegen kann, je ausdrucksstärker die Musik ist.« Aber was drückt Washingtons Körper dann aus? Die menschliche Kreativität an sich. Washington will den Geist bewegen, so wie Dance-Tracks die Körper bewegen. Inspiriert wird Washington von seiner Tochter. So nimmt er auf »Asha the First« eine Melodie, die die Nachwuchsmusikerin auf dem Piano klimpert, und baut daraus eine explosive Hymne. Mit Thundercat und den Söhnen von Ras Kass. Wäre das ganze Album auf diesem Niveau, würde es meine Jahresendliste in Schutt und Asche legen. Leider versucht Washington oft, Expressivität zu erzwingen. »Interstellar Peace« ist ein schöngeistiger Filmsoundtrack, während »Computer Love« in ironischen Zitaten nostalgischer Tropen schwelgt. In seinen besten Momenten ist »Fearless Movement« ein kühner Vorstoß in die menschliche Psyche. In seinen schlechtesten: gefälliger Jazz. Was nicht heißt, dass es schlechter Jazz ist – im Gegenteil. Es gibt nur wenige Musiker:innen, die so poliert klingen wie Washington. Nur expressiv ist das nicht.