Review

Slowthai

Ugly

Universal • 2023

Hoffentlich hat sich Slowthai nicht nur für das Albumcover und Promozwecke »UGLY« unters Auge tätowieren lassen! Er will sich damit nicht als hässlich bezeichnen, sondern das Tattoo als Akronym verstanden wissen, das für »U Gotta Love Yourself« steht. Mit seinem dritten Album reflektiert Slowthai seinen inzwischen eingeschlagenen Weg, ein besserer, verantwortungsbewusster Mensch zu werden und tut dies völlig unironisch, fast schmerzhaft ehrlich, mit tiefen Selbstzweifeln und echter Wut. Diese Läuterung begann bei ihm, wie bei vielen selbstzerstörerischen jungen Männern, mit der Geburt seines ersten Kindes. Motiviert durch die neue Vaterschaft ging er seine Drogenprobleme an und gab seiner Suchtstimme in der Therapie den Namen »Fuck It Puppet«: eine böse Puppe, die auf seiner Schulter sitzt und ihn zu schlechten Entscheidungen ermuntert, die im Opener »Yum« regelrecht herausgeschrien werden. Neben seinen dialektgefärbten Raps versucht sich Slowthai auch immer wieder als richtiger Sänger, wobei er selbst zugibt, keine Aretha Franklin zu sein, was man nur bestätigen kann (aber welcher große Sänger hat schon eine gute Stimme?!?). Passend dazu finden sich auf »Ugly« neben HipHop-Beats auch Rockgitarren, die zum Beispiel seine Kumpels von Fontaines DC beisteuern. Man hört, dass das HipHop-Kid auch mit Nirvana und Radiohead im Ohr aufgewachsen ist. Dieser erweiterte künstlerische Ausdruck steht Slowthai gut zu Gesicht und macht »Ugly« zu einem mutigen, herausfordernden und sehr persönlichen Album.