Music Kolumne | verfasst 01.07.2011
Zwölf Zehner
Juni 2011
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Text Florian Aigner, Paul Okraj

Zwoelf Zehner, Juni 2011 - 01 - FunkinEven Dass die basslastigen Engländer in letzter Zeit auch wieder vermehrt auf Vintage Drum Machines und den Acid-Squelch der TB 303 zurückgreifen, dürfte den wenigsten entgangen sein. Ob Joy Orbison, Blawan oder Dave Kennedy – der Post-Stepper von heute macht House-Jams mit Hilfe der Roland’schen Produktpalette aus den frühen Achtzigern. Von Anfang an einen Schritt weiter ging das Eglo-Signing FunkinEven, der Acid nicht nur zitiert, sondern umarmt, drygehumpt und ganggebangt hat. Und so gut seine bisherigen Maxis waren, diese hier schießt den Vogel ab. Ein unfassbar energetischer Throwback-Track, der dennoch absolut zwingend 2011 ist. Kaum sechs Takte gibt er uns Zeit, bevor er aus den alten und schweineteuren Fetischobjekten eine entfernt an das Mario Bros.-Theme angelehnte Melodie gegen offbeatige Rimshots und Claps kämpfen lässt, zur Mitte die Euphorie gekonnt in einem kurzen Break verschleppt, um dann derwischig zu schließen. So viele versuchen mit den gleichen MItteln die Unschuld der Pionierjahre zu beschwören, Funkineven hingegen bedient seine Geräte mit der gleichen Naivität wie die einstigen Fahnenträger und macht damit, ohne es zu wollen, all die anderen Kopierkatzen obsolet.

Zwoelf Zehner, Juni 2011 - 02 - The-Dream Der runtergepitsche Linndrum-Loop. Der opulent-wummernde Bassteppich. Der auf so vielen Ebenen erhaben arrangierte Einsatz seines Vokals. Jedes kleine Einzelteil auf Body Work ist bis in die letzte Pore von Sex (und Prince) durchdrungen. So aufgeladen, dass es sich auf Fuck My Brains Out, das sich direkt nach Body Work anschließt, (und gemeinsam gedacht werden muss) entlädt. Viel mehr noch: Explodiert. Wer nach seiner grandiosen Love-Trilogy immer noch nicht mitbekommen hat, dass The-Dream weit mehr ist als der Thronfolger Timbalands, dem sollte spätestens im Herbst diesen Jahres klar werden, dass der Mann in so vielen Bereichen »next level« ist. Der vierte Teil – The Love, IV (Diary of a Mad Man) – erscheint angeblich im September. Und, auch ungehört, wenn man Body Work / Fuck My Brains Out zum Maßstab nimmt: Das wird das ganz große Ding. Und in Europa nimmt es dennoch niemand wahr.

Zwoelf Zehner, Juni 2011 - 03 - Beautiful SwimmersFind it at hhv.de: 7inch Machen wir uns nichts vor: Kollege Okraj und ich sind Fanboys. Fanboys zweier Geeks aus dem Großraum Washington D.C./Baltimore, deren Zusammenarbeit im Projekt Beautiful Swimmers wilde Stilblüten trägt. Und so sehr wir uns schon daran gewöhnt hatten, das Unerwartete von Ari Goldman und Andrew Field-Pickering (alias Maxmillion Dunbar) zu erwarten: Yacht Dub hatten wir dann doch nicht auf dem Zettel. Genau das ist es aber, was die ebenfalls für ihren Eklektizismus berüchtigte Soft Rocks Clique von der Insel aus der Crosby,Stills & Nash-Hommage auf der A-Seite gemacht haben. Die augenzwinkernden Vocals von Gastsänger John Davis werden in einen dubbigen Zeitlupengroove getriggert, der am ehesten noch mit Todd Terjes All That She Wants-Cover zu vergleichen ist, aber weniger kokettiert. Sommerhit? Natürlich!

Zwoelf Zehner, Juni 2011 - 04 - Hade Techno, Filter, Trash, Rave und Boombap bilden den Rahmen dieser neuen Interpretation des 1996er Eurodance-Klassikers Hymn von Music Instructor, den der Kölner Produzent HADE für seinen Auftritt beim Kölner Beat BBQ angefertigt hat. Hier treffen Eurodance auf Madlib, Money Boy auf Bill Cosby und Busta auf – nun gut – Bass. Mit Spaß fängt es an, mit Spaß hört es auf. Doch was dazwischen passiert ist mehr als nur der ganz normale Wahnwitz. Der Moog-Bass zerrt am Membran, die Snare knallt gewaltig auf der Zwei und der Vier. Das grundsätzlich unsägliche Sample ist in die Einzelteile verchoppt und wird dabei von verschiedenen Adlibs von allen Seiten gefeiert. Doch wo war jetzt der Rave? Habe ich schon die Bleeps erwähnt? Nun gut. Beim Beat BBQ waren sich alle darin einig, dass der Mann, der als erster auftrat, gleich für das Highlight gesorgt hat. Tschau für Now. Der Rest: Game Over.

Zwoelf Zehner, Juni 2011 - 05 - Bjork Selbst als großer Björk-Fan muss man zugeben, dass die in den letzten Jahren hervorgegangen Projekte und Alben der Isländerin schwer zugänglich, schwer zu fassen, ja, zu avantgardistisch waren. Stets im Fluss der eigenen Inspiration scheint Björk nun aber nach der Auseinandersetzung mit Mensch und Stimme, später mit der Natur, nun plötzlich wieder bei der Technologie angekommen zu sein. So entsteht das neue Album Biophilla in Kooperation mit Apple und markiert das wohl »first app album« der Weltgeschichte. So sind auch einzelne Tracks auf dem iPad entstanden. Einer davon – Crystalline – erfüllt dabei die Sehnsüchte vieler Björk-Fans, die sich wieder einfachere Strukturen, mehr Elektrizität und weniger Spuren wünschten. Kurzum: Mehr Mark Bell als Walgesänge. So verzückt auf Crystalline die Triangel mit einer einfachen Grundmelodie, die Bässe tanzen im Galopp. Währenddessen ersetzen verschiedene Störgeräusche die Snare und fangen die Stimmung ein. Unweigerlich fühlt man sich an Homogenic erinnert, zu Zeiten als Alec Empire noch für Digital Hardcore sorgte und Joga remixte. Und siehe da: Plötzlich bricht die minimale Instrumentalisierung auf und wird von einem unbehandelten Jungle radikalisiert. Und Björk? Der wachsen Kristalle aus den Füssen.

Zwoelf Zehner, Juni 2011 - 06 - Kyle HallFind it at hhv.de: 12inch Es sind diese unvorhergesehenen Kyle-Hall-Momente, die beim Kollegen Aigner und mir – da sind wir ganz klar auf Linie – immer wieder für Verwunderung und große Freude sorgen. Nicht die manchmal etwas sperrig geratenen, deepen oder auch verschroben trackigen Produktionen des mittlerweile zwanzigjährigen einstigen Wonderboys aus Detroit sind es, die bei uns für Verzückung sorgen. Auch die sind gut, keine Frage. Sobald Kyle Hall aber den Equalizer aus dem Auge verliert, die Filter aufdreht, abdreht, umdreht, sich kurzer Soul/Funksamples bedient und äußerst discoesque nach vorne stampft, spätestens dann ist es um uns geschehen. So war das im letzten Jahr schon auf After Fall, so ist es in diesem Monat (Jahr) mit Down.

Zwoelf Zehner, Juni 2011 - 07 - Matias AguayoFind it at hhv.de: 12inch Irgendwie konnte ich mit Matias Aguyaos südamerikanischem La Vida Loca -Shtick nie so richtig, vielleicht auch deswegen weil Aguyaos Blütezeit mit dem großen Ethno-Sample-Hype zusammenfiel und ich schlicht keine Lust hatte, die Spreu vom Weizen zu trennen. Bongo-Loops und Flamenco, nein danke. Kein Wunder also, dass es gerade Aguayos rohster Track ist, der mich wieder zu einem Gläubigen macht. Von den meisten Kollegen als DJ-Tool abqualifiziert, drückt der Kompaktler mit 127 BPM und übersteuerten Vintage-Drums-Sounds hier fester auf die Tube als jemals zuvor. Aufgrund der Art und Weise wie skeletthaft und trackig hier gearbeit wird, könnte man dann fast schon wieder das Adjektiv †ºminimal†¹ bemühen, wenn man nicht wüsste, dass genau jene Klientel, die sich von diesem Adjektiv angesprochen fühlt, traumatisiert vor dieser – im besten Sinne brutalen – Coversion eines EBM-Klassikers davonlaufen würde.

Zwoelf Zehner, Juni 2011 - 08 - Nas Es kann alles so einfach sein. Niemand erwartet von Nas anno 2011 ein zweites Illmatic. Nicht mal im Ansatz. Das wäre auch der vollkommen falsche. Erwartungen also zurückgeschraubt. Und dennoch war zuletzt so vieles aus der Feder von »Queensbridge†˜s Finest« so vollkommen uninspiriert, teils wirklich belanglos. Was nun? Zurück zum Einganssatz. Es kann nämlich alles so einfach sein. Gebt dem Mann ein Drumbreak, gebt ihm ein paar Zigarren und den Remy Martin und er sorgt für das größte Feuerwerk seit Made You Look. Da war doch auch so ein Drumbreak im Spiel. Nas droppt »Robes, Clothes, Hoes, Flows«, nein, keine Moneytoes. Und er braucht noch nicht einmal eine Hook dafür. Ein Mann, ein Break, ein Take. Und Hip-Hop ist immer noch nicht tot.

Zwoelf Zehner, Juni 2011 - 09 - Floating PointsFind it at hhv.de: 12inch Sam Shepherd ist schon ein Phänomen. Da sitzt dieses nerdige Big-Bang-Theory-Reject also in den wenigen Minuten, die er nicht im Unilabor verbringt vor seinen Synthies und Drummachines, berechnet im Vorfeld vermutlich Sinuskurven und Algorithmen seiner Tracks selbst und am Ende hat das immer so viel Funk und Seele, dass man all die Wissenschaftsklischees schon wieder vergessen hat. Marilyn ist, nach den jaziggen Downtempo-Exkursionen seines Ensemble-Projekts und der Garage-Blaupause wieder eher jener Floating Points, der mit seiner Vacuum Boogie vor zwei Jahren die EP der EPs veröffentlichte. Galant schlackernd im 110bpm-Galopp schichtet Shepherd hier Synthfläche um Synthfläche auf eine gerade Drumpattern und immer dann wenn man sich fragt, ob das jetzt gerade noch harmoniert, macht es klickt und dieser Alchimist hat wieder jeden Zweifel vergessen gemacht.

Zwoelf Zehner, Juni 2011 - 10 - Jacob Korn Jacob Korn ist Schirmherr des Aufschwung-Ost-Projekts Uncanny Valley und endlich unbescheiden genug sich eine Solo-EP auf dem Label und Kollektiv zu gönnen, das in der Warteschleife vor der Panoramabar (Gast: Moodymann) gegründet wurde. She ist ein äußerst episch angelegtes Techno-Stück, das in der Progression manchmal an Santiago Salazar erinnert und wieder einmal Korns feines Gespür für anspruchsvollere Melodien verdeutlicht. Wie Korn es geschafft hat, dass dieses seltsame Glockenspiel-Sample so wunderbar zusammengeht mit den elegischen Pianopassagen und einer böse zischenden Snare, bleibt Korns Geheimnis.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 03.11.2011
Zwölf Zehner
Oktober 2011
Willkommen im November. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Oktober musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 07.03.2012
Zwölf Zehner
Februar 2012
Willkommen im März. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Februar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 04.04.2012
Zwölf Zehner
März 2012
Willkommen im April. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat März musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Porträt | verfasst 15.03.2012
Eglo Records
Fingerübung in Sachen Qualität
Vor genau drei Jahren taten sich Sam Shepherd (Floating Points) und Radio-DJ Alexander Nut zusammen und gründeten das Label Eglo Records. Wir stellen euch das Londoner Label genauer vor.
Music Kolumne | verfasst 12.11.2012
Zwölf Zehner
Oktober 2012
Willkommen im November. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Oktober musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 12.07.2013
Zwölf Zehner
Juni 2013
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 31.12.2013
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2013 (Teil 2)
Streitbar, scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip-Hop, Trap, Kanye und Post-Everything. Das Kolumnen-Duo plus Kunze schließt das Jahr 2013 mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab.
Music Kolumne | verfasst 04.12.2011
Zwölf Zehner
November 2011
Willkommen im Dezember. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat November musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 08.08.2012
Zwölf Zehner
Juli 2012
Willkommen im August. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juli musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 09.09.2013
Zwölf Zehner
August 2013
Willkommen im September. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat August musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 09.05.2014
Zwölf Zehner
April 2014
Willkommen im Mai. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat April musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 06.06.2012
Zwölf Zehner
Mai 2012
Willkommen im Juni. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Mai musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.