Music Interview | verfasst 09.06.2014
Lone
Wie im Traum
»Reality Testing«, Lones neues Album, gibt sich im Vergleich zum Vorgänger geerdet, die Verträumtheit aber ist geblieben. Tatsächlich war sie aber niemals präsenter als diesmal, wie er uns im Gespräch verriet.
Text Kristoffer Cornils , Fotos Mary Stamm-Clarke / © R&S Records
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Ein Träumer war Matt Cutler schon immer. Den ersten Lone-Alben haftete etwas Verschlafenes an. Rückblickend wirkt es beinahe, als habe der Brite damit schon den hypnagogischen Leisetretersound vorformuliert, der ein paar Jahre später durch die Blogosphäre spülen sollte. Der nostalgische Touch blieb ihm erhalten, die Produktionen von Lone nahmen im Laufe der Zeit vermehrt die Zukunft in Blick. Als hätte er im Gestern die Zauberformel für ein besseres Morgen gefunden, verpasste er dem Ravesound der Neunziger ein futuristisches Hochglanzfinish. »Reality Testing«, Lones sechstes Album, gibt sich im Vergleich zum Vorgänger »Galaxy Garden« geerdet, die Verträumtheit aber ist geblieben. Tatsächlich war sie niemals präsenter als diesmal, wie Matt Cutler uns im Gespräch verriet.

»Reality Testing« überrascht, da es anders klingt als die Alben zuvor. Was hat dich zu dem Richtungswechsel veranlasst?
Lone: Als ich mit »Galaxy Garden« fertig war, habe ich zuerst auf ähnliche Weise weitergemacht, war davon aber schnell gelangweilt. Nachdem das Album erschien, war mir klar, dass es das vorerst letzte in diesem Stil sein würde. Als ich etwas mehr Freizeit hatte und Ideen sammelte, fing ich wieder mit Skateboarden an, was ich als Teenager viel gemacht habe. Mir Skatevideos anzuschauen weckte viele Erinnerungen an die Musik von damals, den Hip Hop der Neunziger. Ich habe mir wie besessen alte Hip Hop-Platten angehört und begriff, dass viele House-Platten ähnlich produziert wurden, Samples vor allem aus dem Jazz-Bereich oft verwendet wurden. Das interessierte mich zunehmend und ich fing an, selbst Hip Hop- und House-Instrumentals zu produzieren, die auf dem Album gleichberechtigt nebeneinanderstehen sollten.

Du wirst im Pressetext mit den Worten zitiert, dass du »die Körnigkeit und den Schmutz« dieser Platten besonders magst. Was genau meinst du damit?
Lone: Ich liebe Hip Hop oder eigentlich jede Art von Musik am liebsten, wenn sie roh klingt. Bandsättigung, Verzerrung, so etwas in der Art. Unvollkommenheit im Allgemeinen. Der hochpolierte, saubere Kram liegt mir gar nicht. Ich mag Musik, die nicht perfekt klingt. Darauf habe ich es auch angelegt.

Wie hast du das auf »Reality Testing« umgesetzt?
Lone: Ich habe unter anderem mit der Kompression herumgespielt, Sachen auf Kassette aufgenommen oder sie im Raum gespielt und über ein Mikrofon neu aufgenommen. Es sollte klingen, als wärst du mit mir im Raum, während ich gerade an den Tracks arbeite. Die Körnigkeit war mir sehr wichtig, da sie auf dem letzten Album fehlte. Im Grunde ist »Reality Testing« eine Reaktion auf »Galaxy Garden«. Es ist nicht so glänzend und sauber, sondern geht in die entgegengesetzte Richtung.

Dazu hast du eine Menge Field Recordings, Samples und vor allem Spoken-Word-Passagen verwendet. Wo hast du die gefunden?
Lone: Vor allem online oder auf Videokassetten. Ein Part ist von einem Skateboarder aus New York namens Shawn Powers, ein anderer aus einem MTV-Interview mit Raekwon vom Wu-Tang Clan, das ich auf VHS hatte. Der Titel des Albums stand bereits und in dem Interview spricht er diesen fast wörtlich aus, das musste ich einfach für »Restless City« samplen! Es schien zu perfekt, um es nicht zu benutzen! Zumal der Wu-Tang Clan in Sachen Hip Hop wohl mein größter und frühester Einfluss sind. Der Gedanke, eines ihrer Mitglieder auf meinem Album zu haben, auch wenn es nur ein Sample aus einem Interview ist, gefiel mir zu gut… (lacht)

Ich liebe Hip Hop oder eigentlich jede Art von Musik am liebsten, wenn sie roh klingt. Bandsättigung, Verzerrung, so etwas in der Art. Unvollkommenheit im Allgemeinen. Ich mag Musik, die nicht perfekt klingt. « (Lone) Von »Restless City«, dem zweiten Stück, bis zum Schlusstrack »Cutched Under« sind immer wieder Stimmen zu hören, die über Träume und Realität sprechen. Hast du die bewusst als eine Art Narrativ arrangiert?
Lone: Ja, das sind kleine Hinweise oder aber Vorschläge, aus denen die Leute sich ableiten können, was sie wollen. Das Album ist voller Anspielungen auf Träume, vor allem luzide. Der Titel kommt von einer Technik, die es dir erlaubt, aus einem luziden Traum auszusteigen beziehungsweise zu überprüfen, ob du schläfst oder wach bist. Das passte ebenso zur magischen, träumerischen Atmosphäre meiner Musik wie auch zu meinem Anspruch, den Sound möglichst echt real zu lassen.

Was hat dein Interesse an dem Thema geweckt?
Lone: Das war immer schon da. Oft höre ich in meinen Träumen Musik oder habe Ideen für Tracks, kann sie aber nicht nachbilden, wenn ich wieder wach bin. Beim Schreiben des Albums hatte ich den Traum von einer Stadt, ähnlich wie New York. Heiß, verschwitzt, viel Verkehr, gleichzeitig erfüllt von glühender Energie, die durch die Straße rauschte – ein bizarres Bild. Wenn ich aber die Tracks höre, bringt mich das dorthin zurück. Wie die Tracks, ist das Bild ebenfalls ambivalent: Die Hektik einer Großstadt, die von Schönheit erfüllt ist.

Daraus wurde dann »Restless City«?
Lone: Ja, genau!

Rekonstruierst du auf dem Album also deine Träume?
Lone: In gewisser Weise schon. Natürlich kann niemand in meine Träume hineinschauen, aber ich kann ähnliche Bilder suggerieren. Was du daraus machst, bleibt natürlich dir überlassen. Mich würde es sehr interessieren, woran andere Leute denken, wenn sie diese Tracks hören. Der Gedanke, dass es etwas völlig anderes sein könnte, gefällt mir sehr.

Hast du luzides Träumen auch als Produktionstechnik verwendet, wie zum Beispiel Aphex Twin oder auch Aaron Funk mit seinem Projekt Last Step?
Lone: Nicht wirklich. Ich habe vier, fünf luzide Träume gehabt, aber das waren verrückte Erfahrungen, die keinen kreativen Einfluss auf mich ausübten. Meine Musik soll weniger konkrete Ideen als vielmehr Gefühle übermitteln. Zum Beispiel den Dämmerzustand, in dem du gleichzeitig halbwach und halb am Schlafen bist.

Was hatten denn deine luziden Träume zum Inhalt?
Lone: Der eindrücklichste liegt ein paar Jahre zurück. Ich träumte, dass ich bei jemandem aus meiner Schule zuhause sei. Obwohl ich mit der Person eigentlich nie gesprochen hatte, schlief ich mit ihr in einem Stockbett. Ich war im oberen und fragte mich, was ich da eigentlich mache und warum ich mit einer Person, die ich gar nicht kenne, in einem Zimmer schlafe. Dann dämmerte mir, dass ich mich in einem Traum befinden müsse und ich sprang mit einem Salto vom Bett. Als ich mitten in der Drehung plötzlich einfror und nicht weiterfiel, wurde mir dann endgültig klar, dass ich träumte. (lacht)

Hast du es denn bewusst darauf angelegt, luzide zu träumen?
Lone: In dem Fall schon. Ich war davon aber so geschockt, dass ich es nicht noch mal probiert habe. (lacht)

Der Titel der Platte lässt sich auch auf zwei Arten lesen. Was meinst du: Stellen wir die Realität oder die Realität uns auf die Probe?
Lone: Da bin ich nicht sicher. Ich denke ständig darüber nach, wie wir Realität auf der Zeitebene wahrnehmen. Ist Zeit kontinuierlich oder entsteht sie individuell durch unsere Erinnerungen? Jede Sekunde bewegen wir uns vorwärts und können das nur schwer mit unserer eingeschränkten Hirnkapazität und den fünf Sinnen verarbeiten. Oft frage ich mich, was wir dabei verpassen und wann wir anfangen, das Geschehen um uns herum einfach nur zu interpretieren. Womit wir wieder bei dem Album wären: Das dient als Tagebuch, in dem ich festhalte, was ich denke und fühle.

Das Album »Reality Testing« von Lone fidnest du bei hhv.de: 2LP.
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