Lone – »Wie ein zweites Paar Ohren«

15.07.2011
Foto:Valentin Menedetter
Jungle, Detroit Techno, Chicago House und HipHop: Das alles kann man in der Musik des Briten Lone wiederfinden. Valentin Menedetter sprach mit ihm über musikalische Vorlieben, das tägliche Brot und Freunde als schärfste Kritiker.

Begonnen hat bei Matt Cutler alles mit avancierten HipHop-Beats. Daraus entwickelte sich der Musiker aus Nottingham hin zu einen Dancefloor-orientierten Sound und erreichte schließlich ein Stadium in dem manche Kritiker ihn als Rave bezeichnen. Jungle, Detroit Techno, Chicago House und HipHop: Das alles kann man in der Musik von Lone wiederfinden. Mit seinem letzten Release, der Echolations EP, zollt er diesen musikalischen Wurzeln Respekt. Momentan arbeitet er an einem Album für das legendäre belgische Technolabel R&S Records. Valentin Menedetter sprach mit ihm über musikalische Vorlieben, das tägliche Brot und Freunde als schärfste Kritiker.

Wenn du dein Geschichte in der Musikwelt beschreiben müsstest, wie würde das klingen?
Lone: Ich habe Musik gemacht als ich sehr jung war – in meinen späten Teenagerjahren wurde mir das wichtiger und dann habe ich ein Album herausgebracht. Auf einem kleinen Label in Nottingham, wo ich herkomme. Von da ging alles los. Werkdiscs nahm mich unter Vertrag und machte ein zweites Album. Dann habe ich mein eigens Label gegründet und ein Album und ein paar andere Dinge herausgebracht. Jetzt bin ich bei R&S unter Vertrag. Es war eine verrückte Reise – vom Schlafzimmerproduzenten, der auf vielen verschiedenen Labels war, bis zum heutigen Tag. Nun, jetzt eben R&S und hier bleib ich auch.

Warst du immer von elektronischer Musik umgeben?
Lone: Ja, auf jeden Fall; seitdem ich Musik mag. Mir gefiel Hardcore und Jungle, das war die erste Musik, die ich mochte, mal abgesehen von Musik, die es in Computerspielen gab. Irgendwann kippte das Interesse in Hip Hop und elektronische Musik wie Aphex Twin und Boards of Canada. Ich wuchs mit den ganzen Sachen auf, die auf Warp herauskamen und dann mit Chicago House und Detroit Techno. Bands haben mich nie besonders begeistert.

Dein letzter Release auf R&S, Echolations ist eine sehr tanzbare Platte….
Lone: Ja, es ist definitiv ein Hinweis auf die Musik, die mich grundsätzlich inspiriert hat, die mir als erstes gefallen hat. Hardcore, Rave und House, die frühen Neunziger. Es ist wie ein Liebesbrief an all das. Es zeigt woher ich komme – die nächste Scheibe wird vielleicht ein wenig eigenartiger.

»Ich wuchs mit den ganzen Sachen auf, die auf Warp herauskamen und dann mit Chicago House und Detroit Techno. Bands haben mich nie besonders begeistert.« (Lone)

Vor allem wenn man auf R&S ist, mit so einer langen, bedeutungsvollen Geschichte. Es ist auch ein Hinweis darauf.

Was meinst du damit, wenn du sagst, dass deine nächste Platte vielleicht eigenartig wird?
Lone: Nicht unbedingt allzu eigenartig für mich, ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll… Ich arbeite momentan an dem Album für R&S; in letzter Zeit habe ich eher 12inches für die Clubs herausgebracht. Ich wollte Dance Music machen oder Musik die man in Clubs spielen kann. An ein Album gehe ich anders heran; ich möchte, dass man es sich zu Hause anhören kann. Es wird ziemlich anders klingen. Hoffentlich wird es bald draußen sein, damit man sich sein eigenes Bild machen kann.

Wie arbeitest du?
Lone: Früher habe ich mich hingesetzt, wenn ich eine Idee hatte, sogar mitten in der Nacht, ganz egal zu welcher Zeit. Jetzt lebe ich mit meiner Freundin und sie arbeitet tagsüber; an den Wochenenden spiele ich Gigs, eigentlich jedes Wochenende. Also reserviere ich ganze Tage der Woche. Ich stehe früh auf und setze mich einfach hin. An manchen Tagen sitze ich einfach nur da und habe keine Ahnung, was ich da eigentlich mache – es kommt mir keine Idee. An guten Tagen habe ich schon vorher eine Idee und ich setze mich dann hin, um sie zu realisieren.

Hat diese Arbeitsweise deine Produktion beeinflusst?
Lone: Schon (lacht), das hat schon was verändert. Das Gigs spielen hat es verändert, alles langsamer gemacht. Wenn ich nach Hause komme, dann schlafe ich recht viel. Am nächsten Tag fühle ich mich nicht sehr motiviert Musik zu machen. Es braucht eine Weile bis ich den Kopf wieder frei habe, um zu arbeiten. Die besten Ideen kommen, wenn ich mich vom Wochenende erholt habe.

Was machst du wenn du deinen Kopf freibekommen möchtest und ein wenig Auszeit zu haben?
Lone: Ich versuche durchzuarbeiten, sogar wenn nichts herauskommt, auch wenn kein Track am Ende steht. Es ist gut manchmal ein wenig herumzuspielen. Denn ich denke, je mehr Zeit du mit etwas verbringst, desto motivierter bist du dann. Es ist immer schrecklich, wenn ich mich am Montag in der Früh hinsetze und nicht weiß wie ich beginnen soll. Wenn man mehr Zeit damit verbringt, durchbricht man das und es wird einfacher je mehr Stunden verfliegen. Ich versuche auch Zeit mit meiner Freundin zu verbringen und mit meinen Freunden zu sein. Inspiration kommt von überall, von Freunden – sogar vom guten Wetter. Das hilft mir, es bewirkt, dass ich mich enthusiastischer fühle.

Wenn du nach Meinungen suchst, zu den Dingen an denen du arbeitest, an wen wendest du dich?
Lone: Ich schicke immer alles an Freunde. Wir sind so eng, dass sie beinahe wie ein zweites Paar Ohren sind. Wenn ich an etwas zweifele, kann ich mich immer an sie wenden. Meistens denken sie das gleiche, also muss ich mich nicht nur mit meinen eigenen Gedanken zufrieden geben.

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