Music Review | verfasst 19.09.2018
Denzel Curry
TA1300
Lom Vista, 2018
Text Nils Schlechtriemen
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Redaktion
Cover Denzel Curry - TA1300

Den Zerfall der US-amerikanischen Gesellschaft erlebt Denzel Curry schon als kleiner Knirps am eigenen Leib. Aufgewachsen in Carol City, im Süden Floridas, kommt er früh mit der hiesigen Rapszene in Kontakt – aber eben auch mit Dealern und Zuhältern, Mördern und Polizisten. Oft genug bleibt fraglich, wer was ist. Korrupte Cops und Dealer, die dich für ein iPhone abstechen, gibt es überall. Erlebnisse aus dieser Zeit, aber auch Einsichten eines Werdegangs zwischen Kunst und Kontrollverlust waren der Schleifstein für Currys Lyrics und machten sie vor dem Hintergrund ihrer sozialen Realität ebenso brachial wie scharfsinnig. Sein Debüt »Nostalgic 64« (2013) veröffentlicht er während der High School, ein Jahr nachdem Schulkamerad Trayvon Martin von einem Polizisten erschossen wurde und damit eine Protestwelle in den USA auslöste. 2014 stirbt sein Bruder an den körperlichen Folgen eines Angriffs durch einen Beamten, der ihn mit Taser und Pfefferspray niederstreckte, weil er angeblich einen aggressiven Hund mit Kokosnüssen bewarf. Polizeigewalt und Rassismus, Machtmissbrauch auf allen Ebenen und der Trancezustand einer ganzen Generation waren lange Tabuthemen, brodeln aber seit einigen Jahren ungefiltert an die Oberfläche. »TA1300« ist Zeugnis dieser Entwicklung und konnte so nur im Jahr 2018 erscheinen. Der amerikanische Traum zerplatzt nunmehr in Zeitlupe unter dem Druck der eigenen Widersprüche und wir sind live dabei – übers Fernsehen, über Twitter, den Feed. In Tracks wie »Cash Maniac« oder dem genialen »Sirens« mit seinen nostalgischen Hooks will Zel nicht nur derlei Missstände aufdecken und zynisch aburteilen. Er beobachtet den Untergang mit einer Mischung aus Entsetzen und Entzückung, nimmt in der Ambivalenz aber schon Bezug auf das was irgendwann sein könnte. Hier befreit er Trap Rap von seinem hedonistischen Muff, lüftet mit Conscious Hip-Hop und tiefen Memphis-Bässen ordentlich durch und staffiert alles mit einer kompromisslos üppigen Produktion aus. Beats vom Kaliber eines fast schon rituell pumpenden »Sumo«, brillante Features mit JPEGMAFIA und Zillakami in »Vengeance« aber auch seine schiere subversive Energie machen »TA1300« so zu einem mächtigen Statement in diesen unwirtlichen Zeiten.

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