Music Review | verfasst 16.09.2015
Leibniz & Credit 00
Basement Toolz Vol. II
Rat Life, 2015
Text Kristoffer Cornils
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.7
Redaktion
Cover Leibniz & Credit 00 - Basement Toolz Vol. II

Tools sind per Definition überhaupt nicht spannend, Tools sind wirksam. Ungefähr so wie Korn also, oder Speed, die beide ihre jeweiligen Kontexte und Zeiten haben (Stammtisch nach 22 Uhr, Westberlin Ende der siebziger Jahre) und darüber hinaus nun wirklich keinen Genussmehrwert oder eben Spannung mit sich bringen. Credit 00s »Basement Toolz Vol. I« war auf den ersten Blick genau so eine Platte: Rummsiger Hardware-Acid mit Bonus-Locked Grooves für den Club-, nicht aber Hausgebrauch. Der Clou allerdings war: Selbst nachdem das Wummern aus den Boxen dem in den Schläfen gewichen ist, knallte diese Platte immer noch. Auch um sieben Uhr morgens im vollgekotzten Nahverkehr, vielleicht sogar zur Tea Time im Bücherklub. Exzellente Tools nämlich machen, ungefähr wie Korn und Speed, nämlich irgendwann abhängig – mit dem Unterschied, dass die Folgen ungleich weniger zerstörerisch sind. Für den zweiten Teil seiner Plattenkofferbestückungsserie hat sich Credit 00 nun Leibniz mit an die Geräte geholt. Da der auf dem Flur selten Vier gerade sein lässt, fallen die »Basement Toolz Vol. II« dementsprechend rumpelig aus. Auf »Session Two« stellern sich Kick und Hi-Hats reihenweise gegenseitig Beine, während die Snare mit einem unfertig wirkenden Breakbeat vorbeizieht und sich langsam eine Acid-Bassline in das versprochene Kellerloch pumpt, dessen verschwitzt müffelnde Luft schon bald wieder von Satzfetzen und Wilhelm Scream-Soundalikes erfüllt ist. Erst ab Hälfte wird auf die Ausdauer des monotonen Grooves gesetzt. »Tom Toms« beschwört mit den titelgebenden bauchigen Drumsounds genau einen solchen und braucht fast wenig mehr als den Dialog zwischen dieser Tom und jener Tom, um bis an den Wahnsinn vorzudringen. Ein paar aufgekratzte Rave-Chords zum Schluss haben allerdings noch nie geschadet. Noch mehr Ausdauer legt mit »Trans Atlantic Futurism« die B-Seite an den Tag: Fast neuneinhalb Minuten lassen Credit 00 & Leibniz über einem straighten Techno-Beat mit stiernackiger Starrhalsigkeit die Hardware explodieren. Das böse Highlight einer Tool-Sammlung, die wie Korn die Motorik durcheinander und wie Speed die Muskulatur zum Zucken bringt. Fast unmöglich, davon genug zu kriegen.

Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 16.05.2014
Leibniz
Shtum 004
Der Leipziger Producer Leibniz zeichnet sich für den vierten Release vom Uncanny Valley Sublabel Shtum verantwortlich.
Music Porträt | verfasst 28.08.2014
Leibniz
Die bessere schlechte Art
Leibniz überzeugt derzeit mit Releases, die allesamt im Grenzbereich zwischen House und Techno herumstolpern, ohne sich wirklich einzupassen. Wir trafen den in Leipzig ansässigen Youngster zum Interview.
Music Review | verfasst 08.01.2015
Credit 00
Basement Toolz Vol. 1
Nach Credit 00s 12" »Basement Toolz Vol. 1«, kann der zweite Werkzeugkasten gar nicht schnell genug kommen.
Music Review | verfasst 06.04.2017
Credit 00
Game Over
Game-Sounds hat Credit 00 eine ganze Reihe verarbeitet, auch wenn »Game Over« in dieser Hinsicht kein Konzeptalbum geworden ist.
Music Review | verfasst 30.10.2012
Jacob Korn
You & Me
Jacob Korn ist das Aushängeschild der sächsischen House-Musik. »You & Me« bekräftigt das.
Music Review | verfasst 17.12.2013
Cuthead
Everlasting Sunday
House und Hip Hop laufen bei Cuthead seit Jahren nebeneinander. Keine große Sache. Auch nicht auf »Everlasting Sunday«.
Music Review
Lana del Ray
Blue Banisters
Nach »Chemtrails Over The Country Club« legt Lana Del Rey nach. »Blue Banisters« ist ein zur Musik gewordener Self-Care-Ratgeber.
Music Review
Bremer/McCoy
Natten
Jazz ist hip wie lange nicht mehr. Der Output ist groß. Mit »Natten« liefern die Dänen Bremer/McCoy einen großartigen Beittrag.
Music Review
Kuunatic
Gate Of Klüna
Das japanische Trio Kuunatic debütiert auf Glitterbeat mit »Gate of Klüna«, einem buchstäblich außerirdischem Psych-Rock-Meisterwerk.
Music Review
Quantic & Nidia Góngora
Almas Conctadas
Acht Jahre nach einer gemeinsamen EP intensivieren Nidia Góngora und Quantic ihre Zusammenarbeit mit dem Album »Almas Conctadas«.
Music Review
Various Artists
Shouts 2021 Vol.1&2
Mit »Shouts 2021« setzt das britische Label Rhythm Section International seinem Sound ein zweites Denkmal in Form einer Compilation.
Music Review
El Michels Affair
The Abominable EP
Mit »The Abominable EP« veröffentlichen El Michels Affair weitere Stücke aus den Sessions zu »Yeti Season«.
Music Review
Trip Shrubb
Trewwer, Leud Un Danz
Auf »Trewwer, Leud Un Danz« remixt sich Trip Shrubb durch eine Folkways-Platte von 1952. Mit beklemmendem Ergebnis.
Music Review
Jarvis Cocker
Chansons D'Ennui Tip-Top
Mit »Chansons D’Ennui Tip-Top« liefert Jarvis Cocker zwölf Cover von französischen Popsongs. Super langweilig und total schön.
Music Review
Dean Blunt
Black Metal 2
ist das Nonsens? Vertonung des Post-Everything? Der Tag der Apokylapse? Nein, es ist »Black Metal 2«, das neue Album von Dean Blunt.
Fashion Review
Parquet Courts
Sympathy For Life
Auf »Sympathy For Life«, dem neuen Album von Parquet Courts, wird der gute alte Rock zum Grooven gebracht.
Music Review
Grouper
Shade
»Shade« ist das zwöfte Album oder so von Grouper und die Frage lautet: Kann Liz Harris das Niveau der Vorgänger halten? Antwort: Sie kann.
Music Review
Ka Baird & Pekka Airaksinen
FRKWYS Volume 17: Hungry Shells
Auf »FRKWYS Volume 17: Hungry Shells« trifft die Stimmperformerin Ka Baird auf einen Toten: den finnischen Komponisten Pekka Airaksinen.
Music Review
Circuit Des Yeux
-io
Apokalpytische Metapher, schwarze Löcher: das neue Album »-io« von Circuit de Yeux ist erwartungsgemäß schwere Kost.
Music Review
Winter 2
Winter 2
Diffuses Gefühl des Verlorenseins: Winter 2 liefern mit ihrem Album »Winter 2« den Diskurs-Pop für das Jahr 2021.
Music Review
Viejas Raices
De Las Colonias Del Rio De La Plata
Wie für diese Gegenwart gemacht: »De Las Colonias Del Rio De La Plata« der argentinischen Band Viejas Raices von 1976 wurde neu aufgelegt.
Music Review
Warda
Khalik Hena
Das zuerst 1973 veröffentlicht »Khalik Hena« von Warda wurde nun via WeWantSounds zum ersten Mal seit damals wiederveröffentlicht,
Music Review
Maugli
Alba
Ein ganzer Fuhrpark an Instrumenten ist auf dem bei YNFND veröffentlichtem Debüt »Alba« von Maugli zu hören.
Music Review
MLO
Oumuamua
Virtual Dreams, die nächste: Music From Memory zollen dem Ambient-Duo MLO mit einer großen Zusammenstellung Tribut.
Music Review
Le Ren
Leftovers
»Leftovers«, das Debütalbum der kanadischen Sängerin und Songwriterin Le Ren, ist im besten Sinne provinziell.
Music Review
Hayden Thorpe
Moondust For My Diamond
Mit seinem zweiten Soloalbum »Moondust For My Diamond« verlässt der ehemalige Wild Beasts-Sänger Hayden Thorpe seine Isolation.
Music Review
Mac Miller
Faces
»Faces« sollte man hören, wenn man noch nie von Mac Miller gehört hat. Das Mixtape von 2014 ist nun auf Vinyl erschienen.
Music Review
Dos Santos
City Of Mirrors
Latin und Jazz kombiniert zu überzeugend unerwarteten Soings: Die amerikanische Band Dos Santos legt mit »City Of Mirrors« ihr Debüt vor.
Music Review
Efterklang
Windflowers
Ein Buschwindröschen im Eisblock: Selten hat ein Artwork die Musik einer Band besser symbolisiert als die von Efterklang auf »Windflowers«.
Music Review
Fennesz & Ryuichi Sakamoto
Cendre
»Cendre« von Fennesz & Ryuichi Sakamoto ist ein Album der fehlenden halben Sekunde. Jetzt wurde es erstmals auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Sepehr
Survivalism
Für »Survivalism« bedient sich Sepehr in der Trickkiste des Hardcore Continuums, erweitert den UK-Sound aber noch um andere Facetten.
Music Review
Stef Mendesidis
Klockworks 33
Erwartet toolig: Auf »Klockworks 33« zeigt uns der griechische Producer Stef Mendesidis, wo der Hammer hängt.
Music Review
Ash Ra Tempel
Schwingungen
Genau vor 50 Jahren veröffentlichten Ash Ra Tempel ihr Album »Schwingungen«. Zum Jubiläum wird es jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Akiko Yano
Ai Ga Nakucha Ne
»Ai Ga Nakucha Ne« von Akiko Yano erschien im Jahr 1982, wurde von Ryūichi Sakamoto produziert und bildet einen wilden Stilmix.
Music Review
The Pilotwings
Les Charismatiques
House, Rap, E-Gitarren, Cosmic, aberwitzige Samples: The Pilotwings holen mit »Les Charismatiques« zum Husarenstreich auf der Ulk-Skala aus.
Music Review
BadBadNotGood
Talk Memory
Nach fünf Jahren veröffentlichen die kanadischen Jazzer BadBadNotGood auf XL Recordings ihr neues Album »Talk Memory«.
Music Review
Tara Clerkin Trio
In Spring EP
Plötzlich voll da: Tara Clerkin Trio veröffentlicht die »In Spring EP« und bleiben eine der spannendsten, neuen Bands des Planeten.
Music Review
Xochimoki
Temple Of The New Sun
»Temple Of The New Sun« versammelt Stücke des Projekts Xochimoki, das in den 1980er-Jahren mesoamerikanische Musikformen neu interpretierte.
Music Review
Atmosphere
Word?
»Word?« korrigiert das Level, auf das sich Atmosphere in den letzten Jahren eingependelt haben, mal eben lässig nach oben.
Music Review
Soshi Takeda
Floating Mountains
Soshi Takeda vertont auf »Floating Mountains« für 100% Silk chinesische Gebirgslandschaften im Lo-Fi-House-Modus.
Music Review
Tony Allen
N.E.P.A. (Never Expect Power Always)
Auf dem 1984 veröffentlichten »N.E.P.A. (Never Expect Power Always)« addiert Tony Allen elektronische Elemente zu seinem Afrobeat.
Music Review
The Specials
Protest Songs 1924-2012
Die Wut ist nach innen gewandert: The Specials haben zwölf Protestlieder der letzten 100 Jahre für »Protest Songs 1924-2012« ausgesucht.
Music Review
Sault
NINE
»NINE« von Sault taucht alle Weißen in Salzsäure, schickt schöne Grüße aus den Stax Studios und hält eine Messe wie Yeezus.
Music Review
Cindytalk
Wappinschaw
Einmal begriffen, lebensverändernd: »Wappinschaw«, 1994 veröffentlichter Höhepunkt von Cindytalk, wurde jetzt wiederveröffentlicht..
Music Review
Various Artists
Eins Und Zwei Und Drei Und Vier
Kann eine Compilation über die Neue Deutsche Welle noch neue Einblicke ermöglichen? »Eins Und Zwei Und Drei Und Vier« zeigt, ja, das geht.
Music Review
Tirzah
Colourgrade
Tirzah meldet sich mit »Colourgrade« zurück. Die Themen haben sich verändert, die Qualität der Songs aber nicht. Und das ist gut so.
Music Review
Palmbomen II
Make A Film
Film ohne Musik ist möglich, aber sinnlos. Dachte sich Palmbomen II und entwarf mit »Make A Film« 24 Musikskizzen, die zum Filmen einladen.