Wir könnten hier schon wieder rumheulen, dass es schlimmer eigentlich nicht kommen könnte, auf der Welt und überhaupt und anderswo. Dann aber säßen wir womöglich nächstes Jahr zur selben Zeit bedröppelt an derselben Stelle und wüssten endgültig nicht mehr, was zu noch sagen wäre. Machen wir uns nichts vor: Musik hilft in Zeiten, in denen alles den Bach herunter zu gehen scheint. Diese abgewrackte Welt wird sie jedoch nicht retten. Trotzdem, und das sagen wir ganz trotzig: Geiler als in diesem Jahr klang sie schon lange nicht. Entgegen allem Kulturpessimismus bewegt sich dieser Teil der Welt zumindest weiter, differenziert sie sich immer mehr aus.
Ein Album aufzunehmen ist schon lange keine Geste der Verlegenheit mehr, es kommt immer einem Statement gleich: Nein, wir pumpen keine algorithmisch normschönen Einzeltracks in die Spotify-Playlists, sondern nehmen uns Zeit, konstruieren Erzählstränge oder toben uns mal richtig aus, weil wir Bock drauf haben. Das Album ist mittlerweile kein Format mehr, sondern ein Genre, das gemeistert werden will – und das gemeistert wird. Mindestens 50 mal in 2018, von Traditionalisten (Freddie Gibbs, Curren$y & The Alchemist oder Roc Marciano) ebenso wie von Rundumerneuerinnen (von Céline Gallian hin zu Jorja Smith). Der Trend geht zur Überlänge (siehe Autechre, Julia Holter, Lonnie Holley, Kilchhofer, Kamasi Washington, Vril oder Djrum), der Trend geht zur Ansage (siehe Cardi B, nochmal Lonnie Holley, Marie Davidson oder Tirza), der Trend geht zu wenn sonst nichts geht, darf alles gehen (siehe Max Graef, RAMZi oder eigentlich alle auf dieser langen Liste voller obskurer Schönheiten).
Macht uns das jetzt alle hoffnungsvoller für das kommende Jahr? Vielleicht nicht, ganz bestimmt sogar nicht. Aber warum denn auch? Die folgenden 50 Platten sind schließlich keine Beschwichtigungsversuche, sondern Statements gegen die Gesamtscheiße im Hier und Jetzt. Um morgen kümmern wir uns, wenn der Wecker wieder klingelt.
Die Top 50 Albums findest du auch [bei uns im Webshop](https://www.hhv.de/shop/de/jahresrueckblick-2018-top-50-albums-editor-s-choice/i:D2S12SP11438.)
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Hänger-Rap, Verweigerer-Rap, Rap für Menschen, die eigentlich mit Rap nichts mehr zu tun haben wollen. Finde ich prinzipiell als Habitus kacke, hier auf »Fetti« ist aber schon nach dem überragenden Opener klar, dass das Trio [Freddie Gibbs](https://www.hhv-mag.com/de/glossareintrag/335/freddie-gibbs,) Curren$y und Alchemist ein Rucksack-Album gemacht hat, das man nicht belächeln kann. Siehe auch: Roc Marciano. FA



New Yorks Teilzeit-Rapper/Vollzeit-Feuerwehrmann KA fand nach jahrelanger Selbstproduktion nun mit dem Producer Animoss (of Roc Marciano fame) als Hermit and the Recluse zusammen. KA rappt eigenwillig und einzigartig, sein Rapstyle erinnert an Spoken-Word-Künstler und Animoss‘ düster atmosphärische Beats bieten den passenden Nährboden für KAs kaltblütig poetische Delivery und seine messerscharfe Dichtung, die er auf diesem Projekt in den Mantel der griechischen Mythologie hüllt. Kein leichter Snack fürs Spotify-Playlist-Game, sondern ein Album, dessen Zauber sich nur in kompletter Spiellänge entfaltet und getrost als Meisterwerk, als »Film noir im Rapgewand« bezeichnet werden darf! BM













Man kann »Anticlines« locker beschreiben wie es ein Intellektueller tun würde, der viel gelernt hat, aber nie verständlich zu sprechen. Da ginge es dann um Tektonik, Metaphysik, Philosophie, Frequenzen und so Krams. Hier bleiben zum Glück aber nur wenige Zeichen. Zum Wohle aller hier also die Twitter-Review zu Lucrecia Dalts Album: Lucrecia Dalt spricht auf ihrem umwerfenden neuen Album. Sie dichtet über Atem und Haut und Grenzen bzw. keine. Sie tut das auf mühsamen Instrumentalen, die gurgeln und blubbern; die sich am Geröll entlang an die Oberfläche ächzen. Und nie dort sind. PK



Metro Boomin ist der wichtigste Rap-Produzent der letzten fünf Jahre, klar. Produzentenalben waren nach 1999 gefühlt alle für den Arsch, auch klar. Nicht klar: wie es möglich ist, dass 21 Savage in »Not All Heroes Were Capes« als 12. Mann reinstolpert und als MVP heraus trottet. Die Erklärung hat immer noch den besten Tag (pun intended) der Welt und wir 300 großartige Whisperflow-Memes mehr. FA















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