Robot Koch – No real dubstep

27.08.2012
John Peel beschreib seine Produktionen als »wundervolle und verrückte Pop-Musik aus der Zukunft«. Diese Woche erscheint nun mit »Cosmic Waves« eine neue EP des Wahl-Berliners Robot Koch. Wir nutzten das zu einem Gespräch.

Wenn man Robot Kochs Musik anfassen könnte, dann würde sie sich nach Metall anfühlen. Metall, über das jedoch etwas Organisches gewachsen ist, etwas wie Moos oder Holz. So beschreibt der Beatmaker aus Berlin selbst seinen Sound, mit dem er die ganze Welt bereist. Schon früh bescheinigte ihm Radiomoderator John Peel, der einst größte Musikkenner und -entdecker des Planeten, dass er »wundervolle und verrückte Pop-Musik aus der Zukunft« mache. Nach kommerziell erfolgreichen Hitproduktionen (Marterias »Verstrahlt«) sowie von Connaisseuren und Kritikern hochgelobten Solo-Veröffentlichungen auf Project: Mooncircle, soll 2013 sein Bandprojekt Robots Don‘t Sleep über Four Music erscheinen.

Amüsierst du dich, wenn Rezensenten sich mit gewagten X+Y+Z-Genre-Konstellationen bemühen, deine Musik zu beschreiben?
Robot Koch: Das sind teilweise gar nicht mal nur die Journalisten, die sich mit solchen Wortschlangen abmühen. Auch in den YouTube-Kommentaren zu »Death Star Droid« oder »Hard To Find« schlagen sich die Leute verbal die Köpfe ein. Da lese ich dann Begriffe, die ich selbst noch nie gehört habe. Oder wenn ein Skrillex-Fan schreibt: »That‘s no real Dubstep«, dann denke ich nur, schön, dass du das erkannt hast, nur schade, dass du denkst, es sollte so sein. (lacht) Eigentlich ist das total albern, dass die Leute sich um einen Namen für meine Musik streiten, denn ich persönlich bin überhaupt nicht der Typ für Kategorisierungen.

Gibt es Beschreibungen, die du besonders gut findest?
Robot Koch: Ja, es gibt auch richtig gute Beschreibungen meiner Musik wie »artifical intelligence discovering religion« von der BBC. Ein Cyborg, der etwas Spirituelles entdeckt, das ist einfach so geil treffend. Das ist ja genau das, was ich versuche zu machen, die Mischung aus musikalischen Traditionen, also handgemachter Musik, und aus futuristischem Denken, also einfach mal zwei Schritte weiter zu denken. Ich mag es, einen Synthie durch einen Gitarrenverstärker mit einem Raummikro aufzunehmen. Das ist nicht ganz so clean wie Plugin-Sounds. So wie bei Skrillex, immer mit maximaler Pressure? Von mir aus, aber das ist so aalglatt und so »Plastik«.

Du hast mal gesagt, dass intuitives Arbeiten für dich auch der Fehler bedarf. Was war der größte Fehler, der je zu einem guten Song wurde?
Robot Koch: Das war ein Song, der nie veröffentlicht wurde, der mich aber auf eine geile Idee gebracht. Und zwar hatte ich früher einen ganz alten Rechner, der beim Öffnen von zu viel Plugins mal ins Stottern kam. Ich habe diesen Computerabsturz über Line-Out auf einer rauschigen Kassette festgehalten und später das Ganze wieder gesampelt und die geilen Stellen rausgeschnitten. Das ist die Geburtsstunde einer Technik von mir geworden. Ich spiele noch heute eine halbe Stunde an einem Analog-Synthie rum, bis ich überhaupt nicht mehr weiß, was ich da gemacht habe. Das nehme ich auf und dann schneide ich mir die Momente raus, die ich gut fand und fange neu an, mit denen zu arbeiten. Zufall eigentlich.

Ist der Zufall so wichtig wie Fehler?
Robot Koch: Der Zufall oder das Schicksal oder das Glück – das ist für mich alles der gleiche Kosmos. Es ist eine große Macht und für jeden Künstler einfach unsagbar wichtig. Manche Leute klopfen sich selbst zu oft auf die Schulter, wenn sie erfolgreich sind. Talent und harte Arbeit sind sicherlich wichtig, aber wer Erfolg hatte, hatte immer auch Glück.

»Ich glaube an den Zufall, an das Glück, als unschätzbare Macht, aber mich darauf zu verlassen, wäre mir zu krass.« (Robot Koch)

Twit One erzählte mir, dass für seine Musik der Zufall tatsächlich alles sei und er sich in seinem Arbeitsprozess mittlerweile sogar komplett darauf verlasse.
Robot Koch: Dass der Zufall alles ist, würde ich sofort unterschreiben. Aber sich darauf zu verlassen, setzt viel Geduld und Vertrauen voraus. Ich wünschte, ich hätte das. Ich glaube an den Zufall, an das Glück, als unschätzbare Macht, aber mich darauf zu verlassen, wäre mir zu krass. Dazu bin ich zu skeptisch. Ich weiß intuitiv schon, dass alles gut werden wird, aber ich mache mir manchmal zu viele Sorgen. Andererseits, würde ich mich auf den Zufall verlassen können, würde das auch eine Entspanntheit in mein Arbeiten bringen, die mir gar nicht gut tun würde. Du beschreibst dich selbst als Soundsammler, hast du immer was zum Aufnehmen dabei?
Robot Koch: Prinzipiell schon.

Hast du heute schon was aufgenommen? Ist dir ein cooler Sound über den Weg gelaufen?
Robot Koch: Ich habe tatsächlich heute was aufgenommen. Aber im Studio, mit Plastikflaschen. Damit kannst du echt geile Bassdrums machen. Stopp mich, wenn ich zu Tech-Talk-mäßig werde. Aber wenn du ein wenig Wasser in der Flasche lässt und mit einer anderen Flasche vor dem Mikro dagegen schlägst, dann machen die Wellen darin einen Sound. Das Signal ist dann erst einmal nicht besonders intensiv, aber wenn du es extrem komprimierst und runterpitchtst, dann hast du so einen extrem tiefen Schluck Wasser mit einer fetten Druckwelle.

Welche Rolle spielt der »Hard To Find«-Beat in deiner Karriere?
Robot Koch: Das ist tatsächlich eines der am wenigsten erwarteten und überraschendsten Stücke überhaupt für mich. Das ist an nur einem Nachmittag entstanden Es ist unglaublich populär und hat mehr Plays als alle meine anderen. Er hat irgendeine Magie an sich, sodass Leute aus völlig fremden Genres auf mich aufmerksam werden und Remixe anfragen. Ich kann es aber nicht entschlüsseln, was dieser Beat hat. Aber ich finde es auch geil, dass ich das nicht kann. Ich nehme es einfach so an wie es ist. Anfangs wollte ich ihn gar nicht benutzen, weil er irgendwie nicht so richtig reingepasst hat, er war nicht progressiv, nicht edgy, nicht was-weiß-ich genug. Aber dann habe ich ihn mit aufs Album genommen und er ging sofort los.

Wo stündest du als Musiker ohne das Internet und Social Media?
Robot Koch: Oh, gute Frage, wahrscheinlich längst nicht da, wo ich heute stehe. Ich wäre wahrscheinlich nur Hobby-Musiker. Aber ich würde deshalb nicht gleich aufhören, Musik zu machen. Das Internet ist sehr demokratisch und ermöglicht jedem bekannt zu werden, aber ich weiß nicht, ob das für junge Künstler immer cool ist, ständigen Zugriff auf den gesamten Backkatalog der Musikhistorie zu haben.

Wie würde deine Musik denn klingen ohne das Internet?
Robot Koch: Also auch ohne das ich andere Musik checken könnte? Ich würde vermutlich die Plattenläden abklappern und nach Inspirationen suchen. Den Gatekeeper Plattenladenbesitzer gibt es ja heute nicht mehr, der dir dann bestimmte Sachen empfiehlt. Ich habe manchmal das Gefühl, dass dieser Übereinfluss von Infos mich sogar lähmt. Also jetzt wirklich ganz hypothetisch gesagt, vielleicht klänge meine Musik ohne das Internet sogar besser. Die besten Ideen kommen aus mir raus, wenn ich mal an einem Wochenende meine Mutter besuche, die in der Nähe eines Waldes wohnt. Wenn ich dann spazieren gehe, lösen sich total viele Ideen. Und wenn ich dann zurück bin, setze ich mich an meinen Rechner und haue ein Ding nach dem anderen raus.

Aber man kann sich dem Internet und der Musikhistorie heutzutage kaum noch entziehen. Dazu passt deine eigene Beschreibung der heutigen Musik aus einem anderen Interview: »Recombination is the key«.
Robot Koch: Ja, ich glaube, dass du heutzutage nichts mehr neu erfinden kannst, weil alles schon gemacht wurde. Das, was noch innovativ sein kann, ist die Neukombination der vorhandenen Puzzle-Teile. Das sind die Momente, die dann als clever oder fresh empfunden werden.

Wenn es dir schon versagt bleiben wird, ein neues Genre zu erfinden, welches hättest du denn gerne erfunden?
Robot Koch: (überlegt) Ich glaube den Blues. (lacht)

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