Teengirl Fantasy – Dem eigenen Sound auf die Pelle gerückt

10.10.2012
Foto:Malte Seidel
Zwei Jahre nach ihrem gefeierten Debüt »7 AM« sind Nick Weiss und Logan Takahashiaka zurück mit ihrem neuen Werk »Tracer« und haben mit Panda Bear, Laurel Halo, Romanthony sowie Kelela gleich eine ganze Reihe Gäste im Gepäck.

Als vor zwei Jahren mit »7AM« das Debüt von Teengirl Fantasy erschien, ernteten der Brooklyner Nick Weiss und Logan Takahashiaka v.a. für ihre Grenzgängerschaft irgendwo zwischen einer Chill Wave-Variante von House und einer sehr poppigen Variante von Techno Lob und Anerkennung. Diese Durchlässigkeit und mitreißende Dynamik erzeugten sie damals vor allem durch die langen Sample-Schleifen, die fast ausnahmslos dem Soul der Siebziger entliehen waren. Auf ihrem neuen Werk »Tracer« ist insofern einiges anders, da der Einsatz von Samples beinahe eingestellt wurde und stattdessen mit Panda Bear, Laurel Halo, Romanthony sowie Kelela gleich eine ganze Riege von Vokalisten ihre Tracks stützen. Diese lyrische Dimension der Platte überließen sie dabei vollständig ihren Gästen. »Wir haben Panda Bear ein Instrumental geschickt und er hat uns später einen Song zurück geschickt. Mit Anthony war es ähnlich. Wir gaben ihm zwei Tracks und er gab uns zwei Ideen, von denen wir eine wählten, die er jedoch bereits aufgenommen hatte.« Dem gesteuerten Einsatz von Samples folgen nun also eine Reihe von Kollaborationen, die den organischen Sound von Teengirl Fantasy beinahe noch besser ergänzen und – obwohl die Vocals beinahe ohne ihr Zutun entstanden sind – die Handschrift ihres Sound klaren herausarbeiten denn je.

»Wir hatten nie einen konzeptionellen Startpunkt, wir haben einfach angefangen Musik zu machen.« (Logan Takahashiaka)

Die Suche nach der Balance zwischen der Starre von Samplern und Quantisierern und einem menschlichen organischen Sound durchzieht all ihre Tracks und insbesondere ihre Absage an Loop- oder Clipästhetiken ermöglicht diesen fließenden, groovenden Sound, den sie schon auf Cheaters, dem Kernstück ihres Debüts, eindrucksvoll umsetzten. »An einem bestimmten Punkt in der Musikgeschichte begann alles sehr sehr stark quantisiert zu werden und ich denke, da wir unsere Musik immer live spielen, auch wenn wir aufnehmen, klingt es am Ende wirklich anders als wenn wir nur verschiedene Loops kombinieren würden. Ein Großteil elektronischer Musik entsteht ja so«. Diese Absage an eine Ableton-Ästhetik, wie sie sich in weiten Teilen der elektronischen Landschaft durchgesetzt hat, mag auch der Lust an der gemeinsamen Performance geschuldet sein. »Wir sind beide mit akustischen Instrumenten aufgewachsen. Nick spielt Klavier und ich habe meine gesamte Kindheit Violine gelernt. Ich bin sicher, dass diese Einflüsse die Art wie wir miteinander spielen und die Sehnsucht nach diesem Live-Gefühl bestimmen.«

Und trotz der Fülle an Referenzen, die man ihnen in den vergangenen Jahren anzuhängen versucht hat, verwehren sich Teengirl Fantasy einem konzeptionellen Anspruch: »Wir hatten nie einen konzeptionellen Startpunkt, wir haben einfach angefangen Musik zu machen.« Und Nick ergänzt: »Wir sind definitiv von Komposition beeinflusst, aber nicht im Sinne von Neuer Musik oder neuer klassischer Musik, sondern stets von Techno und Pop. Alles ist ohnehin voneinander abhängig und es gibt sicherlich Elemente neuer klassischer Musik, die man im Techno lesen könnte, aber wir sind keine Avantgarde. Ich meine, vielleicht werden wir in diese Richtung gehen. In jedem Fall mag ich solche Ansätze, aber sobald es zu konzeptionell wird… ich weiß nicht… ich bevorzuge dann einfach tonale Sachen.« Und so tauchen sie mit »Tracer« zwar in neue Welten ein, wie etwa den Einsatz einer ganzen Reihe digitaler Synthesizer aus den 1990er Jahren und eben jenen Kollaborationen, die den Sound der Platte bestimmen – bleiben aber ihrem eingeschlagenen Sound des Debüts treu – oder sind ihm vielleicht noch ein Stück näher gerückt.