Review

Anchorsong

Chapters

Tru Thoughts • 2012

Jede Woche die gleiche Nummer: Zwischen Rechnungen, der neuen Karte vom Pizzadienst und der freundlichen Aufforderung, doch bitte an irgendeiner Bürgerversammlung teilzunehmen, findet sich ein Briefumschlag mit der nächsten Sensation, dem nächsten Beatschmied, der elektronische Musik revolutioniert. Hinzu kommen dann mutige Vergleiche mit Bonobo, Flying Lotus oder Burial. Und so hirnrissig die Vergleiche, so schnell ist die Platte auch wieder vergessen. Denn die Halbwertszeit der meisten dieser Dinger ist knapp bemessen. Und Anchorsong? Der in Japan geborene und nun in London lebende Künstler reiht sich weder in den Olymp noch in die Tonne ein. Denn dafür besitzt sein Debüt »Chapters« zu viel oder zu wenig Qualität, je nachdem von welcher Seite man die Sache sehen mag. »Plum Rain« lässt vereinzelt ein paar Effekte auf den Rhythmus runter, doch das Thema des Tracks rutscht deswegen nicht ins Abseits. Ein paar Streicher ziehen »Before The Apple Falls« gefühlsmäßig ein wenig runter, trotzdem pumpt die Seele des Songs durch die Beats. Und der Synthie darf sich in bekanntem Muster vor »At The Hyatt« aufbauen. Eigenheiten füllen die wenigen Lücken, die der Sound zulässt – ansonsten ist viel auch einfach schon bekannt. Doch der große Unterschied bei Anchorsong bleibt, dass er auch mal eine Platte liefern könnte, die nicht nur ein wenig über dem Durchschnitt im Genre liegt, sondern die endlich mal eine andere Nummer präsentiert.