Jubiläen. Tolle Sache. Da wird man ein halbes Jahrhundert, äh, jung, und die Leute glotzen wieder nur auf schwarze Scheiben, die gar keine Schallplatten sind, sondern Telefone, und drücken ständig auf Wischen. Gary Bartz hat mal bei uns gesagt, dass wir die Realität gar nicht mehr sehen. Recht hat der Mann. Wir gucken ja wirklich dauernd ins Glas. Stundenlang. Aber manchmal reißt uns was raus. Beispiel: Ju Ju Man, diese Platte, 50 Jahre alt. Eigentlich kein Alter, Gary reißt nämlich das Fenster auf und lüftet durch, das heißt: Er presst die Lippen an den Schwan und rotzt diese wahnsinnige Siebziger-Jahre-Wahrheit raus. Wieso auch höflich vorspielen, wenn man das Altsaxofon auch direkt durchs Trommelfell in die Gegenwart reinstopfen kann. Wie das vor 50 Jahren geklungen haben muss, man darf sich das gar nicht vorstellen. Gary, der ja aus den Bands von Miles und McCoy explodierte, hatte jedenfalls eine ziemliche Wut. Und die peitscht uns hier mit Post-Bop-Schärfe entgegen. Wie gesagt. Jubiläen, ganz tolle Sache.

Ju Ju Man
