Bei Melodie, dem neuen Album der US-amerikanischen Indie-Pop-Band Slow Pulp, stellt sich weniger die Frage, ob hier ein unerwarteter Schritt ins Unbekannte gewagt oder gar eine neue Schaffensphase eingeläutet wird. Entscheidend ist vielmehr, dass Slow Pulp erneut genau das liefern, was man von ihnen hören will: ultra-catchigen Indie-Pop, der von einer aneckenden Mischung aus Rohheit und Zugänglichkeit lebt und dabei enorm viel Freude bereitet. Denn: Jeder. Song. Ist. Ein. Hit.
Der Albumtitel ist entsprechend clever gewählt. Es sind die Melodien, die hier letztlich zählen – die fetten Hooks. Nicht der Sound, nicht die instrumentalen oder gesanglichen Fähigkeiten, nicht einmal die Texte stehen im Vordergrund. Es geht um Songs. Melodien. Dabei versteht es sich keineswegs von selbst, dass auch die Performances und Lyrics derart gelungen sind. Ist aber so. Die Produktion glänzt, und man muss sich keineswegs erst in diese Platte hineinarbeiten: Man ist sofort drin. Vor allem Frontfrau Emily Massey klingt selbstbewusster denn je. Sie scheint sich dabei weniger an alten Indie-Legenden als an Popstars orientieren zu wollen – ein kleiner Schritt nach vorn.
Melodie lässt sich deshalb durchaus als kleiner Level-up-Moment für Slow Pulp verstehen. Nicht, weil die Band plötzlich etwas völlig Neues ausprobiert oder sich eine zeitgeistige Narrative überstülpt. Slow Pulp sind keine Band, die unbedingt den Sound der Gegenwart kommentieren muss. Melodie ist schlichtweg eine etwas glänzendere Version dessen, was diese Band ohnehin schon verdammt gut kann.

Melodie Opaque Blue Vinyl Edition