Gefühlige Ambient-Musik, zu der man aus dem Zugfenster schauen kann und sich nicht vorkommt, als führe man nach einer Trennung gen Single-Dasein: absolute Königsdisziplin. Das Tokyo Bedroom Orchestra, der Name legt gewissermaßen schon nahe, dass es sich hier um ein Soloprojekt handelt, beherrscht sie. Hiro Nakamura scheint seinen Blick spielerisch auf dritte Orte zu richten, und auf Übergänge, von fest zu flüssig, von Wasser zu Land, von Realität zu Traum. »Tsuioku« bedeutet »Erinnerung« oder »Rückbesinnung«.
Das Album mutet mit seiner Mischung aus hallender Electronica im oberen Frequenzbereich und organischen Instrumenten an, als löse sich ein Erlebtes auf und zerfleddere zu Fetzen, die nicht mehr so recht zueinanderpassen mögen. Die Platte springt, lights are on, but nobody’s home, 36 Minuten komatöser Wachzustand voller diffuser Lichtreflektionen und von Kondensstreifen getrübtem Himmelblau, kurze Wege zum Glück. Nakamura zieht seine Musik nicht streng kompositorisch auf, sondern lässt Raum für happy little accidents, wie sie Malerei-Müßiggänger Bob Ross genannt hätte. Das Bimmeln zarter Glöckchen, das Vegetieren der Tracks in alle Richtungen wie ein wilder und doch anmutiger Garten – in besten Momenten der Glückseligkeit erinnert Tsuioku an Oren Ambarchis Grapes From The Estate. Wo jenes mit Drones Konzentration verlangt, lässt Nakamura mehr Naivität zu. Gerade so viel, dass es nicht schadet.

Tsuioku