Das ist eine der vielen Platten, die man wohl leicht übersehen oder -hören könnte. Erst recht, wenn einem das Projekt Entidad Animada aus Buenos Aires bisher nichts sagte. Dabei hat schon das Cover mit seinem Kakteenfoto etwas auf schrullige Weise Ansprechendes. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Musik.
Was sich in diesen sechs Nummern über eine gute halbe Stunde lang abspielt, hat sehr viel mit dem kollisionsfreien Schweben von Ambient gemein. Man sollte es aber besser nicht zum inneren Abhaken nutzen. Denn obwohl sich die Klänge zugewandt geben, den Ohren gern als leicht in sich gekehrte Synthesizermelodien mit moderater Obertongestaltung entgegentreten, entpuppt sich dieser Ansatz trotz geringer Zugangsschwellen als weit abenteuerlustiger, als die Zutaten zunächst vermuten lassen.
Entidad Animada baut seine Versuchsanordnungen zwar im weitesten Sinn offen, gestattet jedoch auch Raum für abweichende Details, die weniger klar ins Konzept zu passen scheinen. Drones, deren eigentlich ruhende Frequenz zwischendurch immer mal wieder ausrutscht, oder überhaupt Töne, die hin und wieder als Glissandi etwa aus der Reihe tanzen. Das ist kein spektakulärer Auftritt, sondern ein still-freundlich verwirrender. Neugier wird dafür umso mehr belohnt.

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