Music Review | verfasst 19.06.2012
Odd Future
OF Tape Vol. 2
Sony Music, 2012
Text Carlos Steurer , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
7.0
Nutzer (1)
7.0
Redaktion
Cover Odd Future - OF Tape Vol. 2

Ja, es ist lustig, sich selbst in der Intro als »dusty ass motherfuckers«, »bitch ass with nappy ass hair«, »ugly as fuck« und »dirty fatass« zu bezeichnen. Aber wie erklärt man den Feuilletonisten bitte, das, was »gay ass« Sid mit ihrer »clit on other bitches nipples and shit whatnot« dann so macht? Am besten gar nicht, denn Odd Future wollten nie herhalten als Sprachrohr ihrer Generation und das machen sie mit »The OF Tape Vol. 2« nochmals nachdrücklich deutlich. Viel lieber sehen sie sich als autistische Wunderkinder die nicht erwachsen werden können (»We Got Bitches«). Aber war da nicht was – der talentierteste, Earl, verschwand mehr oder weniger freiwillig in einem Boot Camp in Samoa, der schönste, Frank, revolutionierte kurzerhand R’n’B, eröffnet heute für Coldplay und der verrückteste, Tyler, brachte einen »Goblin« zur Welt. Es fällt ihnen sichtlich schwer die kantige Attitüde, die längst nicht so begrenzt und vorhersehbar ist, wie ihnen das oft vorgeworfen wird, musikalisch zu einem quasi Label-Sampler (und man weiß, was das im HipHop zu bedeuten hat) zu bündeln. Am besten gelingt das, wenn Hodgy Beats rappt (»Rella«, »Real Bitch«), Frank Ocean singt (»White«) oder Tylers seine Beats so klingen lässt, als würde ein junger Pharrel Pete Rock biten (»Oldie«). Das N.E.R.D.-ige »Ya Know« von Syds und Matt Martians unterschätztem The Internet-Projekt lässt zudem erahnen, wie eng der Skaterclique das Tumblr-Korsett schon sitzt. Als OFWGKTA Werkschau mag »The OF Tape Vol. 2« funktionieren, wenn man aber wie beim Vorgänger die besten Songs sowieso noch auf Solo-Projekten platziert, ist das alles relativ witzlos.

Das Album “»OF Tape Vol.2« von Odd Future”: 279820 findest du bei hhv.de: CD Mehr Musik von Odd Future findest du hier
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 11.05.2011
Tyler, The Creator
Goblin
Der wütende Jüngling im Glück zerreißt auf seinem Album jegliche vom Hype entstandene Fesseln. Ein furioses Rap-Album!
Music Review | verfasst 27.08.2013
Earl Sweatshirt
Doris
Rap-technisch und textlich klingt »Doris« nach einer Großtat. Musikalisch nach Waschmaschine.
Music Bericht | verfasst 09.05.2011
Odd Future Wolf Gang Kill Them All
Live am 6.5. im Cassiopeia in Berlin
Tyler, the Creator und seine Jungs von Odd Future Wolf Gang Kill Them All haben am Freitagabend zu einem HipHop-Konzert der etwas anderen Art geladen. Chaos und Anarchie gab’s, aber der Club wurde stehen gelassen.
Music Bericht | verfasst 23.08.2011
Hip Hop Kemp 2011
Tradition statt Stagnation
Das größte Hip Hop Festival Europas feierte letzte Woche vier Tage lang sein zehnjähriges Bestehen. Das Line Up versprach nicht viel Neues, barg aber doch einige Überraschungen. In Tschechien ist halt einiges anders.
Music Bericht | verfasst 21.08.2012
Odd Future Wolf Gang Kill Them All
Live am 20.8. im Huxleys in Berlin
Mit ihrer Show zeigte das Hip Hop-Kollektiv aus L.A., dass wenn man sich selbst unterhalten fühlt, kann man auch das Publikum gut unterhalten. Der Wahnsinn hat dabei System und ist unaufhaltsam. Das Chaos ist das alles verbindende Prinzip.
Music Liste | verfasst 10.07.2017
Halbjahresrückblick 2017
Best Hip-Hop so far
Das Jahr ist noch halb leer, aber schon vollgepackt mit super Releases. Wir haben grob in vier Genres aufgeteilt, je 20 Platten. Hier unsere Lieblinge aus dem Bereich Hip Hop. Von Migos bis Freundeskreis.
Music Review | verfasst 01.06.2007
Zeph & Azeem
Rise Up
Auf Zephs abwechslungsreichen Instrumentals macht Azeems Zunge Yoga: das Debüt des Duos aus San Francisco macht Spaß.
Music Review | verfasst 03.04.2007
DJ Vadim
The Soundcatcher
Das fünfte Album des nimmermüden DJ Vadim ist einmal mehr ganz großes Kino.
Music Review
The Wooden Glass & Billy Wooten
Live
Gelinde gesagt, der Hammer: Das 1972 aufgenommene »Live« von The Wooden Glass und Billy Wooten ist jetzt wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Art Blakey And The Jazz Messengers
Chippin In
“»Chippin In«, die letzte Aufnahme von Art Blakey and his The Jazz Messengers von 1990 ist bei Tidal Waves wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Robag Wruhme
Speicher 117
So langsam bitten die DJs wieder zum Tanz: Robag Wruhme stapft mit »Speicher 117« in Siebenmeilenstiefeln Richtung Floor.
Music Review
Leslie Winer
When I Hit You You'll Feel It
Mit »When I Hit You You’ll Feel It« wird das aufregende musikalische Werk der Künstlerin Leslie Winer endlich ausgiebig gewürdigt.
Music Review
TORRES
Thirstier
Mit ihrem fünften Album »Thirstier« sucht die große Geschichtenerzählerin TORRES die großen Emotionen.
Music Review
Hiroshi Suzuki
Cat
»Cat« des japanischen Posaunisten Hiroshi Suzuki genießt einen fast kultischen Status unter Sammlern. Jetzt wurde es wiederveröffentlicht.
Music Review
MKS
Musical Keyboard System
MKS, »Musical Keyboard System«, hieß das kurzlebige Projekt des Franzosen Nicolas Aubard. Vier Tracks wurden jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Orgōne
Moonshadows
»Moonshadows«, das dreizehnte Album der kalifornischen Funkband Orgōne, setzt soliden Kurs in Richtung tänzerischer Seligkeit.
Music Review
Anika
Change
Anika hat mit »Change« ihr zweites Album, das erste seit elf Jahren, veröffentlicht. Doch was hat sich verändert?
Music Review
Various Artists
And Felt Like…
Die Compilation »And Felt Like…« ist ein neuerlicher Höhepunkt in der Labelhistorie von Knekelhuis.
Music Review
Bluestaeb
Giseke
Entschleunigung bestimmt den Vibe von »Giseke«, dem auf Jakarta erschienenen, neuen Album des Berliner Beatmakers Giseke.
Music Review
Skyzoo
All The Brilliant Things
Immer präzise: Der New Yorker Rapper Skyzoo hat mit »All The Brilliant Things« ein neues Album auf Mello Music Group veröffentlicht.
Music Review
Emma-Jean Thackray
Yellow
»Yellow«, das Debüt der vielumjubelten Trompterin Emma-Jean Thackray, ist jetzt erschienen und es hievt ihren Sound auf ein neues Level.
Music Review
The Same
Sync Or Swim
Die vermeintlich so exakt vermessenen 1980er Jahre müssen doch um den Baustein »Sync Or Swim« von The Same aus dem Jahr 1981 ergänzt werden.
Music Review
Mário Rui Silva
Stories From Another Time 1982-1988
»Stories From Another Time 1982-1988« bündelt Songs mit spröder Lässigkeit des aus Angola stammenden Gitarristen Mário Rui Silva.
Music Review
Sylvia
Sweet Stuff
Sylvia Robinson hat Hip-Hop auf die Sprünge geholfen und selbst Musik gemacht. Ihr Album »Sweet Stuff« wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
µ-Ziq
Scurlage
Memento mori auf verschroben: Einiges ist neu auf »Scurlage«, dem ersten Album von Mike Paradinas alias µ-Ziq seit acht Jahren.
Music Review
soFa, Houschyar & Okay Temiz
Şelale
Treffen sich ein Belgier, ein Deutscher und ein Türke… was anfängt wie ein schlechter Witz ist in Wirklichkeit einfach gute Musik.
Music Review
Jim Jones & Harry Fraud
The Fraud Department
Unaffektiert produziert und unvermittelt gesellschaftspolitisch: »The Fraud Department« von Jim Jones & Harry Fraud ist eine Überraschung.
Music Review
Sandro Brugnolini
Utopia
Großes Kino, auch ohne Film: Sonor Music Editions legt eine Neuauflage von »Utopia« des italienischen Komponisten Sandro Brugnolini vor.
Music Review
Patrice Rushen
Straight from the Heart
Mehr als »Men In Black«: Patrice Rushen definierte auf »Straight From The Heart« von 1982 den R&B, wie wir ihn heute kennen.
Music Review
Darkside
Spiral
»Spiral«, das zweite Album von Darkside, massiert die Seele dort, wo andere Musik heutzutage gar nicht mehr hinkommt.
Music Review
Koreless
Agor
Ganze 10 Jahre hat der walisische Produzent Koreless an seinem Debüt gefeilt. Jetzt ist »Agor« bei XL Recordings erschienen.
Music Review
Various Artists
UK Electronics 1988-1994
Arg geile Tracks hier: Die Compilation »UK Electronics 1988-1994« fast das beste vom raresten der elektronischen Underground-Szene zusammen.
Music Review
Damon Locks & Black Monument Ensemble
Now (Forever Momentary Space)
Damon Locks hat das Black Monument Ensemble um sich geschart und mit »Now (Forever Momentary Space)« ein, ja politisches, Statement gesetzt.
Music Review
Somachrome
Electro Romantica
Kurbelt die Seitenfenster runter: »Electro Romantica« von Somachrome serviert die neapolitanische Prise Meeresluft dieses Sommers.
Music Review
Various Artists
Naya Beat Vol.1
Turbotito und Ragz haben für »Naya Beat Vol.1« Tracks aus Südostasien zusammengestellt. Highlights gibt es einige.
Music Review
Manzanita Y Su Conjunto
Trujillo, Peru 1971-74
Der Gitarrist Manzanita ist außerhalb Perus weiterhin unbekannt. Dank »Trujillo, Peru 1971-74« kann seine Musik jetzt neu entdeckt werden.
Music Review
Various Artists
Planet Love: Early Transmissions 1990-95
Die Compilation »Planet Love: Early Transmissions 1990-95« beleuchtet die internationale Trance-Szene zu Beginn der 1990er Jahre.
Music Review
Fehler Kuti
Professional People
»Professional People«, das zweite Album von Fehler Kuti, ist keine identitätspolitische Feel-Good-Platte geworden.
Music Review
LNS & DJ Sotofett
Sputters
LNS und DJ Sotofett verneigen sich auf »Sputters« vor ihren Vorbildern und überführen deren Sounds gleichermaßen in die Gegenwart.
Music Review
Sven Wunder
Natura Morta
Sven Wunder ist das Phantom des organischen Grooves. Sein neues Album »Natura Morta« verrät nichts über den Urheber. Ist aber wieder toll.
Music Review
Derya Yıldırım & Grup Şimşek
Dost 1
Derya Yıldırım & Grup Şimşek veröffentlichen die erste Ausgabe eines Zweiteilers: »Dost 1« springt genussvoll mitten in die Gegenwart rein.
Music Review
John Carroll Kirby
Septet
Nur auf den ersten Blick gefällig: John Carroll Kirby hat mit sechs weiteren Musikern sein Album »Septet« eingespielt.
Music Review
Faye Webster
I Know I'm Funny Haha
Hier ist kein Star in der Mache, er steht schon bereit: Faye Webster hat »I Know I’m Funny Haha« auf Secretly Canadian veröffentlicht.
Music Review
Eli Keszler
Icons
Auf »Icons« sind auch mal Jungle-ähnliche Rhythmen zu hören, doch bleibt Eli Keszler der Elektroakustiker unter den Schlagzeuger*innen.
Music Review
Amaro Freitas
Sankofa
Mit seinem dritten Album »Sankofa« ist dem jungen brasilianischen Pianisten Amaro Freitas wohl endgültig ein Klassiker gelungen.
Music Review
Spellling
The Turning Wheel
Ihre Songs sind Gebilde, die allerlei wunderliche Triebe sprießen lassen. Spellling legt mit »The Turning Wheel« ein neues Album vor.
Music Review
Miša Blam
Miša Blam I Oni Koji Vole Funky
Mit »Miša Blam I Oni Koji Vole Funky« geht das Label Discom weiter seinen Weg, »unbekannte Musik aus dem ehemaligen Jugoslawien« aufzulegen.
Music Review
Various Artists
No Photos On The Dancefloor! Vol.1
Die Compilation zur Ausstellung »No Photos On The Dancefloor!« zeigt, zwischen 1992 und 2006 war Techno in Berlin vielseitiger als gedacht.
Music Review
Flamingo Pier
Flamingo Pier LP
Zeit für gute Laune: das neuseeländische Dreigespann Flamingo Pier legt auf Soundway sein Debütalbum vor.