Review

Dieter Moebius

Nurton

Bureau B • 2016

Mit »Nurton« hat Dieter Moebius 2006 – im Vergleich zum sieben Jahre älteren Album »Blotch« – auf den ersten Blick seine rhythmusbetonte Arbeit der frühen Soloalben wieder aufgegriffen. Doch ist dies eine Rückkehr in verändertem Gewand, bei der Dieter Moebius seine Loop-Studien von »Blotch« weiter getrieben hat, sich mehr Variationen, Klang- und damit auch Farbenreichtum gestattet. Es quietscht, rasselt und dröhnt, dazwischen gibt es schon mal einen klassischen Synthesizer-Ostinato-Bass. Fehler waren auf diesem Album die Hauptinspiration, wobei in diesen Collagen eigentlich nicht mehr genau zu erkennen ist, was davon ursprünglich einmal »falsch« war und was von Moebius bearbeitete »Irrtümer« sind. Bei allem Spieltrieb, dem der frühere Cluster-Mistreiter hier nachgeht, gibt es immer eine Art Groove, eine auf wie auch immer geartete Beats zurückgreifende Struktur, die ihrer Seltsamkeit ungeachtet – oder gerade deshalb – etwas Mitreißend-Hypnotisches entwickelt. Sogar reduzierte Melodien gestattet sich Dieter Moebius, wobei der Übergang von schrullig zu cheesy mitunter fließend ist. Dass diese Balance wie selbstverständlich wirkt, ist kein geringes Verdienst von »Nurton«. Dadaistisch? Vielleicht. Auf jeden Fall durch und durch Dieter Moebius.