Review

Moebius

Tonspuren

Bureau B • 1983

In der Arbeitsteilung bei Cluster, den Elektronikpionieren aus Krautrocktagen, galt zwischen Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius ein bisschen die Regel, dass Roedelius für die pastoral-harmonischen Sachen zuständig war, während Moebius sich um die verschrobenen, raueren Dinge kümmerte. So ganz konsequent kann man das selbstverständlich nicht aufrechterhalten. Und auf seinem Solodebüt beziehungsweise seinem ersten richtig solo entstandenen Album unter eigenem Namen, »Tonspuren« von 1983, gab Moebius daher auch zu erkennen, dass er, der Autodidakt, der, ganz im Sinne des Punk, kein Instrument „richtig“ beherrschte, durchaus etwas für Melodien und Harmonien übrig hatte. Einige der Stücke sind schräger Moebius von seiner besten Seite, mit störrischem Groove und aufmüpfig fiependen Frequenzen. Andere sind wunderbar naiv erscheinender, in sich verpuppter Elektropop fern jeden Kitschverdachts. Hier und da hat man den Eindruck, dass Moebius mit dieser Platte, ungeachtet des Abstands von fast einem Jahrzehnt, direkt an das große Cluster-Album »Zuckerzeit« von 1974 mit seinen ruppig-süßen Synthesizerweisen anschließen wollte. Sogar der eine oder andere Sound von damals scheint auf »Tonspuren« neu aufzutauchen. Dabei gelingen Moebius ein paar der schönsten Nummern aus dem Cluster-Kosmos überhaupt, das stoisch hoppelnde „Hasenheide“ etwa oder das lakonisch-wehmütige »Rattenwiesel«. Ein Höhepunkt in Moebius’ ausuferndem Soloschaffen